Volkswagen setzt auf Schafe statt Roboter: Wie ein Herde unter 31.000 Solarmodulen die Energiewende unterstützt

Die Industrie sucht oft nach immer komplexeren Lösungen – doch manchmal liegt die Antwort in der Vergangenheit.

Tiere treffen auf Technologie. (Bild: Xataka.com) Tiere treffen auf Technologie. (Bild: Xataka.com)

In unserer modernen und fortschrittlichen Welt ist es naheliegend, bei neuen Problemen ausgefeilte technische Lösungen zu suchen. Doch Volkswagen hat bewiesen, dass es auch ganz ohne Technik klappen kann.

Statt auf teure Roboter oder Spezialmaschinen zu setzen, nutzt der Konzern in seiner polnischen Fabrik eine uralte Lösung für ein neues Problem: eine Herde von 100 Schafen.

Dieser Artikel stammt im Original von unserer spanischen Schwesterseite Xataka und erscheint bei GameStar Tech in übersetzter und angepasster Form.

Video starten 2:45 Volkswagen findet eine innovative Lösung für ein Problem, das es so nur in Australien gibt

Die Natur nimmt ihren Lauf

Nach der Installation von 31.000 Solarmodulen der Firma Quanta für die Fabrik in Poznań entstand eine neue Herausforderung: Nicht die Module selbst, sondern der darunter wachsende Bewuchs sorgte für Schwierigkeiten.

In den großen Photovoltaik-Anlagen von VW in Polen wächst das Gras unaufhörlich – und das stellt die Betreiber vor ein logistisches und finanzielles Dilemma.

Zwischen Metallgestellen, Kabeln und elektrischen Komponenten ist der Einsatz schwerer Maschinen nicht nur teuer, sondern auch riskant. Regelmäßiges Mähen mit motorisierten Geräten verursacht Emissionen, verbraucht Energie und erfordert ständige Wartung.

Doch in Poznań fand Volkswagen eine Lösung, die nicht nur kostengünstiger, sondern auch nachhaltiger ist: die besagten Schafe.

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Die Lösung aus der Vergangenheit

  • Die Tiere übernehmen die Rolle der Rasenmäher, halten das Gras kurz und schonen dabei die empfindliche Infrastruktur der Solaranlage. Gleichzeitig sorgen die Schafe für eine Vereinfachung der Wartung der hochmodernen Energieanlage.
  • Das Projekt in Poznań ist Teil eines größeren Konzepts namens Agrivoltaik. Dabei werden Landwirtschaft und Energieerzeugung auf derselben Fläche kombiniert. Unter der Aufsicht von Forschern der Universität Poznań wurde der Schafherde zu einem echten Freiluftlabor.
  • Die Wissenschaftler untersuchen, wie das Beweiden die Biodiversität, Bodenqualität, Vegetation und das Mikroklima beeinflusst. Gleichzeitig analysieren sie, inwieweit der Schatten der Solarmodule die Tiere im Sommer vor Hitzestress schützt.
  • Die ersten Ergebnisse sind vielversprechend: Die Schafe verteilen sich natürlich über das Gelände und nutzen gezielt die schattigen Zonen unter den Modulen. Der Züchter Justyna Nowak-Gajek vor Ort äußerte sich dazu gegenüber e-magazyny.pl folgendermaßen:

Die Schafe fühlen sich sicher, teilen sich in kleinere Gruppen auf und nutzen friedlich verschiedene Teile des Hofes. Das ist ein klares Zeichen dafür, dass sie sich gut in dieser Umgebung eingelebt haben

Die Betreiber geben an, dass es den Schafen vor Ort gut geht. (Bild: e-magazyny.pl) Die Betreiber geben an, dass es den Schafen vor Ort gut geht. (Bild: e-magazyny.pl)

Ein Ökosystem entsteht

Dieses Verhalten zeigt, dass sich die Tiere wohlfühlen. Gleichzeitig fördert die Beweidung das Auftreten von Insekten und anderen Arten – und verwandelt eine einfache Solaranlage in einen deutlich artenreicheren Lebensraum als ein konventionell gemähter Rasen.

Die Agrivoltaik ist kein Nischenthema mehr. Während das Beispiel von Volkswagen besonders beeindruckend ist, weil es sich um eine große Industrieanlage handelt, setzen auch andere Länder wie Großbritannien und die USA seit Jahren auf Schafe zur Pflege von Solaranlagen.

Laut e-magazyny.pl werden rund 90 Prozent der britischen Solarparks auch landwirtschaftlich genutzt. In den USA ist das Projekt InSPIRE (Innovative Solar Practices Integrated with Rural Economies and Ecosystems) für die Forschung in diesem Bereich verantwortlich.

Das Prinzip ist einfach: Zwei Erträge aus einer Fläche. Während die Solarmodule Strom erzeugen, hält die landwirtschaftliche oder tierische Nutzung den Boden produktiv. Das reduziert die Betriebskosten, vermeidet Konflikte um die Flächennutzung und verbessert die Umweltbilanz der Anlage.

  • Eine Studie des Thünen-Instituts in Braunschweig kam zu dem Schluss, dass landwirtschaftliche genutzte Böden viel CO² speichern. Das gilt in besonderem Maße für Wiesen und Weiden, wie sie im Falle des polnischen VW-Werks unter den Solarmodulen zu finden sind.
  • In eine ähnliche Richtung deutet eine Studie, die 2025 im Magazin Frontiers in Sustainable Food Systems veröffentlicht wurde. Beweidete Flächen zeigten Potenzial für verbesserte Bodenindikatoren wie höheren Gehalt an organischer Substanz, verbesserte Bodenverdichtung und stabilisiertes Erosionsrisiko, wobei organische Substanz im Boden ein direkter Indikator für gespeicherten Kohlenstoff ist.
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Innovation muss nicht immer Hightech sein

Die Ironie des Projekts ist offensichtlich: Ein moderner, hochtechnischer Konzern findet eine effizientere Lösung in einer jahrtausendealten Praxis.

Die Leiterin des Volkswagen-Werkes, Marzena Pillich-Grońska, sagte dazu gegenüber e-magazyny.pl:

Dies ist ein Ort, der die Artenvielfalt, die lokale Landwirtschaft und die Entwicklung der wissenschaftlichen Forschung fördert. Die Schafhaltung beweist, dass die moderne Industrie im Einklang mit der Natur funktionieren kann

In einer Zeit, in der Innovation oft mit künstlicher Intelligenz, Automatisierung oder Robotik gleichgesetzt wird, zeigt Volkswagen damit, dass es manchmal reicht, der Natur einfach ihren Lauf zu lassen.


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