Ein sensationeller Zufallsfund: Vor Saint-Tropez, wo normalerweise die Reichen und Schönen feiern, verzeichnete dieses Jahr eine Unterwasser-Drohne der französischen Marine eine nicht kartierte Anomalie am Meeresgrund.
Das zweittiefste je entdeckte und dokumentierte Wrack der Welt war gefunden und markiert eine archäologische Sensation: Die besondere Stelle in immenser Tiefe konservierte das Handelsschiff aus dem 16. Jahrhundert über die Zeit.
Der Zufallsfund der Camarat 4 zeigt: Die Tiefsee kann wie ein Archiv fungieren und modernste Technik hilft, die Informationen an die Oberfläche zu holen.
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Ein Schiff liegt seit rund 400 Jahren wie in einem Kühlschrank
Im März dieses Jahres fuhr ein autonomes Unterwasser-Fahrzeug der französischen Marine den Meeresgrund ab, um ihn im Rahmen der Operation Beherrschung der Meeresböden
hydrografisch zu kartieren. Im Juni 2025 meldete das französische Marinekommando für das Mittelmeer dann in einer Pressemeldung den Zufallsfund:
- Das Wrack: ein 30 Meter langes und 7 Meter breites Handelsschiff, aus der Zeit der Renaissance.
- Die Ausstattung: Mehrere Kanonen, eine vollständige Ankerkonstruktion sowie zwei Kessel für den Bordbetrieb.
- Die Ladung: rund 200 Krüge, von denen viele mit dem Christusmonogramm
IHS
verziert sind, sowie etwa 100 Teller aus Ligurien. - Der Name:
Camarat 4
ist ein Arbeitsname der Forscher, abgeleitet von seinem geografischen Fundort vor Cap Camarat.
Das Wrack ist in einem exzellenten Zustand, die französischen Experten für archäologische Unterwasser- und Meeresforschung (DRASSM) schreiben: In den Tiefen ist die Zeit stehengeblieben.
Das macht das Wrack für die Archäologie so wertvoll:
- Kein menschlicher Zugriff: Schiffswracks fallen häufig der Plünderung zum Opfer. Die Tiefsee hat die Überreste der Camarat 4 vor dem Zugriff geschützt.
- Wie ein natürlicher Kühlschrank: Im kalten Wasser und im sauerstoffarmen Sediment wird Material besonders gut konserviert.
Damit ist die Camarat 4 das tiefste je inventarisierte Kulturgut in französischen Hoheitsgewässern.
Die Tiefsee als Archiv – und Spielplatz für modernste Technik
Da das Wrack an seinem Fundort gut geschützt ist, verwenden die französischen Forscher für die weitere Untersuchung Unterwassertechnik:
- Visuelle Inspektion: Mit einem Unterwasserroboter vom Typ ROV (Remotely Operated Underwater Vehicle), der in Tiefen bis zu 4.000 Metern operieren kann, wurde das Wrack inspiziert.
- Die Daten: Der ROV liefert
Farbvideos und Bilder in exzellenter Qualität
. - Das Ziel: Geplant sind die vollständige Photogrammetrie des Wracks und die Erstellung eines 3D-Modells.
Ein ähnlicher digitaler Zwilling
entstand auch im Rahmen einer Dokuserie über das wohl berühmteste Schiffswrack der Welt: das der Titanic.
Die französische Marine und das DRASSM nutzen das nahezu intakte Wrack als günstiges Terrain
für den Ausbau ihrer Kompetenzen und setzen damit einen klaren Standard für zukünftige Expeditionen.
Die französischen Behörden messen dem Fund eine dreifache Bedeutung für die künftige Forschung zu:
- Etablierung des Archivs Tiefsee: Das Wrack beweist, dass die extremen Tiefen des Mittelmeers historische Artefakte über Jahrhunderte vor Zerfall und Plünderung schützen können.
- Technologischer Benchmark: Die erfolgreiche Anwendung von ROV-Scanning, Photogrammetrie und 3D-Modellierung zur Erstellung eines digitalen Zwillings etabliert die Methodik für die Dokumentation aller künftigen Tiefseefunde.
- Wissenschaftliche Pionierleistung: Die Untersuchungen dienen als
neue Etappe in der Erforschung der Abgründe
und tragen zur Ausbildung künftiger Experten bei, die das reiche, aber schwer zugängliche Kulturerbe der französischen Tiefsee erforschen werden.
Ein Fenster ins 16. Jahrhundert steht nun offen in der Tiefsee – geschützt durch Kälte, erforscht durch High-Tech-Robotik. Die Entdeckung von Camarat 4 hat das Spielfeld der Archäologie in die Tiefsee verlegt.


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