Wo bleibt das Ende der Zeitumstellung ein Jahr nach der Bürgerbefragung?

Die EU-Kommission versprach ihre Abschaffung, doch geschehen ist bislang nichts. Verhindern Bürokratie und Eigenbrötlerei das Ende der Zeitumstellung bis 2021?

von Alexander Köpf,
31.08.2019 18:43 Uhr

Seit 1916 wird in Deutschland jährlich zweimal an der Uhr gedreht. (Bildquelle: Pixabay/CC0)Seit 1916 wird in Deutschland jährlich zweimal an der Uhr gedreht. (Bildquelle: Pixabay/CC0)

Vor gut einem Jahr war das Ende der Zeitumstellung ein großes Thema. Eine Umfrage sollte klären, wie die EU-Bürger zum halbjährlichen Wechsel zwischen Sommer- und Normalzeit stehen.

Eine überwältigende Mehrheit war für das Ende der Umstellung, doch bislang ist nichts geschehen - warum tut sich - zumindest in der Öffentlichkeit - nichts in Sachen Zeitumstellung?

Von Versprechungen und Sorgen

Am 16. August 2018 endete in Deutschland die Onlineumfrage der EU-Kommission zur Zeitumstellung. Rund zwei Wochen danach, am 31. August, wurden die Ergebnisse offiziell bekanntgegeben: von den 4,6 Millionen Teilnehmern stimmten 84 Prozent für die Abschaffung des halbjährlichen Wechsels.

Eine Mehrheit sprach sich für die ganzjährige Sommerzeit aus. »Die Menschen wollen das, wir machen das«, ist Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker zu zitieren. Ein Jahr nach der EU-weiten Umfrage scheint das Projekt aber ins Stocken geraten zu sein.

Das Ende der Zeitumstellung - 2019 ist vielen EU-Ländern zu früh

Jean-Claude Juncker versprach im Namen der EU-Kommission die Abschaffung der Zeitumstellung.Jean-Claude Juncker versprach im Namen der EU-Kommission die Abschaffung der Zeitumstellung.

Laut Heise sind die EU-Staaten das Hauptproblem und beruft sich dabei auf Aussagen aus Brüsseler Diplomatenkreisen. Kaum ein Land habe eine Position in der Frage der Zeitumstellung bezogen: es gebe die Sorge, dass die Auswirkungen nicht ausreichend erforscht und analysiert seien.

Die Befürchtungen gehen zudem dahin, dass das Aufbrechen der bisherigen Regelung mehr Schaden anrichten könnte, da die einzelnen Staaten künftig selbst entscheiden sollen, ob sie dauerhaft die Sommer- oder Normalzeit (Winterzeit) wollen.

Zeitumstellung - EU-Minister fordern teils Aufschub

Bereits jetzt ist die Europäische Union in Sachen Zeit uneins: Deutschland und 16 weitere EU-Staaten etwa gehören der Mitteleuropäischen Zeit (MEZ) an.

Das Vereinigte Königreich, Irland und Portugal hingegen zählen zur Greenwich Mean Time (GMT), sind also eine Stunde zurück, während Finnland, Griechenland, Rumänien, Bulgarien und die baltischen Staaten wiederum Teil der Eastern European Standard Time (EET) und eine Stunde voraus sind.

Abschaffung beschlossene Sache?

Hinzu kommt, dass die Umfrage kaum als repräsentativ bezeichnet werden kann. Nicht einmal 1,0 Prozent der rund 513 Millionen EU-Bürger nahm daran Teil. Zudem stammen 3 Millionen der insgesamt 4,6 Millionen Stimmen aus Deutschland.

An der Umfrage der EU zur Abschaffung der Zeitumstellung nahmen vor allem deutsche Bürger teil.An der Umfrage der EU zur Abschaffung der Zeitumstellung nahmen vor allem deutsche Bürger teil.

Noch ist aber ausreichend Zeit, um Änderungen umzusetzen, denn das Europaparlament bestätigte mehrheitlich das Ergebnis der Sondierung und votierte für eine Abschaffung der Zeitumstellung bis 2021.


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