Das beliebte Xiaomi Band 9 wollte ich mir schon länger für GameStar Tech anschauen, also habe ich den Hersteller um ein Testgerät gebeten, zugegebenermaßen ohne große Erwartungen im Vorfeld. Was kann ein Fitnesstracker für den Preis schon leisten?
Die überraschende Antwort zeigt mir einmal mehr, warum ich genau diesen Job als Tech-Redakteur so gerne mache: Wie sehr habe ich das Armband unterschätzt und mich daran erfreut.
Doch trotz der unerwarteten Euphorie kann ich das Xiaomi Band 9 nicht jedem empfehlen. Warum, das erfahrt ihr jetzt.
Tranparenzhinweis: Xiaomi hat mir für den Test das Band 9 kostenfrei zur Verfügung gestellt. Der Hersteller hatte keinen Einfluss auf den Artikelinhalt und bekam keine Einsicht vor Erscheinen des Tests. Es bestand keine Verpflichtung zu einem Testbericht. Das Testgerät geht wieder zurück zum Hersteller.
Xiaomi Band 9 in unter fünf Minuten
4:36
Xiaomi Band 9 im Schnelltest in unter 5 Minuten
Xiaomi Band 9: Nicht perfekt, aber das muss es auch nicht
Kommen wir gleich zu den nackten Zahlen. Wer einen günstigen Schrittzähler fürs Handgelenk sucht, wird vom Xiaomi Band 9 nicht enttäuscht.
Zwar erreicht der Tracker keine Punktlandung, aber die sehr geringe Differenz verdaut sich angesichts des Preises sehr leicht, wie die folgenden Werte zeigen.
| Tatsächliche Schritte | Apple Watch Ultra 2 | Xiaomi Band 9 |
|---|---|---|
| 1.000 | 1.003 | 1.021 |
Im Vergleich zu einer Apple Watch und bei über 10.000 Schritten zeigt das Armband am Ende des Tages auch nur eine geringe Abweichung, die ein gutes Gefühl vermittelt.
100 Schritte Differenz (zu viel) vermasseln nicht den Spaß am Tracken der Schritte, zumal deutlich teurere Modelle zeigen, wie es wesentlich schlechter geht.
Wer Strecke und GPS-Daten aufzeichnen möchte, muss das Smartphone in der Tasche haben. Auch eine automatische Trainingserkennung fehlt.
- Immerhin zeigt das Band bei der Herzfrequenzmessung in zwei von vier Fällen relativ gute Daten zur durchschnittlichen und maximalen Herzfrequenz an.
- In den anderen 50 Prozent der Fälle weist das Xiaomi-Band im Vergleich zu einem Brustgurt größere Abweichungen auf, wie die nachfolgenden Daten zeigen.
- Beim Ruhepuls beträgt der Unterschied etwa ein bis zwei Schläge (selten mehr).
Messung 1
| Herzfrequenz im Schnitt | Max. Herzfrequenz | |
|---|---|---|
| Xiaomi Band 9 | 158 | 186 |
| Polar H10 | 159 | 188 |
Messung 2
| Herzfrequenz im Schnitt | Max. Herzfrequenz | |
|---|---|---|
| Xiaomi Band 9 | 150 | 177 |
| Polar H10 | 144 | 178 |
Für die Aufzeichnung der Trainingsdaten reicht das Smartband durchaus, wenn man die fehlende Integration von Musikdiensten verschmerzen kann.
Wer auf eine genaue Herzfrequenzmessung Wert legt, sollte sich aber lieber bei der Konkurrenz umsehen.
Warum ein Brustgurt als Referenz? Ein Brustgurt zur Messung der Herzfrequenz gilt als Goldstandard und bietet gegenüber anderen Methoden wie der optischen Pulsmessung am Handgelenk entscheidende Vorteile.
Brustgurte messen die elektrischen Signale des Herzens direkt, was potenziell zu wesentlich genaueren Herzfrequenzmessungen führt. Externe Faktoren wie Hautfarbe, Haarbewuchs oder Passform des Geräts beeinflussen zudem die Messung mit einem Brustgurt weniger.
Schlaftracking
Ein anstrengender Tag endet meist im Bett und schließlich im Schlaf. Positive Nachrichten gibt es auch hier: Im Vergleich mit einer Apple Watch, dem Amazfit Helio Ring sowie dem Whoop 4.0-Armband glänzt das Xiaomi Band 9 bei der Schlafdauer.
Messung 1
| Wearable | Gesamt | Wach | Leicht | Tief | Rem |
|---|---|---|---|---|---|
| Band 9 | 06:05 | 00:00 | 02:26 | 02:15 | 01:24 |
| Watch Ultra 2 | 06:03 | 00:13 | 03:49 | 00:48 | 01:31 |
| Whoop 4.0 | 05:50 | 00:12 | 03:46 | 00:55 | 01:09 |
| Helio Ring | 06:01 | 00:00 | 03:39 | 01:07 | 01:15 |
Messung 2
| Wearable | Gesamt | Wach | Leicht | Tief | Rem |
|---|---|---|---|---|---|
| Band 9 | 07:03 | 00:14 | 02:57 | 02:11 | 01:54 |
| Watch Ultra 2 | 07:05 | 00:12 | 04:30 | 00:32 | 01:58 |
| Whoop 4.0 | 06:48 | 00:28 | 03:46 | 01:17 | 01:45 |
| Helio Ring | 06:54 | 00:00 | 04:36 | 00:48 | 01:10 |
Gleichzeitig zeigt es im Vergleich die größten Abweichungen im Leicht- und Tiefschlaf.
Klar, keines der vier Geräte erreicht die Genauigkeit eines Schlaflabors.
Der Trend nach vier Nächten zeigt jedoch, dass der Xiaomi Tracker als einziges der vier Geräte stärker abweicht. In diesem Fall vertraue ich der Mehrheit, insbesondere der Apple Watch sowie dem Helio Ring, die beim Schlaftracking einen sehr guten Job machen.
Wie trägt sich das Xiaomi Band 9?
Sport und Schlafen schön und gut, aber wie schmiegt sich das Armband überhaupt der Haut an? Kurz: Ausgezeichnet. Das Band trägt sich am Handgelenk nicht nur unauffällig, sondern auch sehr bequem – ganz egal ob beim Schlafen, Spazieren oder Laufen.
Dabei macht es obendrein einen hochwertigen Eindruck und wirkt keineswegs billig, wie man angesichts des Preises vermuten könnte.
Das Silikonarmband verschließt sehr fest und das Gehäuse wirkt stabil.
Auf Eingaben reagiert das 1,62 Zoll große Display sofort. Nichts ruckelt oder lässt lange auf sich warten. Dank des hellen Displays mit 1.200 Nits sind Trainingsmetriken, etwa die Schrittzahl, bei jeder Art von Lichtverhältnissen, sogar bei direkter Sonne, gut erkennbar.
Das Schöne daran: Es spielt keine Rolle, ob man ein iPhone oder ein Android-Handy sein Eigen nennt. Das Band verträgt sich mit beiden Betriebssystemen.
Die Akkulaufzeit ist vorbildlich
Xiaomi hat mir das Band 9 für etwas mehr als drei Wochen zur Verfügung gestellt. In dieser Zeit konnte ich den Akku zwar entladen, aber nur mit Mühe.
Das heißt: Die vom Hersteller angegebenen 21 Tage sind durchaus realistisch, wenn man weniger Sport treibt und das Armband sporadisch zum Schlafen am Handgelenk trägt.
Ich habe im Testzeitraum sechs Aktivitäten aufgezeichnet und das Armband zehn Nächte zum Schlafen getragen. Die Funktion zum Einschalten des Displays beim Heben des Arms wurde deaktiviert, ebenso die Always-on-Anzeige.
Damit habe ich eine Akkulaufzeit von knapp 17 1/2 Tagen erreicht.
Für wen sich das Xiaomi Band 9 nicht eignet
Neben sporadischen Patzern bei der Herzfrequenzmessung und fehlendem GPS sind weitere Einschränkungen des Armbandes zu nennen:
- Eine große Auswahl an Apps wie bei Wear OS oder watchOS gibt es nicht.
- Auf der Suche nach einem Fitnesstracker, mit dem man auch mal unterwegs einkaufen kann? Fehlanzeige. Xiaomi verbaut also keinen NFC-Chip.
- Nachrichten von Messengern wie WhatsApp, Telegram und Co. empfängt das Armband zwar vom Smartphone, die Dienste sind aber systembedingt eingeschränkt.
- Zudem bietet das Armband keine Möglichkeit, eingehende Nachrichten zu beantworten.
Beim Xiaomi Band 9 handelt es sich um einen Fitnesstracker, der auf solchen Schnickschnack verzichtet. Immerhin bietet das System eine ausreichende Auswahl an Zifferblättern, die sich leicht anpassen lassen.
Softwareupdates
Die genaue Dauer der Software-Updates für das Xiaomi Band 9 ist von verschiedenen Faktoren abhängig und wird von Xiaomi offiziell nicht für einen festen Zeitraum garantiert.
Mindestens 2 Jahre: Basierend auf den bisherigen Erfahrungen mit Xiaomi-Wearables halte ich es für realistisch, mit mindestens zwei Jahren Software-Updates zu rechnen. Darüber hinaus versorgt Xiaomi das Armband vermutlich weitere Jahre mit Sicherheitsupdates.
Kontozwang und Datenschutz
Die Einrichtung des Xiaomi Band 9 verlief problemlos. In Verbindung mit der Mi Fitness-App wurde das Armband im Handumdrehen erkannt und die Einrichtung erfolgte gefühlt automatisch.
Ein Konto bei Xiaomi wird allerdings vorausgesetzt. Kein Konto, keine Einrichtung. Um fair zu sein: Bei der Konkurrenz gibt es ähnliche Verfahren.
Zum Datenschutz: Bei der Einrichtung eines Kontos werden grundlegende Kontoinformationen wie Telefonnummer, E-Mail-Adresse und Passwort gespeichert. Zusätzliche Kontoinformationen wie Profilbild, Spitzname, Geschlecht, Standort, Modell, IMEI und IP-Adresse werden ebenfalls abgefragt.
Der Hersteller selbst gibt an, dass die personenbezogenen Daten unter bestimmten Umständen verwendet werden, darunter im Falle der nationalen Sicherheit und Verteidigung, der öffentlichen Sicherheit, der öffentlichen Gesundheit und wichtiger öffentlicher Interessen, strafrechtlicher Ermittlungen und mehr.
Unter bestimmten Umständen können die Daten auch den Kontinent verlassen, heißt es in der Datenschutzerklärung der App:
»Xiaomi verarbeitet und sichert personenbezogene Daten über globale Betriebs- und Kontrolleinrichtungen. Derzeit verfügt Xiaomi über Datenzentren in Indien, den Niederlanden, Russland und Singapur. Für die in dieser Datenschutzerklärung beschriebenen Zwecke können Ihre Daten in Übereinstimmung mit dem geltenden Recht an diese Rechenzentren übertragen werden. Wir können Ihre personenbezogenen Daten auch an Drittanbieter und Geschäftspartner weitergeben, und Ihre Daten können daher auch in andere Länder oder Regionen übermittelt werden. … Dies ändert jedoch nichts an unserer Verpflichtung, diese Datenschutzerklärung einzuhalten und Ihre personenbezogenen Daten zu schützen«
Spezifikationen
| Spezifikation | Xiaomi Band 9 |
|---|---|
| Display | 1,62 Zoll AMOLED, 192 x 490 Pixel |
| Helligkeit | Bis zu 1200 Nits |
| Maße | 46,53 x 21,63 x 10,95mm |
| Sensoren | Beschleunigungssensor, Gyroskopsensor, optischer Herzfrequenzsensor, SpO2-Sensor |
| Wasserdicht | 5 ATM |
| Batterie | 233 mAh |
| Akkulaufzeit | Bis zu 21 Tage |
| Bluetooth | 5.4 |
| Kompatibilität | Android 8.0 oder höher, iOS 12.0 oder höher |
| Besondere Funktionen | Über 150 Sportmodi, Schlaf-Tracking, SpO2-Messung, Benachrichtigungen |
So habe ich getestet
Ich habe das Xiaomi Band 9 während knapp drei Wochen beim Schlafen, Laufen und Spazieren am Handgelenk getragen. Für den Vergleich beim Laufen habe ich einen Brustgurt (Herzfrequenzmessung) und eine Apple Watch Ultra 2 verwendet. Für das Schlaftracking habe ich zusätzlich den Helio Ring und das Whoop 4.0 Armband als Vergleich hinzugezogen.
Preise und Verfügbarkeit
Das Xiaomi Band 9 ist in vier unterschiedlichen Farben zu einem Preis von 35 bis 40 Euro erhältlich.
Solltet ihr das Xiaomi Band 9 kaufen?
Das Xiaomi Band 9 lohnt sich für euch, wenn ihr …
… einen günstigen Fitness-Tracker sucht.
… hauptsächlich Schritte und Schlaflänge messen möchtet.
… auf NFC, GPS sowie eine breite App-Auswahl getrost verzichtet.
… Musik ohnehin nur auf dem Smartphone hört.
… eine lange Akkulaufzeit ganz oben auf die Liste setzt.
Mögliche Alternativen zum Xiaomi Band 9
- Wem GPS und Bezahlmöglichkeiten über Google Pay wichtig sind, bekommt von Google mit dem Fitbit Charge 6 eine Alternative geboten. Hier liegt der Preis allerdings bei knapp 110 Euro.
- Einen ähnlich günstigen Fitnesstracker wie Xiaomi stellt Huawei in die Verkaufsregale. Das Huawei Band 9 erreicht zwar laut Hersteller »nur« eine Akkulaufzeit von 9 bis 14 Tagen, hat dafür aber GPS integriert. Außerdem lässt sich das Armband per Schnellladung in 45 Minuten von 0 auf 100 Prozent aufladen.
- Wer keinen Wert auf eine möglichst lange Akkulaufzeit legt, kann getrost zum Vorgänger greifen. Das Xiaomi Band 8 unterscheidet sich kaum vom neuesten Modell und ist bereits ab 28 Euro erhältlich.
Das Xiaomi Band 9 hat mich auf dem richtigen Fuß erwischt. Für unter 40 Euro eignet es sich hervorragend als Tracker für Schritte und Schlafdauer.
Wenn euch genau diese beiden Disziplinen besonders wichtig sind, macht ihr mit dem smarten Armband (fast) nichts falsch. Zumindest, wenn ihr auf GPS und NFC-Chip verzichten könnt.

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