Nicht Lithium, sondern Ziegel, Kies und Salz  – diese alte Idee könnte ein großes Energieproblem der Industrie lösen

Statt Strom direkt zu speichern, setzen neue Wärmespeicher auf günstige Materialien und Hitze – das könnte vor allem der Industrie helfen.

37 Prozent des weltweiten Energiebedarfts entfallen auf die Industrie. Und 80 Prozent der Prozesswärme stammen aus fossilen Energieträgern. (Bildquelle: Pixabay, jwvein) 37 Prozent des weltweiten Energiebedarfts entfallen auf die Industrie. Und 80 Prozent der Prozesswärme stammen aus fossilen Energieträgern. (Bildquelle: Pixabay, jwvein)

Ein großer Teil der Energiedebatte wird noch immer so geführt, als gehe es vor allem um Strom. Um Netze, Akkumulatoren, Kraftwerke, Windräder und Solaranlagen. Doch einer der größten Brocken liegt woanders (via Reuters).

Denn ein erheblicher Teil des weltweiten Energiebedarfs entfällt nicht auf digitale Anwendungen oder Mobilität, sondern auf Wärme: auf Dampf, Öfen, Trocknung und Schmelze. Die Industrie braucht Hitze in gewaltigen Mengen, und noch immer wird dieser Bedarf meist mit Gas, Kohle oder Öl gedeckt.

Gerade deshalb rückt eine jahrtausendealte Technik in den Fokus, die fast demonstrativ unspektakulär wirkt:

Wärme speichern.

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Strom wird zu Hitze auf Vorrat

Das Prinzip dahinter ist schlicht und wurde schon sehr früh in Lehmhütten angewandt. Damals speicherten die Wände tagsüber Wärme, die nachts wieder abgegeben wurde.

Heute ist es zwar etwas technischer, aber im Grunde dasselbe: Wenn viel Wind weht oder Solaranlagen ausreichend günstigen Strom liefern, wird dieser gezielt in Wärme umgewandelt.

Diese Wärme lässt man nicht einfach verpuffen, sondern speichert sie in Materialien, die eher nach Lagerhalle als nach Labor klingen: Wasser, geschmolzenes Salz, Sand, Gestein oder Beton.

Später lässt sich diese Energie genau dort wieder abrufen, wo sie gebraucht wird – nicht als abstrakte Reserve, sondern als Prozesswärme für reale Abläufe in der Industrie. Und genau darin liegt die Stärke des Konzepts. Es will keine elegante Universallösung sein, sondern schließt eine sehr konkrete Lücke: verlässliche Wärme zur richtigen Zeit.

Bemerkenswert ist dabei auch, dass die Wärme (bis deutlich über 2.000 Grad Celsius) nicht nur wenige Stunden oder Tage, teils sogar deutlich länger gespeichert werden kann. Eine entsprechend gute Isolierung vorausgesetzt.

An diesem Punkt gerät die Dekarbonisierung nämlich ins Stocken. Strom aus Wind und Sonne fällt nicht immer dann an, wenn Fabriken ihn brauchen. Industrieprozesse warten nicht auf Wetterlagen.

Ein Speicher, der Hitze direkt puffert, trifft deshalb einen neuralgischen Punkt des Systems.

Keine Wunderwaffe, aber ein harter Hebel

Natürlich sind thermische Speicher keine Wunderwaffe. Sie ersetzen weder den Netzausbau noch Akkumulatoren. Auch der Vergleich mit Lithium-Ionen-Speichern ist nicht immer sauber, weil dabei in der Regel Strom mit Wärme verglichen wird.

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Interessant ist die Technik nicht wegen des Spektakels, sondern aufgrund ihrer Nüchternheit. Sie adressiert einen blinden Fleck der Energiedebatte – und zwar dort, wo die Energiewende bislang besonders schwer vorankommt.

Wärme auf Vorrat klingt auf den ersten Blick nicht nach Zukunft. Aber sie könnte genau an dieser Stelle entscheidend werden.

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