Age of Empires 4 - Mittelalter muss sein!

Wenn Publisher heißgeliebte Klassiker fortsetzen, birgt das immer ein Risiko. Das Setting wird entscheiden, ob Age of Empires 4 ein feuchter Fan-Traum sein kann.

von Dimitry Halley,
22.08.2017 16:49 Uhr

Age of Empires 4 lässt uns rätseln, wann und wo es spielt. Age of Empires 4 lässt uns rätseln, wann und wo es spielt.

Da mag der Zyniker in mir sprechen, aber wenn Publisher einen heißgeliebten Klassiker fortsetzen oder wiederbeleben wollen, dann zuckt mir immer kurz und sorgenvoll der Magen. Klar, ich freue mich. Wie auch nicht? Ein Age of Empires 4! Mensch, das ist fantastisch! Damit hätte ich Anfang des Jahres nie gerechnet.

Dieses Spiel könnte mich wieder an die Echtzeitstrategie binden wie es seit, naja, Age of Empires 2 kein Spiel mehr getan hat. Nur lauern bei solchen Modernisierungen immer gefährliche Versuchungen am Horizont. Und wenn Publisher denen nachgehen, dann kann das eine edle Idee ziemlich ruinieren.

Ums konkret zu machen: Als im Raum stand, dass auf der Gamescom 2017 ein neues Age of Empires angekündigt wird, dann waren meine ersten Gedanken die folgenden: Bitte, bitte, kein Free2Play-AoE. Bitte keine Sammelkarten, die man gegen Echtgeld kaufen kann, damit sie im Spiel meine Einheiten buffen. Bitte kein Ranked-Multiplayer-Fokus auf Kosten einer Kampagne.

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Bei moderneren Marken wie Halo Wars 2 mag ich mir solche Experimente gefallen lassen, und auch die Köpfe hinter Age of Empires hatten ihre Chancen auf erfolgreiche Wagnisse. Doch die gingen stets in die Hose. Age of Empires 3 konnte sich mit seinem Kolonialsetting nicht nachhaltig bei den Fans platzieren, von Age of Empires Online mit seinem Facebook-Casual-Appeal und Free2Play-Wahn brauchen wir gar nicht erst anfangen. Schluss damit!

Age of Empires braucht keine Wagnisse mehr, kein Trendwellen-Gesurfe, sondern ein wertiges, neues Fundament. Und deshalb sollte Relic da ansetzen, wo die Serie zum letzten Mal großartig war: Im Mittelalter.

Science Fiction ist ausgeschlossen

Mein Plädoyer fürs Mittelalter fußt aber freilich nicht nur auf der Tatsache, dass Age of Empires 2 das letzte geniale AoE war. Nein, die Spielelandschaft ist einfach ganz generell wieder reif für ein gutes Strategiespiel im Mittelalter. Warum also nicht im Rahmen einer Marke, die eines der besten Mittelalter-RTS aller Zeiten hervorgebracht hat?

Das Mittelalter ist für Strategiespiele, was der Zweite Weltkrieg über Jahre bei Ego-Shootern war: Ein einst extrem beliebtes Szenario, das für lange Zeit auf der Ersatzbank landete. Call of Duty: WW2 zeigt aber, dass die Community solch eine Renaissance mit offenen Armen begrüßt. Und das wäre auch bei einem Age of Empires mit Rittern und Katapulten wieder der Fall - behaupte ich zumindest.

Age of Empires 4 - Ankündigungs-Trailer von der Gamescom 2017 1:37 Age of Empires 4 - Ankündigungs-Trailer von der Gamescom 2017

So ziemlich jedes andere Szenario wird aktuell von anderen, frischen Strategiespielen besetzt: Anno 1800 widmet sich der Industrialisierung, Sudden Strike 4 und andere dem Zweiten Weltkrieg, Halo Wars 2 und Dawn of War 3 decken Science Fiction ab.

Gut, Antike oder Steinzeit wären tatsächlich ebenfalls unverbrauchte und coole Szenarien, aber gepaart mit dem bald erscheinenden Age of Empires: Definitive Edition, das ja die Antike beinhaltet, ließe sich noch ein Römer-RTS sicherlich ungünstiger vermarkten. Jetzt kann man natürlich einwerfen, dass es ja auch eine Definitive Edition von Age of Empires 2 geben wird - und darüber hinaus bereits ein HD-Remaster existiert, das immer noch online gespielt wird. Beide bieten Mittelalter.

Mittelalter ist der Renner

Das stimmt auch, aber wenn Microsoft seinen Erfolg maximieren will, dann steht das Mittelalter insgesamt einfach höher im Kurs als die Antike - nur halt im Strategiesegment noch nicht. Spiele wie Mount & Blade 2: Warband und Kingdom Come: Deliverance befeuern das allgemeine Interesse in der Gaming-Community genauso wie Game of Thrones mit seinem mittelalterlichen Fantasy-Szenario.

Und außerdem soll ein Age of Empires 4 gefälligst mehr sein als ein Age of Empires 2.5. Es soll das Mittelalter nehmen und damit ein neues Fundament mit neuen Kernmechaniken erschaffen.

Mount & Blade 2: Bannerlord - Preview-Video: Riesige Schlachten, riesige Freiheit 11:08 Mount & Blade 2: Bannerlord - Preview-Video: Riesige Schlachten, riesige Freiheit

Stellen Sie sich mal eine epische Ritterschlacht in moderner Engine vor, mit unzähligen berittenen Kriegern, die unter heftigem Pfeilbeschuss auf die Infanterie losstürmen. Oder den Angriff der Mongolen, die sich ins kleinste Detail von den westlichen Truppen unterscheiden, mit ihren Kurzbögen Formationen zerstören und Siedlungen mit Pestkatapulten attackieren.

Wir würden mit Wikingern, Persern, Byzantinern, Berbern, Deutschrittern oder Samurai in die Schlacht ziehen - so viele unverbrauchte und gleichermaßen tolle Fraktionen für ein Echtzeit-Strategiespiel! So sehr ich die Römer und ihr Szenario auch mag, das Mittelalter bietet mir aus dem Stand viel mehr.

Gut, am Ende des Tages wird das wahrscheinlich alles Wunschdenken bleiben. Der erste Teaser von AoE 4 lässt vermuten, dass das Spiel wie einst Empire Earth diverse Epochen anbieten wird, in denen man sich austoben kann. Das halte ich für einen guten Kompromiss, schließlich gäbe es dann ja zumindest einen mittelalterlichen Zeitabschnitt. Allerdings hat ja gerade Empire Earth gezeigt, dass so ein Unterfangen häufig auf Kosten der Detailgenauigkeit geht. Mir wäre ein detailliertes Mittelalter lieber. Und Ihnen?

Age of Empires: Definitive Edition - Age of Empires kehrt zurück! 5:07 Age of Empires: Definitive Edition - Age of Empires kehrt zurück!


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