Die Elder Scrolls, die Bethesda beinahe ruinierten - Was verbirgt sich hinter Battlespire und Redguard?

Jeder kennt Skyrim - aber wie sieht's mit diesen beiden Elder Scrolls aus? Wir werfen einen Blick zurück und klären, ob sich Battlespire und Redguard heute noch lohnen.

von Dimitry Halley,
22.03.2017 16:33 Uhr

Das soll The Elder Scrolls sein? Ja, und es lohnt sich, sich damit zu beschäftigen. Auch wenn die entsprechenden Spiele nicht gerade toll sind.Das soll The Elder Scrolls sein? Ja, und es lohnt sich, sich damit zu beschäftigen. Auch wenn die entsprechenden Spiele nicht gerade toll sind.

Wenn jemand rückblickend über Morrowind spricht, dann redet er meist über die schönen Erinnerungen, die er in Vvardenfell verbracht hat. Mache ich auch, kann's also verstehen. Aber kaum jemand gedenkt der armen, geschundenen Seelen, die stattliche sechs Jahre (!) auf Morrowind warten mussten - obwohl es bereits für 1998 versprochen war (es erschien letztlich 2002).

Und genau über diese Durststrecke will ich heute reden, denn dort verbergen sich so einige kuriose Geschichten. Zum Beispiel die ersten mir bekannten Preorder-Boni. Oder ein Brief von Bethesda, bei dem sich der Publisher im Prinzip bei den Fans für die lange Wartezeit entschuldigt und ihnen ein Ersatzspiel in die Hände drückt. Zwischen dem Release von The Elder Scrolls 2: Daggerfall 1996 und The Elder Scrolls 3: Morrowind erschienen nämlich zwei ganz ungewöhnliche Elder-Scrolls-Spiele: Battlespire (1997) und Redguard (1998).

Battlespire war als Erweiterung zu Daggerfall geplant, Redguard als Konkurrent für Tomb Raider, Prince of Persia und Ultima - keine der beiden Rechnungen ging auf, Bethesda stand am Ende kurz vor dem Ruin und musste mit Morrowind alles auf eine Karte setzen. Glücklicherweise klappte es beim dritten Versuch - aber ich will heute nicht über Siege reden, sondern über Niederlagen. Denn es lohnt sich in meinen Augen, sich die beiden Titel anzuschauen, die den Publisher beinahe ins Aus katapultierten.

Morrowind-Woche: Weil ich beim Schreiben meiner Morrowind-vs.-Skyrim-Kolumne wieder extrem Lust auf Morrowind bekommen habe, wird's darüber hinaus einige weitere Artikel von mir geben, die sich ganz mit den vergessenen Schätzen von The Elder Scrolls beschäftigen. Und ein Special, wie man Morrowind mit Mods wieder hübsch machen kann. Oder eben wie hier ein Blick in die dunklen Ecken von The Elder Scrolls.

The Elder Scrolls Adventures: Battlespire

In Battlespires Spielschachtel lag der besagte Brief von Bethesda, der den Fans für ihre Geduld beim Warten auf Morrowind dankt - und ihnen bis dahin Battlespire als Hybrid-Elder-Scrolls (Mix aus Action-Adventure und Rollenspiel) mit auf den Weg gibt. In Wahrheit wurde die Entwicklung von Morrowind pausiert, und man verteilte die zusätzlichen Mitarbeiter auf Battlespire und Redguard. Das führte dazu, dass aus dem ursprünglichen Daggerfall-Addon ein eigenes Spin-Off wurde - eben Battlespire.

Dabei spart sich das Spiel viele der Kernmechaniken, die die beiden Serien-Vorgänger Arena und Daggerfall erst so beliebt machten: Es gab keine Open World, weniger Rassen bei Charaktererstellung, kaum Rollenspielelemente. Stattdessen einen Dungeon-Crawler aus Ego-Perspektive. Eine Gemeinsamkeit mit Daggerfall behielt sich das Spiel allerdings bei: Es erschien ziemlich verbuggt.

Okay, darüber hinaus blieb auch zumindest der Geist eines Rollenspiels erhalten: Man bastelt sich zu Beginn eine Figur, wählt dabei aus den üblichen Elder-Scrolls-Völkern und Fertigkeiten - und bemerkt rasch, dass Nacktheit im Spiel kein Tabu ist. Denn der eigene Recke startet im Erdgeschoss eines gigantischen Magierturms mit wehendem Gemächt (oder wahlweise dem weniger wehenden weiblichen Äquivalent). Das Spielziel: Den Turm von den Heerscharen des dunkeln Fürsten Mehrunes Dagon befreien (demselben Feind wie später in Oblivion) - und was zum Anziehen zu finden.

Battlespire spielt sich wie Action-Rollenspiel mit ziemlich fummeliger Bedienung, die Spiel-Balance hat kleinere bis größere Macken (man kann bei der Charaktererstellung sehr viel falsch machen), aber unterm Strich will ich trotzdem eine kleine Lanze für das Spiel brechen: Obwohl ich die harsche Kritik verstehen kann, ist das Spiel nicht so schlecht, wie es von vielen gemacht wird.

Ich persönlich hatte mit dem kleinen Brüderchen von Daggerfall sogar viel Freude, weil's eben eine kompakte, neue Sichtweise auf das bekannte Elder-Scrolls-Universum wirft. Das gilt übrigens auch für den Nachfolger Redguard, der sich sogar das letzte bisschen Rollenspiel schenkt und stattdessen zu Lara Croft lunzt.

The Elder Scrolls Adventures: Redguard

Redguard ist das deutlich spannendere Spielm, weil es abseits von dem gleichen Schauplatz nämlich quasi gar nichts mit den anderen Elder-Scrolls-Titeln gemeinsam hat. Es ist kein Rollenspiel, sondern ein Action-Adventure, schiebt das Fantasy-Setting ein wenig beiseite und mischt stattdessen Piraten-Exotik ins Gesamtbild. Man spielt keinen tapferen Ritter, sondern einen elenden Piraten und das ganze Geschehen findet Jahrhunderte vor den Ereignissen von Oblivion, Morrowind und Daggerfall statt.

Schauplatz ist die paradiesische Insel Stros M'Kai, auf der Pirat Cyrus seine Schwester Iszara sucht. Und die Story möchte ich hier wirklich mal auf ein Podest stellen: Redguard erschafft 1998 eine gigantische Insel mit unzähligen NPCs, die allesamt voll vertonte Gespräche anbieten. Die Geschichte bleibt spannend, sie führt Cyrus in absolut skurrile Gegenden - und Piratenspiele gibt's ja heute noch viel zu selten.

Leider bricht Redguard seine Spielmechanik das Genick. Bethesda wollte hier offensichtlich auf den Erfolgszug von Tomb Raider aufspringen, bietet entsprechend sehr ähnliche Bedienungsmöglichkeiten, Kraxel-Gameplay und Missionsziele, bei denen man auch mal Köpfchen braucht. Allerdings wirkt das Spiel in allen Disziplinen eher wie eine bemühte Kopie, darüber hinaus fällt das Schwertkampfsystem sehr sperrig aus - unterm Strich macht das Spielen von Redguard einfach nicht so viel Spaß.

Aber die Aufmachung ist trotzdem herrlich. Meine Redguard-Schachtel enthält ein üppiges Handbuch, in das sogar ein Comic eingebunden ist, der die Vorgeschichte von Cyrus erzählt. In speziellen Editionen gab es sogar eine umfangreichere Farbvariante dieses Hefts (das Teaserbild dieses Artikels zeigt das Cover) - und Vorbesteller bekamen sogar eine metallene Cyrus-Sammelfigur. Da soll mal einer sagen, Preorder-Boni seien ein Ding der Moderne.

Warum man beide Spin-Offs trotzdem spielen sollte

Ja, Redguard und Battlespire haben ihre Probleme. Trotzdem finde ich, Elder-Scrolls-Fans sollten den beiden Retro-Spielchen ruhig eine Chance geben (man kann beide bei Gog für jeweils fünf Euro kaufen). Bei Redguard vor allem wegen der schönen Geschichte, bei Battlespire wegen der kompakten Spielidee. Den Kampfmagier-Turm zu erkunden, kann schon Laune machen - man sollte sich nur vorab über einen vernünftigen Skill-Build informieren, damit man nicht auf halber Strecke aufgeben muss.

Es ist ein bisschen wie beim neuen Power-Rangers-Film (was ein Zufall): Beim Rezipieren merkt man schnell, dass man's hier nicht mit Kür-Exemplaren des jeweiligen Mediums zu tun hat, aber man findet doch mit Sicherheit zwei, drei schöne Momente, die einem in Erinnerung bleiben.

Bei Battlespire sind das bei mir die kleinen Daedra-Dämonen, die immer mit einem quatschen wollen (und von mir jedesmal dafür bestraft wurden). Bei Redguard hingegen der Augenblick, wenn man das erste Mal Stros M'kai betritt und sich (in bester Elder-Scrolls-Manier) eine exotische Welt vor der eigenen Figur ausbreitet. Und ich finde, mehr Publisher sollten sich trauen, die eigenen Spielwelten mal an neue Genres heranzuführen. Ein Shooter im Starcraft-Universum wäre zum Beispiel richtig cool. Oh ... okay, schwieriges Thema.

Hier spricht Todd Howard über die finanziellen Probleme durch Battlespire und Redguard. 22:54 Hier spricht Todd Howard über die finanziellen Probleme durch Battlespire und Redguard.


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