Eve Online - Wenn der Jäger zum Gejagten wird

Ein einziger Fehler wurde Rocket X und seiner Bande von Supercarrier-Jägern zum Verhängnis. PC Gamer hat seine Geschichte jetzt veröffentlicht.

von Mathias Dietrich,
31.07.2017 09:56 Uhr

Eve Online konnte sich durch die zahlreichen Geschichten der Spieler einen Ruf erarbeiten.Eve Online konnte sich durch die zahlreichen Geschichten der Spieler einen Ruf erarbeiten.

Rocket X ist Mitglied einer Gruppe von Supercarrier-Jägern in Eve Online. Soll heißen, dass er er mit seinem Team nur die teuersten Schiffe des Spiels jagt. Im Dezember 2016 beging er jedoch einen einzigen fatalen Fehler. Seine Geschichte veröffentlichte das englischsprachige Videospielmagazin PC Gamer jetzt auf seiner Website.

Großwildjäger

Die Schiffe der Titan-Klasse sind die größten und teuersten in Eve Online. Einzig die Corporations und Allianzen des Spiels sind in der Lage, diese Pötte in speziellen Schiffswerften zu bauen. Mit ihren Doomsday-Waffen können sie ganze Flotten kleinerer Schiffe mit einem einzigen Schuss zerstören.

Der Preis: Ungefähr 100 Milliarden ISK. Um das in ein Verhältnis zu setzen: Eine T1-Fregatte wie die Kestrel, die man schon kurz nach Spielstart fliegen kann, kostet etwas mehr als 400.000 ISK. Wer alleine spielt, könnte sich ein derartiges Schiff wohl niemals leisten. Rocket X und seine Truppe hingegen haben es sich zum Spielziel gemacht, genau diese Schiffe und ihre etwas kleineren Geschwister, die Supercarrier, gezielt auseinanderzunehmen.

Ein Titan wie hier links im Bild ist eines der teuersten Schiffe in Eve Online.Ein Titan wie hier links im Bild ist eines der teuersten Schiffe in Eve Online.

Rocket X spielt Eve Online bereits seit mehr als 13 Jahren. Er ist Direktor von Pandemic Legion, einer riesigen Allianz, die schon in einige der größten Schlachten von Eve Online verwickelt war. Gleichzeitig leitet er auch die »RekkingCrew«: Eine Gruppe sehr erfahrener Spieler, die zusammen Jagd auf die gigantischen Schiffe der Titan-Klasse machen. Er selbst beschreibt dieses Team folgendermaßen:

"Wenn wir uns an einem Tag ausloggen und nicht jemandem den Tag ruiniert haben, dann war es kein guter Tag für uns. Wenn du eines dieser Schiffe verlierst, dann schmerzt das. So ein Teil kostet [700 oder 800 Euro]. Das ist nicht wie in World of Warcraft, wo du ein bisschen Gold zahlst und weitermachst. Das ist wie ein Autounfall."

Diese Schiffe zu zerstören ist wortwörtlich eine Jagd. Man fliegt nicht einfach los, greift einen Titan an und verschwindet wieder. Stattdessen muss man sie aufspüren. Herausfinden, wer sie fliegt: Wann loggt sich der Pilot ein? Wie wird er bei einem Angriff reagieren? Da diese Schiffe teuer und selten sind, kann sich nicht jeder ans Steuer von so einem Koloss setzen. Die Piloten haben entsprechend häufig einen gewissen Ruf in der Community. Einen Supercarrier oder Titan zu jagen braucht Vorbereitung und viele Informationen, damit man ihm eine Falle stellen kann. Das kann manchmal Jahre dauern.

Das erste Mal schlug Rocket X im Jahr 2010 zu. Bis zu diesem Zeitpunkt war die Eve-Online-Community der Meinung, dass man einen Titan nur dann zerstören kann, wenn man einen Krieg mit der Allianz anfängt, dem er gehört. Zum Zeitpunkt des PC Gamer Interviews im März 2017 hatte Rocket X 5.482 Schiffe im Wert von insgesamt 9 Billionen ISK zerstört und 39 verloren.

Kleiner Fehler, große Folgen

Bei der Jagd läuft nicht immer alles glatt. Im Dezember 2016 führte ein kleiner Fehler von Rocket X zu einem heftigen Verlust für ihn. Seine Crew konnte einen Supercarrier der Nyx-Klasse ausfindig machen. Die ist zwar ein ganzes Stück billiger als ein Titan, passt aber dennoch in das Beuteschema der RekkingCrew. Vor allem, da diese Nyx komplett ohne Verteidigung, an einer Raumstation (POS - Player-owned Station) parkte. Es gab jedoch ein Problem: Das undurchdringliche Schild der Raumstation.

Gerade als Rocket X der Nyx den Rücken zukehren wollte, schrieb ein Spieler namens »Boneless Steve« seine Crew an und bat um eine Audienz. Steve behauptete der eigentliche Eigentümer der Nyx zu sein. Allerdings wurde sie ihm gestohlen. Jetzt wollte er, dass die Nyx zusammen mit dem Dieb zerstört wird. Rocket X witterte seine Chance.

Diesen Anblick wünscht sich Rocket X: Eine zerstörte Nyx.Diesen Anblick wünscht sich Rocket X: Eine zerstörte Nyx.

Steve sollte mit einem Schlachtschiff zu der POS fliegen und diese angreifen. Der Clou: Eine Nyx kann es ohne weiteres mit so einem Pott aufnehmen. Da Steve aber eine Rechnung mit dem Dieb offen hatte, würde es wie ein verzweifelter Racheakt, und damit unauffällig, aussehen. Rocket X vermutete, dass die Nyx daraufhin die Sicherheit der Schilde verlassen würde, um Steve anzugreifen. Dann könnte die RekkingCrew reinspringen und den Supercarrier zerstören.

Rocket bereitete sich auf diesen Hinterhalt vor. Im Fall eines Problems hatte er selbst ein paar Titan-Piloten auf Abruf, die sofort zur Unterstützung kommen können. Schließlich fehlte nur noch Boneless Steve, der erst mit einer Stunde Verspätung und ohne Schiff aufkreuzte. Rocket gab ihm deshalb eines aus seinem Hangar und es ging los.

Steve beschoss die Schilde der POS. Die Nyx setzte sich in Bewegung, verließ die schützenden Schilde und startete ihren Gegenangriff und über ein Sprungportal gelangte die RekkingCrew in das System. Alles schien nach Plan zu verlaufen. Mit der Nyx fast am Ende holte sich Rocket X noch eine Revenant zur Verstärkung, ein seltenes Schiff, das so teuer ist wie ein Titan.

Ein Revenant Supercarrier ist das Herzstück von RocketX's Truppe.Ein Revenant Supercarrier ist das Herzstück von RocketX's Truppe.

Doch dann schnappte die Falle zu: Boneless Steve und der vermeintliche Dieb seiner Nyx waren nämlich Verbündete. Beide spielen für die Allianz »Snuffed Out« und sind im gleichen Gewerbe tätig wie auch Rocket X: Der Jagd auf Titans und Supercarrier. Und die schickte nun ihre eigene, drei mal so große Flotte los, um Rocket in seine Schranken zu verweisen. Innerhalb weniger Sekunden wurden die Warptriebwerke der RekkingCrew von der feindlichen Flotte blockiert. Eine Flucht ist damit unmöglich. Nur 10 Minuten später lag die RekkingCrew in Trümmern. Der Schaden: Schiffe und Ausrüstung im Wert von 300 Milliarden ISK.

Einige Kollegen von Rocket sind wegen diesem Ereignis noch immer sauer auf ihn. Der einfache Fehler den er beging: Er hatte nicht nachgeforscht, wer Boneless Steve war. Sonst hätte er schnell erkannt, dass es sich um einen Wegwerfcharakter handelte. Rocket zeigt sich dennoch gelassen: Snuffed Out besiegte ihn einfach in einem Spiel. Entsprechend hegt er keine schlechten Gefühle gegen seine Widersacher.

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Quelle: PC Gamer

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