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Humor in Spielen - Teil 1: Witzigkeit kennt ihre Grenzen

Humor und digitale Spiele – das könnte eine wunderbare Beziehung voller Spaß und Lacher sein. Doch im Alltag spielt der gespielte Witz viel zu selten eine Rolle. Wieso ist es so schwer, Humor und Spielspaß miteinander zu verbinden?

von Benedikt Plass-Fleßenkämper, Michael Graf, Olaf Bleich,
12.03.2016 08:00 Uhr

Humor und das Bedürfnis, zu lachen, sind natürliche menschliche Eigenarten, tief verankert in unserem Gehirn. Gleichzeitig ist Humor ein schwieriges Pflaster - gerade für diejenigen, die ihn als Bühnenkünstler präsentieren, als Schauspieler vor der Kamera stehen oder eben witzige Spiele entwickeln. »Humor kann etwas Besonders sein, aber auch viel zerstören«, erklärt der Comedian, Regisseur und »Bernd das Brot«-Miterfinder Tommy Krappweis die Gefahren des gespielten Witzes. »Wenn du ihn falsch anpackst, machst du den Spielern die ganze Erfahrung kaputt.«

Klaus-Jürgen »Knacki« Deuser bringt es in einem Interview auf den Punkt: »Humor ist harte Arbeit.« Deuser weiß, wovon er spricht; von 2001 bis 2013 moderierte das Comedy-Urgestein die TV-Sendung »NightWash«, in der er handverlesenen Nachwuchskünstlern eine Bühne bot und ihnen Ratschläge erteilte. Heute vermittelt Deuser der nächsten Komiker-Generation sein Wissen als Comedy-Coach in Trainingscamps und Vorträgen.

Es ist also kompliziert mit diesem Humor. Er fällt niemandem in den Schoß. Und er kann viel Unheil anrichten, wenn er nicht zündet. Witz ist immer auch ein Risiko. Daran mag es liegen, dass lustige Spiele in den letzten Jahren seltener geworden sind. Freilich abgesehen von Youtube-Muntermachern wie dem Goat Simulator, die jedoch nicht mit geschliffenen Pointen punkten, sondern mit Physikziegen, die in Tankstellen schnalzen. Also mit Schrottcharme und Spontanklamauk statt des durchkomponierten Dialoghumors, der etwa die legendären LucasArts-Adventure auszeichnete.

Wie man Ziegen vergoldet: Erfolg mit Witzspielen

Doch während Monkey Island, Day of the Tentacle & Co. in den frühen Neunzigern aus keiner wohlsortierten Spielesammlung wegzudenken waren, geht der moderne Blockbustermarkt zum Lachen in den Keller. Die beim Online-Versandriesen Amazon meistverkauften Spiele des Jahres 2015 sind Titel wie Call of Duty: Black Ops 3 oder Halo 5: Guardians, in denen Humor - wenn überhaupt - nur dem schnellen Sprüchlein zwischendurch dient.

Und selbst der skurrile Witz eines Fallout 4 versteckt sich oft in Umgebungsdetails wie dem Teddybär auf der Klobrille oder in Nebenquests, in denen wir etwa einem robotischen Saufkumpan begegnen. Im Rahmen der Haupthandlung zuckt kein einziger, postapokalyptischer Mundwinkel. Was ist so schwierig daran, klassische Humorspiele zu entwickeln?

Humorvolle Spiele - Eine Auswahl ansehen

Humor in Spielen, Teil 2
Im zweiten Teil unseres Reports beleuchten wir, was Flexibilität und Witz miteinander zu tun haben. Wir widmen uns den Fragen, woran sich Autoren orientieren sollten - und woran nicht. Kann man Humor vielleicht sogar lernen? Außerdem sprechen wir mit Jan Müller-Michaelis über die Grenzen des Witzes: Gibt es etwas, worüber man nicht lachen darf?

Wie funktioniert Humor?

Willibald Ruch, Jahrgang 1956, ist Professor für Persönlichkeitspsychologie und Diagnostik an der Universität Zürich. Er untersucht seit vielen Jahren das menschliche Verhalten - und hat die noch junge Humorforschung für sich entdeckt. Ruch analysiert, was Witz bewirkt, und wie er funktioniert. Humor, sagt er, sei ein komplexes System, bei dem Beziehungen und Gefühle Hand in Hand gingen. »Der Humor taucht in allen Bereichen der Psychologie auf, denn für ihn spielen Kognition, Motivation, Emotion und Aufmerksamkeit eine Rolle«, führt Ruch aus.