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Auf geht's

Kopierschutz oder Tod - Industrie versus Spieler

Aus Angst vor Raubkopien beschneiden die Spielefirmen die Rechte der Käufer. Die gehen vor Zorn auf die Barrikaden. Selten hat eine Branche so sehr versucht, den Kunden ihren Willen aufzuzwingen – aus den falschen Gründen.

von Christian Schmidt,
22.01.2009 16:39 Uhr

Eigentlich braucht man nur die Packung von Grand Theft Auto 4 zur Hand nehmen, denn da steht es ja, auf der Rückseite, was gerade schief läuft zwischen der Spieleindustrie und ihren Kunden. Die Schachtelrückseite teilt sich, grob gesprochen, in zwei Hälften. In der oberen steht in großen Lettern, was das derzeit populärste Actionspiel zu einem einzigartigen Erlebnis macht, eingerahmt von schönen Bildern; es ist eine Liste der Verheißungen (die GTA 4 wohlgemerkt alle erfüllt). Auf der unteren Hälfte werden die Buchstaben sehr viel kleiner. In mehr als einem Dutzend Sätzen, verstreut über Kästchen und Fußnoten, folgt eine Aufzählung der Einschränkungen, Voraussetzungen und Verpflichtungen, die Zugangsbedingung zu dieser lockenden Welt sind. Man könnte sagen: die Liste der Zumutungen. »Sie müssen dem beigefügten Lizenzvertrag zustimmen«, steht da, »Beim Spielen muss sich die Disk im Laufwerk befinden«, »Ein Internet-Anschluss, diverse Software und gewisse Service-Registrierungen sind zur Aktivierung und zum Gebrauch dieser Software erforderlich«. Zur »diversen Software« gehören Sonys Securom-Treiber, DirectX, Microsofts .NET-Framework, die aktuellsten Service-Packs für Windows, Games for Windows Live, Adobe Flash und Rockstars Multiplayer-Software Social Club, die sich automatisch mit dem Spiel installiert und ungefragt bei jedem Windows-Start lädt. Sowohl Windows Live als auch Social Club benötigen separate Benutzerkonten, die Sie vor dem Gebrauch anlegen und mit Daten füllen müssen. Hinter dem Wörtchen »Aktivierung« verbirgt sich der Zwang, beim ersten Spielstart im Internet überprüfen zu lassen, ob man eine rechtmäßige Version des Programms besitzt; darüber hinaus verlangt das Spiel die Eingabe eines 25-stelligen Codeschlüssels.

So wird schon die Installation von Grand Theft Auto 4 für viele Käufer zu einem einzigartigen Erlebnis. Die Eintrittshürden haben eine Höhe erreicht, die das Verständnis selbst des gutmütigsten Kunden zumindest strapaziert. Die Spieleindustrie und die PC-Spieler: Sie sind gerade auf dem besten Weg, sich einander zu entfremden. Schuld daran sind, wieder einmal, die Raubkopierer.

Im Nu geknackt

Rockstar zwingt Kunden von Grand Theft Auto 4 dazu, das Spiel freizuschalten und zahlreiche Zusatz-Software zu installieren.Rockstar zwingt Kunden von Grand Theft Auto 4 dazu, das Spiel freizuschalten und zahlreiche Zusatz-Software zu installieren.

Die verpflichtende Online-Aktivierung ist die neueste Antwort der Spielehersteller auf eine Tatsache: den gigantischen Schwarzmarkt für illegal kopierte Software im Internet. Allein GTA 4 kombiniert mit dem Freischaltungszwang, CD-Key und DVD-Prüfung bei jedem Spielstart drei separate Maßnahmen, um Raubkopierer abzuschrecken. Es hat nicht viel genutzt. Die Webseite Piratebay dokumentiert den Datenfluss im Bittorrent-Netzwerk, der weltweit größten Tauschbörse für -digitale Medien. Seit Dezember steht die geknackte, von allen Schutzmaßnahmen befreite Version von Grand Theft Auto 4 dort auf Platz 1 der Download-Hitliste – und in leicht veränderter Form gleich noch auf den Plätzen 8, 12 und 15. Besonders alarmierend: Die ersten Quellen tauchten schon am 30. November auf, vier Tage vor dem offiziellen Verkaufsstart. Offensichtlich war es für die Schattenmänner ein Klacks, den dreifachen Schutzschild auszuhebeln. »Wie misst man, wie sehr ein Kopierschutz versagt?«, fragt der Mediendienst Forbes.com denn auch süffisant, um gleich selbst zu antworten: »Zähl’ die Raubkopien!« Am Beispiel Spore rechnet Forbes.com vor, das Strategiespiel sei allein über Bittorrent innerhalb von zwölf Tagen 171.402 Mal heruntergeladen worden – ein neuer Geschwindigkeitsrekord, staunt ein Kommentator der Beobachtungsfirma Big Champagne: »Die Zahlen sind außergewöhnlich.« Und zwar auch deshalb, weil Spore (nach Mass Effect) das zweite Spiel war, bei dem der Hersteller Electronic Arts auf den als rigide geltenden Kopierschutz Securom mit Online-Aktivierungszwang gesetzt hatte. In den Tauschbörsen tauchten die ersten geknackten Versionen auf, sieben Tage bevor das Spiel in den Läden stand.

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