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Kolumne: Notebook-Grafikschummelei

Wie AMD und Nvidia Spieler hinters Licht führen

Notebook-Grafikkarten sind viel langsamer als ihre Desktop-Pendants. In seiner Kolumne kommentiert Daniel Visarius die Hintergründe.

Von Daniel Visarius |

Datum: 09.05.2010


Notebook-Grafikschummelei : Das Asus G73JH hat eine Mobility Radeon HD 5870, ohne auch nur ansatzweise die Spieleleistung einer echten Radeon HD 5870 zu erreichen. Das Asus G73JH hat eine Mobility Radeon HD 5870, ohne auch nur ansatzweise die Spieleleistung einer echten Radeon HD 5870 zu erreichen. Wenn Ottonormalkäufer ohne vorherige Recherche in den MediaMarkt um die Ecke marschiert, um ein Spiele-Notebook zu kaufen, wird er von den Herstellern oft übers Ohr gehauen – genauer: von den Grafikchipherstellern AMD/ATI und Nvidia. Als neues High-End-Spitzenmodell im Notebook-Segment gilt derzeit etwa die DirectX-11-Grafikkarte Mobility Radeon HD 5870, die vermehrt in Notebooks zwischen 1.000 und 1.500 Euro zu finden ist. Abgesehen von der grundsätzlichen Technik hat die aber rein gar nichts mit der 400 Euro teuren PCI-Express-Variante Radeon HD 5870 für Desktop-PCs zu tun. Anstatt also ähnlich rasant zu rechnen wie die extrem leistungsfähige Desktop-Namensvetterin, ist sie lediglich etwas schneller als eine Radeon HD 5750 (120 Euro). Die technischen Details und Codenamen entlarven die Mogelei sofort: Mobility Radeon HD 5870 (Mobility = für Notebooks) und die normale Radeon HD 5750 basieren beide auf dem leistungsreduzierten »Juniper«-Grafikchip und nicht auf der »Cypress«-GPU der normalen HD 5870.

Nvidia schummelt genauso: Das aktuelle Notebook-Spitzenmodell Geforce GTX 285M hat nur 128 statt der 240 Shader-Einheiten des Desktop-Modells Geforce GTX 285, das macht die Karte viel langsamer. Und auch hier steckt nicht der brandneue Grafikprozessor der echten GTX 285 (GT200b) unter der Haube, sondern der eine ganze Generation ältere G92.

Sowohl AMD als auch Nvidia verteidigen dieses Versteckspiel mit den gleichen fadenscheinigen Argumenten: Radeon HD 5870 und Geforce GTX 285 stünden durchgängig für die jeweiligen Spitzenmodelle, egal ob PC oder Notebook. Die Zusätze »Mobility« beziehungsweise »M« würden deutlich machen, dass sich um eine angepasste Mobilvariante handele. Schließlich würde niemand die 3D-Leistung eines vollwertigen PCs in einem Notebook erwarten und das wäre wegen der hohen Stromaufnahme von High-End-Grafikkarten auch gar nicht möglich.

Dabei hat Ottonormalkäufer gar keine Ahnung von den thermischen Unterschieden zwischen PC und Notebook und will sich auch nicht näher mit den technischen Hintergründen beschäftigen. Zu Recht erwartet er, dass er bei scheinbar gleicher Grafikkarte auch gleiche Leistung bekommt. Die teilweise irrwitzig hohen Auflösungen von Notebook-Displays erledigen den Rest: In aufwändigen 3D-Spielen macht es nun einmal einen gewaltigen Unterschied, ob ich mit einer Mobility Radeon HD 5870 auf einem 17-Zoll-Notebook in 1920x1080 oder mit einer genauso schnellen Radeon HD 5750 auf einem 22-Zoll-TFT mit 1680x1050 spiele.

Was spricht eigentlich dagegen, Grafikkarten über die Grenzen von PC und Notebook so zu benennen, dass zumindest eine grobe Leistungseinordnung für jedermann möglich ist? Ganz einfach: Notebooks lassen sich nicht aufrüsten, müssen also je nach Anwendungsgebiet nach zwei bis vier Jahren komplett neu angeschafft werden, will man aktuelle Programme und Spiele nutzen. Das spült jedes Mal kräftig Geld in die Hersteller-Kassen. Und mit derart trickreichen Namensgebungen lässt sich der Eindruck erzeugen, dass ein 1.500-Euro-Notebook die gleiche Leistung liefert wie ein 1.500-Euro-PC - was einfach Unsinn ist.

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Avatar Theedee
Theedee
#1 | 09. Mai 2010, 09:10
Harte Worte und absolut zutreffend.

Es ist interessant und positiv wieviele kritische Beiträge hier in der letzten Zeit erscheinen. Gleichzeitig fällt jedoch leider auf das Gamestar keine klare Linie fährt und an einigen Stellen dann eben doch nicht so klar sagt was Sache ist wie man nach solchen Statements wie hier erwarten würde.

In meinem Bekanntenkreis kauft sich zum Glück keiner blind Hardware, sondern weis entweder selber was er tut oder fragt mal schnell nach. Insofern bleibt unsere Gruppe von solchen Betrügereien verschont. Nerds (zu denen ich im Prinzip gehöre) sind eben doch auch für die Allgemeinheit nützlich ^^
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Avatar unilaw
unilaw
#2 | 09. Mai 2010, 09:37
Interessanter Beitrag. War mir in dieser Form noch nicht bekannt.
Ich würde mir auch nie ein mobiles Gerät für aufwendige Spiele zulegen.

Wieder mal was gelernt :).
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Avatar Mar3X
Mar3X
#3 | 09. Mai 2010, 09:40
Ach wie gut das keiner weiß, das ich keine Laptop Sch...e kauf! :D

Wer sich übers ohr hauen lässt, ist selbst schuld! Sorry aber das is meine meinung.

Wie heißts bei der Polizei so schön: "Dummheit schützt nicht vor Strafe". So ähnlich könnte man das hier auch nennen :)
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Avatar The Nightmare
The Nightmare
#4 | 09. Mai 2010, 09:59
Der kunde ist eigentlich in solch einem Fall nicht der Dumme, denn wo zb Porsche drauf steh muss eigentlich auch Porsche drin sein und nicht Trabant.

Im grunde ist das vom Gesetz her Betrug am Kunden denn es Wurde ihm eine zb 5780 Verkauft ! Ich denke das sich aber keiner wirklich traut gegen AMD onder NVIDIA zu klagen (außer im Ami Land?)

Mogelpackungen -> http://de.wikipedia.org/wiki/Mogelpackung

Betrug -> http://de.wikipedia.org/wiki/Betrug

Klagen bist die Plaken bersten Klag vom letzten bis zum ersten.
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Avatar SirRichie
SirRichie
#5 | 09. Mai 2010, 10:11
Zitat von The Nightmare:

Im grunde ist das vom Gesetz her Betrug am Kunden denn es Wurde ihm eine zb 5780 Verkauft ! Ich denke das sich aber keiner wirklich traut gegen AMD onder NVIDIA zu klagen (außer im Ami Land?)

Sorry, aber das ist wirklich Blödsinn. Wenn es Betrug wäre, müsste man nicht selber klagen sondern nur anzeigen und es käme evtl. zu einem Strafprozess (sprich, der Staat klagt). Nur wenn man Geld zurück möchte, muss man zivil klagen (und die Anwaltskosten zumindest vorlegen).
Außerdem ist es kein Betrug, denn man bekommt ja genau die Karte mit der genauen Modellbezeichnung.

Ich sehe das Ganze übrigens nicht so schlimm. In Zeiten in denen der "Ottonormalverbraucher" die Entscheidung davon abhängig macht, wieviel RAM die Graka hat, sind Zahlen in Produktbezeichnungen irgendwie zweitrangig...
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Avatar Fukjin
Fukjin
#6 | 09. Mai 2010, 10:15
naja gut wenn man es so sieht, kann man ihnen das nicht ganz übel nehmen. schließlich werden die karten ja namentlich verändert. zb. mobility hd radeon 5870 oder eben die geforce 285m gtx. also kann man schon davon ausgehen das eine notebook version einer high-end desktop karte nicht das wasser reichen kann. schließlich sind auch die notebook cpus langsamer als die desktop cpus. deswegen verstehe ich das ganze nicht. -.-
außerdem machen die nichts falsch. die mobility hd radeon 5870 is jez die schnellste notebook-karte und hat somit seine aufgabe erfüllt.

dann kommt noch dazu das die hersteller für ein notebook, das ungefähr din-a4 größe hat, alles kompakter bauen müssen. und für die größe ist die leistung doch schon enorm wenn man es mal direkt mit dem pc vergleicht. alles kleiner bauen und trotzdem leistung haben zu wollen geht eben ins geld. genauso wie bei den handys. man kann ja auch kein nokia handy mit einem modell von htc vergleichen. die htc's stampfen die nokia's technisch und hardware mäßig in grund und boden. und das bei selber größe. aber htc kostet eben dann doch mehr. ich meine wer kann von seinem handy behaupten das der nen 1,5ghz cpu drin hat mit 512mb speicher?! die htc's sind schneller als manch office pc^^
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Avatar The Fence
The Fence
#7 | 09. Mai 2010, 10:23
Kann mich dem ja absolut nicht anschließen. Man sollte wissen, dass da kaum eine vollwertige Desktopgrafikkarte drinstecken KANN.
Außerdem sind Notebookgrafikkarten ohnehin eine Klasse für sich. Was schon klar durch ein "M" bzw. "Mobility" als eigene Produktlinie gekennzeichnet wird, kann doch auch die gleichen Bezeichnungen nutzen. Damit wird einfach nur klar, wo das Produkt in der eigenen Produktlinie aufgestellt ist. Und die Gleichung "5870=schnellste Single-Core GPU" stimmt doch sowohl bei der Desktop wie bei der Notebookvariante.
Da find ich so Scherze wie ne 9800GS auf Niveau einer 9400 weitaus schlimmer.
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Avatar Wallenstein
Wallenstein
#8 | 09. Mai 2010, 10:26
Naja... der eine Hersteller fängt an mit dem Etikettenschwindel, also macht der zweite auch mit um nicht von aussen schlechter dazustehen als die Konkurrenz.

Man gewöhnt sich an alles.

Irgendwie erschließt ja auch schon die Logik, daß in so 'nem
2cm hohen Kästchen nicht dasselbe stecken kann wie in 'ner 2 kilometerlangen Grafikkarte mit Turbolüftern drauf.


Abgesehen davon reicht die Leistung auch für High-End Games inzwischen. 45fps bei GTA4 bei 1650x1050, mittlere Details sind eigentlich okay (GTX 280M).

Das "Problem" ist doch eher, daß die entsprechenden Desktop-
karten Leistungen liefern, die eigentlich kaum ein Mensch braucht.
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Avatar Termkiller
Termkiller
#9 | 09. Mai 2010, 10:40
Zitat von SirRichie:

Sorry, aber das ist wirklich Blödsinn. Wenn es Betrug wäre, müsste man nicht selber klagen sondern nur anzeigen und es käme evtl. zu einem Strafprozess (sprich, der Staat klagt). Nur wenn man Geld zurück möchte, muss man zivil klagen (und die Anwaltskosten zumindest vorlegen).
Außerdem ist es kein Betrug, denn man bekommt ja genau die Karte mit der genauen Modellbezeichnung.

Ich sehe das Ganze übrigens nicht so schlimm. In Zeiten in denen der Ottonormalverbraucher die Entscheidung davon abhängig macht, wieviel RAM die Graka hat, sind Zahlen in Produktbezeichnungen irgendwie zweitrangig...


Oh ja, das erleb ich in meinem Job jeden Tag.. Der Verbraucher kommt rein und sagt "Ich brauch ne Grafikkarte" Ich frag "Was genau wollen sie denn damit machen können?" Er: "Bildbearbeitung. Ich brauche also mindestens 1GB RAM auf der Karte" ....

www.kopf-tisch.de

Das bedarf keiner weiteren Worte.
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Avatar Theedee
Theedee
#10 | 09. Mai 2010, 10:40
Zitat von The Nightmare:

Im grunde ist das vom Gesetz her Betrug am Kunden denn es Wurde ihm eine zb 5780 Verkauft ! Ich denke das sich aber keiner wirklich traut gegen AMD onder NVIDIA zu klagen (außer im Ami Land?)


Leider nicht wirklich. Immerhin wird dem Kunde ja eine HD5870M verkauft, nicht eine HD5870. Und was dahinter ist kann AMD dann ja entscheiden wie es will, ist ja eine komplett neue Bezeichnung (*hust*).

80 Prozent unserer Gesetze sind nur nötig um diese blöden Schweine davon abzuhalten alles und jeden über den Tisch zu ziehen. Und wie man sieht reicht es noch lange nicht.

Wär der Menswch doch nur so intelligent wie ein Tier, dann wäre das alles nicht nötig.
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