Notebook-Grafikschummelei : Das Asus G73JH hat eine Mobility Radeon HD 5870, ohne auch nur ansatzweise die Spieleleistung einer echten Radeon HD 5870 zu erreichen. Das Asus G73JH hat eine Mobility Radeon HD 5870, ohne auch nur ansatzweise die Spieleleistung einer echten Radeon HD 5870 zu erreichen. Wenn Ottonormalkäufer ohne vorherige Recherche in den MediaMarkt um die Ecke marschiert, um ein Spiele-Notebook zu kaufen, wird er von den Herstellern oft übers Ohr gehauen – genauer: von den Grafikchipherstellern AMD/ATI und Nvidia. Als neues High-End-Spitzenmodell im Notebook-Segment gilt derzeit etwa die DirectX-11-Grafikkarte Mobility Radeon HD 5870, die vermehrt in Notebooks zwischen 1.000 und 1.500 Euro zu finden ist. Abgesehen von der grundsätzlichen Technik hat die aber rein gar nichts mit der 400 Euro teuren PCI-Express-Variante Radeon HD 5870 für Desktop-PCs zu tun. Anstatt also ähnlich rasant zu rechnen wie die extrem leistungsfähige Desktop-Namensvetterin, ist sie lediglich etwas schneller als eine Radeon HD 5750 (120 Euro). Die technischen Details und Codenamen entlarven die Mogelei sofort: Mobility Radeon HD 5870 (Mobility = für Notebooks) und die normale Radeon HD 5750 basieren beide auf dem leistungsreduzierten »Juniper«-Grafikchip und nicht auf der »Cypress«-GPU der normalen HD 5870.

Nvidia schummelt genauso: Das aktuelle Notebook-Spitzenmodell Geforce GTX 285M hat nur 128 statt der 240 Shader-Einheiten des Desktop-Modells Geforce GTX 285, das macht die Karte viel langsamer. Und auch hier steckt nicht der brandneue Grafikprozessor der echten GTX 285 (GT200b) unter der Haube, sondern der eine ganze Generation ältere G92.

Sowohl AMD als auch Nvidia verteidigen dieses Versteckspiel mit den gleichen fadenscheinigen Argumenten: Radeon HD 5870 und Geforce GTX 285 stünden durchgängig für die jeweiligen Spitzenmodelle, egal ob PC oder Notebook. Die Zusätze »Mobility« beziehungsweise »M« würden deutlich machen, dass sich um eine angepasste Mobilvariante handele. Schließlich würde niemand die 3D-Leistung eines vollwertigen PCs in einem Notebook erwarten und das wäre wegen der hohen Stromaufnahme von High-End-Grafikkarten auch gar nicht möglich.

Dabei hat Ottonormalkäufer gar keine Ahnung von den thermischen Unterschieden zwischen PC und Notebook und will sich auch nicht näher mit den technischen Hintergründen beschäftigen. Zu Recht erwartet er, dass er bei scheinbar gleicher Grafikkarte auch gleiche Leistung bekommt. Die teilweise irrwitzig hohen Auflösungen von Notebook-Displays erledigen den Rest: In aufwändigen 3D-Spielen macht es nun einmal einen gewaltigen Unterschied, ob ich mit einer Mobility Radeon HD 5870 auf einem 17-Zoll-Notebook in 1920x1080 oder mit einer genauso schnellen Radeon HD 5750 auf einem 22-Zoll-TFT mit 1680x1050 spiele.

Was spricht eigentlich dagegen, Grafikkarten über die Grenzen von PC und Notebook so zu benennen, dass zumindest eine grobe Leistungseinordnung für jedermann möglich ist? Ganz einfach: Notebooks lassen sich nicht aufrüsten, müssen also je nach Anwendungsgebiet nach zwei bis vier Jahren komplett neu angeschafft werden, will man aktuelle Programme und Spiele nutzen. Das spült jedes Mal kräftig Geld in die Hersteller-Kassen. Und mit derart trickreichen Namensgebungen lässt sich der Eindruck erzeugen, dass ein 1.500-Euro-Notebook die gleiche Leistung liefert wie ein 1.500-Euro-PC - was einfach Unsinn ist.