Valve hat das System der Nutzer-Reviews auf seiner digitalen Vertriebsplattform Steam geändert: Seit einigen Tagen zählen dort nur noch die Wertungen von Kunden, die das jeweilige Spiel auch direkt über Steam gekauft haben.

Und das hat offenbar schon wenige Tage später drastische Auswirkungen auf die ersten Spiele. Das zeigt jedenfalls eine Analyse der englischsprachigen Webseite SteamSpy.

Massiver Review-Absturz einzelner Spiele

Die hat nun nämlich eine Liste jener Spiele veröffentlicht, bei denen es nach dem Review-Änderungen die größten Diskrepanzen zwischen alter und neuer Durchschnittswertung gibt.

Ganz vorne mit dabei: Simple Ball: Extended Edition - von einer 88er Durchschnittswertung ging es für das Indie-Game auf 14 hinab. Auf der anderen Seite konnte sich Elves Adventure von 28 auf 80 steigern.

Bereits diese beiden Spieletitel machen deutlich: Große oder bekannte Namen finden sich nicht oder kaum in der Liste.

Indie-Entwickler kritisieren das neue System

Allerdings ist auch anzumerken, dass ein hoher Verlust bei der Anzahl der Nutzer-Wertungen nicht zwangsläufig bedeuten muss, dass sich der jeweilige Entwickler positive Reviews für Gratis-Keys eingekauft hat. Häufig stammen diese Keys auch aus Crowd-Funding-Aktionen oder Direkt-Verkäufen - wie etwa der Indie-Entwickler Rob Fearon (Death Ray Manta) auf Twitter kritisiert:

Andere Entwickler fürchten gar um ihre Existenz und spielen mit dem Gedanken, den Verkauf ihrer Spiele gänzlich einzustellen. So zum Beispiel der Maia-Entwickler Simon Roth. Er habe gehofft, seine Steam-Wertung durch Crowdfunder und Direktverkäufe verbessern zu können - das sei nun nicht mehr möglich.

Über Steam selbst gebe es einfach zu viele Nutzer, die ein unfertiges Early-Access-Spiel wie seines nur kurz anspielen und dann aus dem Affekt heraus negativ bewerten würden:

Weiter konkretisiert haben Roth und andere Indie-Entwickler ihre Bedenken gegenüber der englischsprachigen Webseite PCGamesN:

[...] wenn man [bei der Durchschnittswertung] unter die 50 Prozent sinkt, dann brechen die Verkaufszahlen massiv ein. Viele Leute geben einem im Mittelfeld rangierenden Spiel eine Chance, aber wenn man in das untere Drittel fällt, ignorieren sie einen komplett. Und dann steckt man fest, weil man keine weitere Verkäufe erzielen kann und deshalb auch keine neuen Wertungen bekommt. Das ist solange okay, wie es sich um durchdachte Kritik an den Problemen eines Spiels handelt - aber wenn es nur Scherz-Bewertungen oder Ein-Satz-Reviews sind, dann ist das sehr schmerzhaft.

Es bleibt abzuwarten, ob Valve auf die Kritik reagiert und am Review-System weitere Änderungen vornehmen kann, die Indie-Entwickler wie Roth schützen und gleichzeitig den Missbrauch eindämmen können.

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Unsere Galerie zeigt den Werdegang von Steam – vom Serverbrowser für Counter-Strike hin zur wichtigsten Online-Plattform für PC-Spiele. (Bild: DiglidiDudeNG, Deviantart.com)