Zum Thema » Arma 3: Apex Riesen-DLC und Update 1.62 veröffentlicht Brutale Schusswechsel auf einer paradiesischen Südsee-Insel? Stimmt, die Kombination gab es schon ein paar einmal. Bereits 2004 hat Far Cry eindrucksvoll bewiesen, dass Action vor einer Urlaubskulisse funktioniert und selbst Zombiehorden neben idyllischen Strandcafés im Sonnenuntergang sind nichts Ungewöhnliches mehr.

Mit dem DLC Apex hat nun auch die Arma-Reihe Einzug in diese Gefilde gehalten, denn der Star der neuesten Erweiterung von ArmA 3 ist zweifelsohne die Inselgruppe Tanoa. »Mehr Grün! Viel mehr Grün!« muss die Parole bei der Entwicklung gewesen sein. Damit sind die Performance sparenden Sandwüsten und dezenten Nadelwälder aus den Vorgängern nun Teil einer angenehmen Nostalgie. Die Fans werden zu würdigen wissen, dass Bohemia Interactive ihre gewohnte Detailverliebtheit ausgespielt hat: 100km², realgetreue menschliche Siedlungen, glaubwürdige Infrastruktur und sogar der Raubbau des Menschen in Form einer riesigen Goldmine wurde übernommen. Ähnlich wie für Altis (Insel in ArmA 3) haben die Entwickler dabei eine echte Insel in Papua-Neuguinea studiert und nachgebaut.

Der Autor
Jeremiah Rose ist in der Arma-Community eine bekannter Name. Seit einigen Jahren bereits erstellt er für seinen Youtube-Kanal Let's Plays und Tutorials rund um Arma 2 und Arma 3. Erst vor ein paar Wochen war er in unserer Videoreihe »Dein Lieblingsspiel« zu Gast und hat beschrieben, was ihn an der Militärsimulation fasziniert.

Die Soundkulisse, allem voran der Dschungel, rundet das neue Setting ab. Derartig imposante Waldgebiete gab es bislang selten, allerdings war man auch dieses Mal knauserig was die Tierwelt angeht - Spiele wie The Forest können das besser.

ARMA 3 - Screenshots aus der Apex-Erweiterung

Gemischte Kritik hat Bohemia allerdings für die Kampagne erhalten: Das neue Respawn-System sei klar angelegt an Konkurrenz wie Call of Duty oder Battlefield. Welch Frevel! So what? In der etwa acht bis 20 stündigen Kampagne (deutlich abhängig vom Schwierigkeitsgrad und Vorgehen) wurde doch so manches gegenüber den Vorgängern anders gemacht. Endlich echtes Koop-Gameplay! Zu viert und mit freier Klassenwahl, kann man verschiedene Ansätze ausprobieren, um die sieben Missionen erfolgreich zu absolvieren. Sofern die Technik mitmacht. Bei meinem Testversuch konnte nicht jeder Spieler auf den Server des anderen, und es verging eine halbe Stunde bis wir alle soweit waren. Und das alles nur, um nach einer Stunde die Mission neu zu starten, weil der Erfolgsauslöser für die Befreiung eines Dorfes nicht funktionierte. Oh, der unverwechselbare ArmA-Charme.

Fans des Urgesteins Operation Flashpoint dürften allerdings wieder enttäuscht sein, denn wie in der East-Wind-Kampagne von Arma 3 macht auch das »Apex Protocol« keinen Gebrauch von den zahlreichen Fahrzeugen und Möglichkeiten des Sandbox-Shooters. Stattdessen sind wir auch hier wieder als Stoppelhopser unterwegs. Da hätte mehr drin sein können, vielleicht in Form von kleinen Bonusmissionen, bei denen man Zivilisten über den Luftweg evakuieren muss - denn Möglichkeiten gibt es genug, immerhin ist das die oft betonte Stärke. Dennoch fühlt man sich dank der gelungenen Präsentation und der Freiheiten beim Vorgehen voll wie ein Elitesoldat - und dieses Gefühl kann so manches lineare Kriegsspiel mit geskripteten Sequenzen und Hundertschaften an Gegnern nicht wecken.

Die weiteren Inhalte des DLCs sind voll auf Tanoa ausgerichtet: Mit den Light Strike Vehicles rast man über die Insel, neue Wasserfahrzeuge wie der Jetski erlauben die Erkundung der Küste und auch neueste militärische Trends wie Senkrechtstarter oder Helikopterdrohne machen Lust auf einen Ausflug. Die beiden neuen Fraktionen - Polizei und lokaler Verbrecherabschaum - sind neu und machen ihre Aufwartung in der Mini-Kampagne. Dazu etwa ein Dutzend neuer Ausrüstungsgegenstände für Infanterie-Liebhaber und fertig ist das Paket - inklusive diverser Re-Texturierungen von altbekannten Fahrzeugen für den Südsee-Einsatz.

Arma 3 Apex : Der Dschungel in Apex verdient seinen Namen. Der Dschungel in Apex verdient seinen Namen.

Mit Apex zieht ArmA 3 nun auch andere Seiten auf: Diverse Änderungen im Multiplayer, bei der Serversuche, Steuerung und anderen Kleinigkeiten zielen darauf ab, dass das Spiel einstiegsfreundlicher und leichter zugänglich sein soll. Das meiste davon ist auch Teil der üblichen Update-Routine und auch für DLC-Verweigerer verfügbar.

Sind 30 Euro angemessen für eine Karte dieser Größe, neue Infanterie-Goodies und ein paar Vehikel? Nicht für diejenigen, die auch vorher schon nicht warm wurden mit dem Hauptspiel. Tanoa will das Rad nicht neu erfinden, sondern nur einen anderen Pfad aufzeigen, einen den man mit der Machete erst bearbeiten muss.

Deutlicher Kritikpunkt hier sind tatsächlich Modifikationen: Warum Geld für etwas bezahlen, was die Community selbst entwickelt und kostenfrei weitergibt? Karten, Waffen, Fahrzeuge - täglich kommt mehr dazu. Aber eben auch nur inoffiziell, auch wenn das Verhältnis zwischen Entwickler und Modder von beiden Seiten stets freundschaftlich betont wird (eine halbe Million Euro Preisgeld wurde letztes Jahr für die besten Mods ausgesprochen).

Und dennoch ist ein Kauf für Fans von ArmA 3 obligatorisch. Denn letztendlich ist der Inhalt qualitativ hochwertig, die Insel bietet dank verschiedenster Szenarien stundenlange Unterhaltung und viele namhafte Server werden die kommenden Monate grün geprägt sein.