Die größten Counter-Strike Skandale : Die Hexenjagd auf CS:GO-Profis traf niemanden so hart wie flusha von fnatic. (Bildquelle: fnatic.com) Die Hexenjagd auf CS:GO-Profis traf niemanden so hart wie flusha von fnatic. (Bildquelle: fnatic.com)

Zum Thema CS: GO ab 29 € bei Amazon.de Counter-Strike: Global Offensive lebt wie kaum ein anderes Spiel vom Drama abseits eines gewöhnlichen Matches. In insgesamt zehn Specials präsentieren wir die denkwürdigsten Skandale. Dabei konzentrieren wir uns auf die jüngere Vergangenheit, die besonders die heutige Szene von Counter-Strike geprägt hat.

Teil vier führt die Geschichten des zweiten und dritten Artikels zusammen und erklärt, wie die Skandale des Jahres 2014 eine regelrechte Hexenjagd auslösten. Wer die vorherigen Teile nochmals nachlesen will, findet das Special zu Cheatern wie KQLY und das Ende von Team Titan hier und die Story des Wettbetrugs von iBUYPOWER hier.

Das Fass läuft über

Wer über die Betrugsskandale Ende 2014 spricht, kommt um die »Hexenjagd« nicht herum. Dazu muss man vorher verstehen, dass die Counter-Strike-Szene - Profis und Fans - durch die Ereignisse massiv durchgeschüttelt wurde.

Der deutsche Cheater Simon »smn« Beck veröffentlichte eine Liste mit weiteren mutmaßlichen Cheatern, Valve überführte kurz darauf echte Erstligaprofis mit Sf und KQLY. In den Augen vieler Fans konnte man niemandem mehr trauen. Warum sollten nur smn, Sf von Epsilon und KQLY von Titan cheaten? Was ist mit den anderen Spielern dieser Teams und anderen Mannschaften? An den drei Spielern wurde womöglich nur ein Exempel statuiert, so die damalige Narrative, um die Fans zu beruhigen, damit nicht die gesamte Wahrheit ans Licht kommt.

Und wer nicht cheatet, der betrügt anders, so die Vermutung. Ende 2014 lief bereits die Gerüchteküche, dass iBUYPOWER absichtlich ein Match verloren hat, um per Wettbetrug abzukassieren. Die Beweise dafür würden erst im Januar 2015 folgen. Es war eine Zeit der gegenseitigen Anschuldigungen und vergifteten Grundstimmung ohne klare Linien. Da half die kommunikationsbefreite Haltung von Valves CS:GO-Team nichts, das auf Fragen der Community nicht reagierte und nur mit den drei VAC-Bans der überführten Cheater ein einzelnes Zeichen setzte.

Jagd auf Flusha

Auftakt für die Hexenjagd. Webseiten taten sich auf, die automatisiert Profis auf VAC-Bans überprüften. Die Matches der Topspieler wurden auf mögliche Betrugsversuche analysiert, Clips sollten Beweise liefern. Profis beschuldigten Profis. Fans beschuldigten Profis. Besonders die zu dieser Zeit sehr erfolgreichen Teams standen im Kreuzfeuer. Aber niemand war so sehr im Fokus der Aufmerksamkeit wie die Rekordmeister fnatic und der fnatic-Spieler Robin »flusha« Rönnquist. Jede Szene des heute 23-jährigen Schweden wurde auseinandergenommen, mögliche Beweise für Cheats veröffentlicht.

Auf der offiziellen Seite von fnatic heißt es in flushas Spielerprofil:

Flusha ist von anderer Natur, ein Dämon am Gewehr, seine Reflexe lassen die der restlichen Weltelite schrumpfen. Er wird stets des Cheatens beschuldigt und manches mal fragt man sich, ob die monströsen Spielzüge des Clutch-Meisters seinem abartigen Können entspringen, oder ob er einfach klüger als Valves Anti-Cheat-System ist.

Der flusha lift

Das führte zur legendären Stellungnahme eines extrem entnervten flushas über Facebook, der fragwürdige Szenen so begründete: Er habe einen sehr ungewöhnlichen Spielstil und hebe die Maus häufiger als der Durchschnittsspieler bei Bewegungen an, wodurch das Fadenkreuz komisch zucke. Der »mouse lift« von flusha ist heute eines der bekannteren Counter-Strike-Memes und wird von Fans zitiert, wenn etwas fragwürdiges auf dem Bildschirm passiert. Ist das Fadenkreuz auf den Gegner hinter der Wand ausgerichtet, dann hat der Spieler die Maus angehoben. Spielt flusha schlecht? Dann blieb die Maus wohl zu oft auf dem Tisch.

flusha sprach im weiteren Verlauf der Facebook-Mitteilung von Todesdrohungen und dass er trotzdem »nicht sagen möchte, dass die Community ein verdammter Witz« sei. fnatic würde am Abgrund stehen, mehrere Spieler des schwedischen Teams hätten wegen der Hexenjagd keinen Spaß mehr an Counter-Strike und spielten mit dem Gedanken, ihre Karriere zu beenden.

fnatic bei der Dreamhack Winter 2014?

Nach Anschuldigungen von allen Seiten erklärte schließlich sogar der bekannte CS-1.6-Profi, Ex-fnatic-Spieler und Trainer von Ninjas in Pyjamas, Faruk Pita, dass es eine »Schande vor der Community und jedem hart arbeitenden Spieler« wäre, wenn Valve jemanden wie flusha im Rahmen der Dreamhack Winter 2014 spielen lassen würde. flushas Cheats seien mittlerweile »so offensichtlich, wie sie nur seien könnten«. Pita hatte das Prestige-Turnier Dreamhack Winter in den Jahren 2009 und 2011 (mit fnatic) selbst gewonnen.

Die Anschuldigen verliefen sich schließlich im Sande. Während die flusha-Gegner Video um Video als angeblichen Beweis vorlegten, konnte Valve keinen solchen Cheat mit VAC erkennen und einen möglichen Betrug nachweisen. Bis heute wurden nur eine handvoll Semiprofis gesperrt, keiner gehört nach den Banns für Sf und KQLY zur Topelite der Welt.

fnatic durfte dann tatsächlich ohne weitere Probleme zur Dreamhack Winter 2014 reisen. Das WM-Turnier wurde trotz aller Ereignisse mit Spannung erwartet und sollte das große Duell zwischen den Schweden fnatic und den Franzosen von LDLC liefern, den derzeit besten Counter-Strike-Mannschaften und den wohl besten Teams aller Zeiten. Die Fans von Counter-Strike hofften auf echten Sport und ein versöhnliches Jahresende.

Tatsächlich sorgte das Match zwischen fnatic und LDLC dann aber für den krönenden Riesenskandal des Jahres 2014. Die Geschichte erzählen wir im fünften Report unseres CS:GO-Skandalspecials.

Das war der vierte Teil unserer Reihe »Skandale und Kontroversen aus Counter-Strike«. Im fünften Special schließen wir das Skandaljahr 2014 ab. Nach zig Vorfällen rund um den Shooter nutzt ausgerechnet der Rekordmeister fnatic einen Exploit, um das heißerwarteste Match aller Zeiten für sich zu entscheiden. Die CS:GO-Community reagiert entsetzt.

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