Zum Thema Elex ab 49,99 € bei Amazon.de Der ursprüngliche Arbeitstitel von Piranha Bytes' Open-World-Epos Elex lautete Evolution. Klingt auch sinnvoll, wenn man sich die Grundidee des Spiels anschaut: Unsere bekannte Welt geht unter und entwickelt sich aus einer postapokalyptischen Ödnis über mittelalterliche Zustände in ein eventuelles Science-Fiction-Szenario. Evolution eben. Wer sich mit der Geschichte des Ruhrpott-Studios auseinandersetzt, der entdeckt hinter diesem Arbeitstitel aber auch eine persönliche Geschichte: Elex ist auch für Piranha Bytes eine gewaltige Evolution. Ein Schritt in eine neue Technikgeneration (Elex basiert anders als Risen 3 komplett auf DirectX 11), mit neuem Setting, der größten Spielwelt der Studiogeschichte, ganz neuen Maßstäben für das, was die Story leisten soll und, und, und.

Wenn es nach Piranha Bytes geht, dann soll Elex der neue Meilenstein werden, an dem man sie fortan misst. Ein nachvollziehbares Anliegen für einen Entwickler, der meistens nach seinem ersten Meilenstein - Gothic - bewertet wird. Dass einem das 15 Jahre nach Release des Erstlings irgendwann auf den Keks geht, glauben wir sofort. Trotzdem müssen sich die Essener den Vergleich noch einmal gefallen lassen - und zwar von uns. Wer sich Evolution auf die Fahne schreibt, muss schließlich auch dem »Härtetest« standhalten.

Wir waren bei Piranha Bytes vor Ort, haben einen ganzen Tag lang Elex gespielt, unzählige Fragen gestellt und klären jetzt für die Gothic-Fans da draußen, wo das postapokalyptische Rollenspiel tatsächlich eine klare Weiterentwicklung sein wird. Und ob wir das Gothic-Erbe trotzdem immer noch spüren.

Sein Todesurteil selbst unterschreiben

In unserer Anspiel-Demo treiben wir uns zuerst im Gebiet Abessa rum, einem mitteleuropäischen Kernland mit weitläufigen Wiesen, leichten Hügeln, Wäldern und verschneiten Bergen in der Ferne - das Zentrum der Elex-Spielwelt. Unser Held startet auf einem verwitterten Straßenabschnitt, der durch einen Tunnel führt, sackt erstmal ein paar Heiltränke, Zigaretten und eine Rolle Klopapier ein, und stromert dann auf der Suche nach einer größeren Siedlung durch die Landschaft. Das Sammeln gehört nach wie vor zur Kernbeschäftigung eines Piranha-Bytes-Spiels, diesmal erweitert sich das Arsenal aus Crafting-Ressourcen, Währung und Munition allerdings durch Audiologs, die uns mehr von der Story verraten. Viel wissen wir darüber bisher allerdings nicht: Ein Meteorit aus dem namensgebenden Rohstoff Elex ist auf den Planeten gestürzt, die Welt ging (deswegen?) unter.

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Elex

Die Menschen fanden raus, dass man Elex sowohl als Energiequelle, als auch als Wunderdroge nutzen kann - wer viel davon konsumiert erhält immense Stärke, verliert aber seine Gefühle. Unser Held hat genau das getan, lebte lange Zeit als seelenloser, grausamer Alb, bis er eines Tages sein Elex absetzen musste und plötzlich Gefühle bekam. Was er mit denen anfängt, bleibt uns überlassen. Es gibt laut Entwickler einen spannenden Plot, allerdings sind darüber noch keine Details bekannt. In unserem Demo-Spielstanduns befinden wir uns bereits ein paar Stunden im Spiel, allerdings kann Abessa theoretisch das erste Gebiet sein, das man bereist. Elex wird uns zu Beginn der Reise keinerlei Vorgaben machen, was wir wann und wie tun müssen. Bereits nach ein paar Metern in der waldigen Hügellandschaft merken wir aber schnell: Nach Abessa sollte man nicht unvorbereitet kommen.

Da stürmen Räuber, mutierte Monster, Mech-Roboter und Raptoren auf uns zu und reißen uns in Windeseile in Stücke. Gut, die tauchen zwar nicht alle gleichzeitig auf, aber wir müssen auch bei einzelnen Feinden bereits aufpassen - selbst mit unserem durchaus solide geskillten Helden. Hier erbt Elex tatsächlich eine der Stärken von Gothic: Es ist angenehm gnadenlos, wenn man ohne die richtige Vorbereitung in die falschen Gebiete läuft. Man kann das jederzeit tun, unterschreibt damit aber bisweilen das eigene Todesurteil. Unser erster Kampf beginnt dabei noch unspektakulär - es schwebt lediglich eine kleine weiße Roboterdrohne durchs Gras. Leichte Beute, um unseren Blaster auszuprobieren, denken wir. Doch kaum feuern wir das Teil zu Schrott, dröhnen Stampfgeräusche aus der Ferne. Ein riesiger Mech kommt angelaufen, mit zwei weiteren Drohnen und einigen Alb-Jägern im Gepäck.

Albs sind menschenähnliche Fieslinge ohne Emotionen, die zu viel von der Wunderdroge Elex konsumiert und damit ihre Menschlichkeit geopfert haben, dafür aber enormes High-Tech-Wissen anhäufen konnten. Beim dritten Versuch überleben wir diese Konfrontation um Haaresbreite und beschließen, tunlichst die nächste Menschensiedlung aufzuspüren. Und sei es nur, um mal zu Atem zu kommen. Gemessen am Schwierigkeitsgrad wird Elex also knallhart, zumindest dann, wenn wir das als Spieler wollen. Im fertigen Spiel lässt sich der Schwierigkeitsgrad individuell anpassen. Man bestimmt beispielsweise selbst im Optionsmenü, ob Ausweichrollen wie bei Dark Souls ein pauschales Zeitfenster der Unverwundbarkeit gewähren oder tatsächlich nur dann schützen, wenn die feindliche Axt danebenhaut. Bei den Kämpfen zeigt sich die Evolution von Gothic zu Elex also am deutlichsten.

Gothic vs. Elex: Das Kampfsystem

Der klassische Nahkampf erinnert an früher: Als Haudrauf können wir mit Schwert und Schild auf Mutanten, Raptoren und Wühler (kleine Tollwut-Monsterschweinchen) einprügeln, blocken und per Ausweichrolle in Deckung gehen. Per Crafting lassen sich Edelsteine in der Schneide verbauen, die spezielle Eigenschaften freischalten - beispielsweise Feuerklingen oder Blutschaden. Wer will, kann die Auseinandersetzungen also auf die »altmodische« Art bestreiten, allerdings drängen sich uns die zahlreichen neuen Kombinationsmöglichkeiten dabei unweigerlich auf. Zum Beispiel das Jetpack. Auch als Nahkämpfer kann man jederzeit per Doppelsprung die Düse aktivieren, drei Meter in die Luft schweben und dann einen mächtigen Abwärtshieb vollführen. Der stößt die Feinde je nach Stärkewert nicht nur einige Meter zurück, sondern trifft mit ein bisschen Zielwasser sogar mehrere Fieslinge gleichzeitig.

Weil je nach Schwierigkeitsgrad feindliche Gruppen in Elex simultan angreifen (anders als in früheren Piranha-Bytes-Spielen) ist der Umgang mit diesen Gadgets fast schon zwingend erforderlich. »Crowd Control« sticht hier das ehrenvolle Einzelduell, wir rollen, springen und schweben von Position zu Position, gewinnen Höhenvorteile und wechseln rasch durch unser Arsenal. Auch die fantasylastigen Waffen kommen in unterschiedlichsten SciFi-Ausführungen. Unser Favorit ist beispielsweise das Sägeschwert - eine Klinge, an der die messerscharfe Kette einer Motorsäge montiert wurde. Während die emsig vor sich hintuckert, verursachen wir verheerenden Blutungsschaden. Und die Armbrust sieht eher aus wie eine zusammengeschraubte Survival-Schleuder aus The Walking Dead. Sie funktioniert zwar im Prinzip wie in Gothic, verschießt aber je nach Bedarf auch Explosiv- oder Plasmabolzen.

Die fünf besten Waffen in Elex

Generell wurde der Fernkampf massiv überarbeitet, um ihn dem Nahkampf als gleichberechtigte Alternative gegenüberzustellen. Schließlich muss in einem futuristischen Setting der Blaster auch was taugen. Mit Speer-, Raketen- und Granatwerfer, Impulsgewehr, Bogen und Armbrust greift unser Held auf ein üppiges Arsenal zu, das üble Schäden anrichten kann. Natürlich müssen wir in der offenen Spielwelt noch immer clever unsere Positionen ändern, damit die Gegner nicht an unseren Fernkämpfer rankommen, trotzdem bedienen sich die Schießeisen deutlich intuitiver als in Gothic oder Risen - bis zu dem Punkt, an dem sie sich schon zu mächtig anfühlen. In der Demo pflücken wir Feinde munter schwebend mit dem Granatwerfer aus dem Leben, ohne dass die irgendwas dagegen tun können. Aber Piranha Bytes versichert uns, dass bis zum Release jeder Feind entsprechende Abwehrmöglichkeiten bekommen wird.

Das illustrieren die Entwickler an einem riesigen Zyklopen, der Nahkämpfer mit einem satten Treffer umbringen kann. In solchen Momenten erinnert das Kampfsystem an Dark Souls, denn jede Rolle muss sitzen, jeder Schlag perfekt abgestimmt werden. Fernkämpfer haben hier gegenwärtig klare Vorteile, allerdings wird der Zyklop in der Releasefassung Laserstrahlen aus dem Äuglein verschießen können. Fies. Die Bedienung der Fernkampfwaffen funktioniert bereits jetzt angenehm unkompliziert und lange nicht mehr so sperrig wie in früheren Piranha-Bytes-Spielen. Die Evolution liegt in der tatsächlich spürbaren Vielfalt von Kampfstrategien, die das SciFi-Umgebung nachvollziehbar miteinbeziehen. Auch das Magiesystem zeigt einige klare Unterschiede zu Gothic und Risen.