Als wir die Kampagne von Starcraft 2: Wings of Liberty testen, müssen wir an ein Interview denken, das wir mit Rob Pardo über das erste Starcraft geführt haben. Denn darin sagte der Blizzard-Veteran: »Obwohl Starcraft nur ein albernes Armeespielchen war, wollten wir eine richtige Geschichte erzählen.«

Zum Thema » Test-Video: Die Kampagne So gut ist der Solo-Feldzug » Technik-Check Grafikvergleich & Tuning StarCraft 2 ab 14,50 € bei Amazon.de Und das trotz der spärlichen Präsentation: Bei den (immerhin vertonten) Dialogen blendete Starcraft anno 1998 hölzern animierte Charakterbildchen ein, die Render-Zwischensequenzen hatten teils weniger mit der Handlung zu tun als Gothic 3 mit dem Begriff »bugfrei«.

Trotzdem fesselte das erste Starcraft mit einer wendungsreichen Handlung. Die Erinnerung an Kerrigans Tod und Wiederauferstehung beschwört noch heute eine Gänsehaut auf Spielerarme. Dazu hat Starcraft 2 nun ebenfalls das Zeug.

Und was ist mit dem Multiplayer-Modus?

Der erste Teil unsere Tests zu Starcraft 2: Wings of Liberty und die Wertung beziehen sich auf den Solo-Modus, den Mehrspieler-Test samt eigener Wertung lesen Sie ab Seite 6 dieses Artikels.

Die Inszenierung: bahnbrechend

Starcraft 2: Wings of Liberty ist, um mit Pardo zu sprechen, ebenfalls ein »albernes Armeespielchen«. Aber die Präsentation der Geschichte ist besser geworden, viel besser. Und zwar nicht nur, weil die schönen Rendersequenzen nun besser zur Handlung passen.

Auf dem Raumkreuzer Hyperion, der als Kampagnenmenü dient, können wir zwischen den Missionen wie in einem Adventure vier Räume besuchen: die Brücke, das Labor, die Bar sowie die Waffenkammer. Und überall warten Gesprächspartner, mit denen der Kampagnen-Hauptcharakter Jim Raynor gut übersetzte (allerdings nicht interaktive) Dialoge führt – ähnlich wie Christopher Blair im Klassiker Wing Commander, in dem sich die Charaktere zwischen den Missionen ebenfalls unterhielten.

Diese Gespräche inszeniert Starcraft 2 in einer aufgebohrten und extrem detaillierten Version der 3D-Engine, selbst die Lippenbewegungen hat Blizzard den ordentlichen deutschen Sprechern angepasst – kein Vergleich zu den Porträtbildchen aus dem ersten Starcraft. Viele Dialoge finden vor oder nach bestimmten Missionen statt, es gibt aber auch optionale Wortwechsel. Und selbst die wollen wir nicht verpassen, weil sie den Charakteren mehr Profil verleihen.

Die Charaktere: lebendig

Die Hauptfigur der Kampagne ist natürlich Jim Raynor, der einen Guerillakrieg gegen die Terranische Liga und ihren Diktator Arcturus Mengsk führt. Zugleich wird Raynor vom Hass auf seine ehemalige Geliebte getrieben, die Zerg-Königin Kerrigan, die gerade mal wieder über die Menschheit herfällt. Klar, diese Charaktere sind nicht sonderlich tiefgründig und klischeehaft, Raynor etwa passt als alternder Weltraum-Cowboy wunderbar ins Standard-Schema "gebrochener Rebell«. Für ein Strategiespiel gibt sich Starcraft 2 trotzdem alle Mühe, den Figuren Leben einzuhauchen. Und besser gezeichnet als Kane aus C&C 4 sind sie allemal.

An Raynors Seite stehen unter anderem Matt Horner, der ehrenhafte Kapitän der Hyperion, der bärbeißige Space Marine Tychus Findlay sowie der zwielichtige Rastalocken-Elitekrieger Tosh. Letzteren hat Blizzard als einzigen Charakter unpassend vertont, Tosh spricht nämlich mit aufgesetztem Jamaika-Slang.

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Starcraft 2: Wings of Liberty
Der Ex-Marschall und Rebell James Raynor ist die Hauptfigur der Kampagne.

Neben den Gesprächen bietet die Hyperion unterhaltsames Drumherum, etwa eine TV-Nachrichtensendung, die über den aktuellen Stand des Krieges berichtet. Und deren Moderator gerne mal die Korrespondentin abwürgt, wenn sie zu positiv über Raynors Rebellentruppe und deren Erfolge berichtet.

In der Bar steht sogar ein Spielautomat, auf dem wir Lost Viking spielen können, einen Arcade-Shooter in der normalen Spiel-Engine – der zugleich ein Beleg dafür ist, dass sich mit dem funktionsgewaltigen Editor sogar Actionspiele basteln lassen. Außerdem können wir in den Menübildschirmen immer wieder einzelne Details anklicken, etwa Raynors ehemalige Marshall-Dienstmarke oder ein Banner, das uns gerettete Kolonisten geschenkt haben. Solche atmosphärischen Gimmicks gab's noch in keinem Echtzeit-Titel – dafür ein besonderes Lob an Blizzard.