Es ist der 17. November 1970. In den USA wird ein Patent mit der Nummer 3.541.541 erteilt. Der Titel klingt ziemlich sperrig und technisch: X-Y Position Indicator for a Display System
. Hinter dieser trockenen Bezeichnung verbirgt sich ein Gerät, das die Interaktion zwischen Mensch und Computer revolutionieren sollte.
Sein Erfinder, der Elektroingenieur Douglas C. Engelbart vom Stanford Research Institute (SRI), hatte zu diesem Zeitpunkt bereits Jahre damit verbracht, darüber nachzudenken, wie man Computer intuitiver bedienbar machen könnte.
Ein Holzklotz erobert die digitale Welt
Der erste Prototyp, den Engelbart bereits Mitte der 1960er Jahre gemeinsam mit seinem Chefingenieur Bill English entwickelte, hatte wenig mit den ergonomischen High-Tech-Geräten von heute gemein. Es war ein klobiges Gehäuse aus Holz, in dessen Innerem zwei Metallräder senkrecht zueinander angeordnet waren – eines für die horizontale, eines für die vertikale Bewegung.
Dass das Gerät den Namen Maus
erhielt, war reiner Pragmatismus. Ich weiß nicht, warum wir es Maus genannt haben
, sagte Engelbart später in Interviews. Das Kabel, das damals noch am hinteren Ende des Geräts austrat, erinnerte das Team schlichtweg an den Schwanz eines Nagetiers.
Die Mutter aller Demos
Doch die Maus war für Engelbart nie ein isoliertes Gadget. Sie war Teil eines umfassenden Konzepts zur Steigerung des menschlichen Intellekts
. Engelbart war überzeugt, dass Computer nicht nur Rechenmaschinen sein sollten, sondern Werkzeuge, die dem Menschen helfen, komplexe Probleme gemeinsam zu lösen.
Den Beweis trat er am 9. Dezember 1968 an, ein Ereignis, das heute als die Mother of All Demos
(Mutter aller Präsentationen) in die Technikgeschichte eingegangen ist. Vor über 1.000 Fachleuten in San Francisco präsentierte Engelbart nicht nur die Maus, sondern auch Hypertext (Links), die Arbeit in gemeinsamen Fenstern, Videokonferenzen und die Textverarbeitung in Echtzeit.
Zu einer Zeit, als Computer noch so groß wie Schränke waren und per Lochkarten gefüttert wurden, wirkte Engelbarts Vorführung wie Science-Fiction.
Ein Patent ohne Reichtum
Wenn ihr nun glaubt, dass das Patent Engelbart zum Multimillionär machte, irrt ihr euch. Das Stanford Research Institute hielt die Rechte und lizenzierte die Technologie später für eine vergleichsweise geringe Summe von etwa 40.000 Dollar an Apple.
Als die Maus in den 1980er Jahren durch den Macintosh und später durch Windows ihren weltweiten Siegeszug antrat, war Engelbarts Patent bereits abgelaufen.
Visionär bis zum Schluss
Douglas Engelbart, der 2013 im Alter von 88 Jahren verstarb, blickte zeit seines Lebens mit einer gewissen Melancholie auf die Entwicklung der IT-Branche.
Zwar hatte sich die Maus durchgesetzt, doch seine eigentliche Vision, die Nutzung von Technologie zur kollektiven Intelligenzsteigerung, sah er oft durch die bloße Unterhaltungs- und Konsumorientierung moderner Software in den Hintergrund gedrängt.
Dennoch bleibt sein Vermächtnis unbestritten.
Jedes Mal, wenn wir heute auf einen Link klicken, ein Fenster verschieben oder in einer Videokonferenz den Bildschirm teilen, nutzen wir die Ideen jenes Mannes, der vor über fünfzig Jahren mit einem kleinen Holzklotz die Tür zur digitalen Moderne aufstieß.
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