»Aber Steve, die Leute haben mehr als einen Finger«: Steve Jobs wollte, dass PC-Mäuse nur eine Taste haben, doch sein größter Konkurrent sollte es besser wissen

Steve Jobs war der Ansicht, eine PC-Maus sollte nur eine Taste haben. Als es anders kommt, zeigt er sich opportunistisch – mehr oder weniger.

Beim Anblick einer MMO-Gaming-Maus wie der Razer Naga V2 Pro hätte Steve Jobs wohl zu viel bekommen. (Bildquelle: commons.wikimediaTom Coates, Razer) Beim Anblick einer MMO-Gaming-Maus wie der Razer Naga V2 Pro hätte Steve Jobs wohl zu viel bekommen. (Bildquelle: commons.wikimedia/Tom Coates, Razer)

Apple-Produkte sollen durch ihr Design und ihre intuitive Bedienung überzeugen. Dahinter steckt eine lange Entwicklung, geprägt von Steve Jobs' kompromissloser Vision, auf Minimalismus zu setzen. Diese wurde zum Fundament von Apples Erfolg.

Jobs war sich seiner Sache so sicher, dass er sich eines Tages sogar mit Paul Allen, einem Mitbegründer von Microsoft, stritt. Das Wortgefecht beschreibt Allen in seinen Memoiren Idea Man, das 2011 erschien. Demnach zeigte sich Jobs in einer Sache vollkommen uneinsichtig:

Die Anzahl der Tasten, die eine PC-Maus haben sollte

Jobs arbeitete bereits an einem Prototypen für eine Maus mit nur einer Taste. Als er das Gerät Allen damals präsentierte, zeigte dieser sich skeptisch: Ich denke, es wäre besser mit zwei Tasten, schlug er vor. Jobs, der offenbar annahm, Allen hätte den Grundgedanken dahinter nicht verstanden, erwiderte unumwunden:

Weißt du, Paul, es geht um Einfachheit angesichts der Komplexität. Und niemand braucht mehr als eine Taste an der Maus. – Steve Jobs zu Paul Allen

Doch auch Allen gab nicht einfach so auf und versuchte Jobs mit Logik zu überzeugen:

Aber Steve, die Leute haben mehr als einen Finger, und es wird Dinge geben, die sie auch mit der richtigen Taste tun wollen. – Paul Allens Antwort auf Steve Jobs

Video starten 2:02 Steve Jobs - Kino-Trailer mit Michael Fassbender als Apple-Gründer - Kino-Trailer mit Michael Fassbender als Apple-Gründer

Diese Anekdote stammt aus den frühen 1980er Jahren. Allen besuchte Apples Büros in Palo Alto, um den Macintosh und dessen grafische Benutzeroberfläche aus erster Hand kennenzulernen.

Microsoft hatte bereits Interesse gezeigt, Word und Excel auf Apples neues System zu bringen, aber während dieses Treffens kam es zu den besagten Meinungsverschiedenheiten.

Wir wissen heute, wie die Geschichte ausging. Es sollte rund 23 Jahre dauern, bis Apple von seinem Dogma abwich. Die anfänglich erfolgreiche Einfachheits-Philosophie stieß an ihre Grenzen, als Betriebssysteme komplexer wurden. Was einst eine Stärke war, entwickelte sich zu einer Herausforderung.

Die Vision der Einfachheit: Warum nur eine Taste?

Es schien zuerst, als sollte Jobs seinen Konkurrenten tatsächlich übertrumpfen. Trotz Allens Überzeugung war Microsofts Maus kein sofortiger Erfolg. Sie hatte einen niedrigeren Preis als die Konkurrenz, konnte sich aber nicht gut verkaufen.

In seinem Buch erinnert sich Allen daran, wie Jon Shirley, damals CEO von Microsoft, kommentierte, dass sie ganze Geschäfte voller Mäuse hätten, weil niemand die Geräte haben wolle.

In den frühen PC-Tagen, als Computer als überaus komplex galten, war Jobs' Beharren auf der Ein-Tasten-Maus eine bewusste Wahl, um die Einstiegshürde zu senken. Diese Vereinfachung positionierte Apple als Anbieter benutzerfreundlicher Alternativen und machte PCs einer breiteren Masse zugänglich, was Apples frühen Markterfolg maßgeblich bestimmte.

Einmal sah Jobs ein unfertiges Maus-Modell ohne eingezeichnete Tasten und erklärte es für genial. Er soll so begeistert gewesen sein, dass er seiner Belegschaft befahl: Wir wollen keine Tasten haben!

Die erste Computermaus von Douglas Engelbart (1964) hatte nur eine Taste. Der Hersteller Xerox konstruierte 1973 bereits eine Drei-Tasten-Variante. Apple kehrte jedoch mit Lisa und Macintosh (1984) bewusst zur Ein-Tasten-Maus zurück.

Diese strategische Entscheidung sollte die Bedienung revolutionär vereinfachen. Angeblich brauchte man nur 20 Minuten, um den ersten Personal Computer Lisa, der inklusive Maus kam, bedienen zu können, im Gegensatz zu 20 Stunden bei den bisher üblichen Computern, die meist kein grafisches Betriebssystem besaßen.

Der Wandel: Als Apple doch mehr Tasten bekam

Nach fast 21 Jahren Ein-Tasten-Philosophie stellte Apple im Juli 2005 die Mighty Mouse vor. Diese war Apples erste Maus mit offiziell mehr als einer Taste. Ein Wendepunkt.

Apples Mighty Mouse war die erste Maus des Herstellers mit mehr als einer Taste. (Bildquelle: Apple) Apples Mighty Mouse war die erste Maus des Herstellers mit mehr als einer Taste. (Bildquelle: Apple)

Äußerlich dem Ein-Tasten-Design ähnelnd, verbarg sie kapazitive Sensoren für Links- und Rechtsklicks, indem man den linken Finger für einen Rechtsklick leicht anhob.

Die Mighty Mouse verfügte zudem über eine 360-Grad-drehbare Scrollkugel, die als dritte Maustaste fungierte. Seitliche, druckempfindliche Tasten waren ebenfalls belegbar. Alle Funktionen ließen sich in macOS konfigurieren.

Der nächste Evolutionsschritt war die Magic Mouse (Oktober 2009). Sie ersetzte physische Tasten und Scrollkugel durch eine Multi-Touch-Oberfläche. Nutzer konnten nun mit intuitiven Gesten (Wischen, Tippen, Zoomen) interagieren. Sie war als Ein- oder Zwei-Tasten-Maus konfigurierbar.

Die extra flache Magic Mouse von Apple. (Bildquelle: Apple) Die extra flache Magic Mouse von Apple. (Bildquelle: Apple)

Dieser Übergang von physischen Tasten zu Gesten zeigt Apples Fähigkeit, Funktionalität durch innovative Software- und Sensorintegration hinzuzufügen, ohne konventionelle Hardware-Lösungen zu nutzen. Es war ein cleverer Ansatz, um Funktionalität zu integrieren, während die Ästhetik der Einfachheit bewahrt wurde.

Die Magic Mouse abstrahierte die Interaktionsebene weiter, ermöglichte eine neue, intuitive Bedienung, sobald Nutzer sich an die Gesten gewöhnt hatten.

Kritische Stimmen: Nicht alles war Gold, was glänzte

Trotz Jobs' Designfokus gab es Fehltritte. Die »Hockey Puck«-Maus (iMac G3, 1998) gilt als größter Designfehler des Herstellers und wird von manchen sogar mit wenig rühmlichen Titeln wie unbrauchbarste Maus der Geschichte abgestraft.



Bryan Gardiner von Magazin Wired führt das Gerät sogar unter Apple's Most Notorious Flops (Artikel hinter Bezahlschranke) auf. Viele kritisieren, ihre kleine, runde Form erschwere das Greifen und führe zu Handkrämpfen. Dieses Design war eine direkte Folge von Jobs' spontaner Keine-Tasten-Erklärung.

Auch die Magic Mouse wird wegen ihres flachen Designs kritisiert. Viele Nutzer beklagen Handkrämpfe und mangelnde Handballenunterstützung bei längerer Nutzung. Sie wird oft als zu unergonomisch empfunden.

Die berührungsempfindliche Oberfläche kann zudem zu unbeabsichtigten Rechtsklicks führen. Ein weiterer Kritikpunkt ist die Platzierung des Ladeanschlusses an der Unterseite der Magic Mouse 2.


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Die Maus kann während des Ladevorgangs nicht benutzt werden – eine unpraktische Entscheidung.

Diese Kompromisslosigkeit, die auf ästhetisch ansprechende, minimalistische Produkte abzielt, führte zu Usability-Problemen, wenn die Form der Funktion übergeordnet wurde.

Die anhaltende Kritik an der Ergonomie und dem Ladeanschluss zeigt, dass dieser Konflikt zwischen ästhetischem Ideal und praktischer Nutzererfahrung ein wiederkehrendes Thema in Apples Maus-Design ist. Dies unterstreicht, dass selbst eine brillante Designphilosophie, wenn zu starr angewendet, zu suboptimalen Produkten führen kann.

Mit dem Start von Windows im Jahr 1985 hat Microsoft seine grafische Oberfläche weltweit zum am weitesten verbreiteten Interface gemacht. Und damit machte die Maus mit zwei Tasten mehr Sinn.

Ihre rechte Taste erlaubt es, Kontextmenüs zu öffnen, die die Benutzerproduktivität steigerten und zu einem Schlüsselwerkzeug für das Windows-Ökosystem wurde.

Heute ist die Doppeltasten-Anordnung ein internationaler Standard. Auch inmitten des Touchflächen-Zeitalters bleibt sie für Büroarbeit, Design, Programmierung und Spielen unverzichtbar.

Update: Anlässlich des 50. Apple-Jubiläums haben wir den Artikel noch einmal aktualisiert und neu hochgezogen.

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