Fast 2 Millionen Stundenkilometer: Ein Objekt rast auf das Zentrum der Milchstraße zu und Forscher wissen nicht genau, was es ist

Das Objekt mit der Bezeichnung »CWISE J124909.08+362116.0« könnte ein Stern oder ein Brauner Zwerg sein - die Forscher sind sich noch uneinig.

Das Objekt ist in Wirklichkeit nicht so weit von der Milchstraße entfernt - es trennen lediglich 400 Lichtjahre von der Erde. (Bildquelle: Adobe Firefly, KI-generiert) Das Objekt ist in Wirklichkeit nicht so weit von der Milchstraße entfernt - es trennen lediglich 400 Lichtjahre von der Erde. (Bildquelle: Adobe Firefly, KI-generiert)

Vor wenigen Wochen wurde ein bislang nicht genau bestimmbares Objekt in relativer Nähe zur Erde entdeckt, das mit extrem hoher Geschwindigkeit auf das Zentrum unserer Milchstraße zusteuert (via Space.com).

Es hört auf den einprägsamen (!) Namen CWISE J124909.08+362116.0 und wurde von Mitgliedern des Projekts Backyard Worlds: Planet 9 erspäht. Sie beschäftigen sich generell mit der Suche nach Sternen und Objekten in direkter Nachbarschaft zu unserer Sonne.

Auch transneptunische, also jenseits der Bahn des Neptuns befindliche Himmelskörper stehen im Fokus der mitunter Laienwissenschaftler.

Doch zurück zum wohlklingenden Objekt namens CWISE J124909.08+362116.0. Was hat es damit auf sich?

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Stern oder Brauner Zwerg?

Vermutlich handelt es sich dabei um einen sogenannten Braunen Zwerg. Das ist ein Himmelskörper, der eine Sonderstellung zwischen Sternen und Planeten einnimmt. Gern ist hier auch die Rede von einem failed star (einem gescheiterten Stern).

Aber ganz sicher sind sich die Forscher noch nicht, da die Bestimmung der Masse (zirka acht Prozent der Masse der Sonne und die 80-fache Masse des Jupiters) ergeben hat, dass sich das Objekt genau an der Grenze zwischen Stern und Braunem Zwerg bewegt.

Wir entdeckten ein sehr massearmes Objekt, direkt an der Grenze zwischen Stern und Braunem Zwerg, das eine extreme Geschwindigkeit aufweist und sich so schnell bewegt, dass es möglicherweise tatsächlich nicht an die Milchstraße gebunden ist.

Adam Burgasser, University of California San Diego

Braune Zwerge haben zwar die vielfache Masse des Jupiters, sie reicht aber nicht, um eine Wasserstofffusion in Gang zu setzen, wie sie sich in echten Sternen vollzieht. Allerdings sind sie schwer genug für eine Deuteriumfusion.

Fast zwei Millionen km/h

Das Spannende ist die bereits erwähnte hohe Geschwindigkeit von CWISE J124909.08+362116.0. Sie beträgt beinahe zwei Millionen Kilometer pro Stunde.

Konkret sind es maximal 1,74 Millionen km/h oder 483 km/s. Und das in einer Entfernung zur Erde von nur 400 Lichtjahren.

Noch nie haben Forscher ein derart kleines Objekt mit einer so hohen Geschwindigkeit entdeckt.

Es rast dabei direkt auf unseren galaktischen Kern Sagittarius A* zu – ein supermassereiches Schwarzes Loch im Zentrum der Milchstraße.

Nun stellen sich die Forscher die Frage, wie CWISE J124909.08+362116.0 überhaupt so schnell werden konnte?

Es gibt einige Theorien:

  • Das Objekt könnte von Sagittarius A* ins Weltall hinausgeschleudert worden sein und befindet sich jetzt auf dem Rückweg.
  • Ein Weißer Zwerg (ein kleiner, sehr kompakter alter Sterne) könnte sich an dem Objekt genährt haben, was schließlich zu einer Supernova führte, deren Explosion es wiederum beschleunigt hat.
  • Das Objekt könnte aus einem Kugelsternhaufen mit Schwarzen Löchern geschleudert worden sein.

Es ist ebenfalls denkbar, dass CWISE J124909.08+362116.0 nicht aus unserer Milchstraße stammt, sondern von außerhalb kommt. Die Forscher räumen diesem Szenario aber nur eine geringe Wahrscheinlichkeit ein.

Bemerkenswert finden die Wissenschaftler außerdem die radiale Umlaufbahn des Objekts, die im Gegensatz zu Hochgeschwindigkeitssternen nicht chaotisch oder besonders geneigt ist.


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Sind derartige Himmelkörper selten?

Das lässt sich nicht mit Sicherheit sagen. Es wurden bislang überhaupt nur wenige Hochgeschwindigkeitssterne entdeckt, Objekte wie CWISE J124909.08+362116.0 noch gar nicht.

Aufgrund ihrer Natur sind sie schwer zu finden. Sie strahlen nur sehr schwach im infraroten Bereich. Es ist also denkbar, dass es in den Weiten des Weltalls viel mehr davon gibt, die wir nur nicht sehen.

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