So habt ihr euch den Ursprung von allem vielleicht noch nie vorgestellt: Was nach Star Trek klingt, kommt von einem Harvard-Professor

Die Frage, ob es im All intelligentes Leben außer den Menschen gibt, spielt beim Wissenschaftler Avi Loeb gleich in doppelter Hinsicht eine große Rolle.

Wie ist das Weltall entstanden? Diese Frage stellt sich auch der theoretische Physiker Avi Loeb. (Bild: stock.adobe.com - Tobias Kempf, Focus) Wie ist das Weltall entstanden? Diese Frage stellt sich auch der theoretische Physiker Avi Loeb. (Bild: stock.adobe.com - Tobias Kempf, Focus)

Wie selten sind wir?: Das fragt ein aktueller Artikel des bekannten Harvard-Professors Avi Loeb. Darin setzt er sich kritisch mit der Vorstellung auseinander, dass der Mensch als intelligentes Wesen eine absolute Ausnahmestellung im Universum einnimmt.

Seine Kritik daran kommt nicht überraschend, wenn man sich Loebs Hypothese zum Ursprung des Universums aus dem Magazin Scientific American ansieht. Über sie wurde weltweit berichtet – wohl auch deshalb, weil sie durchaus einer Folge von Star Trek entstammen könnte.

Diese Hypothese besagt, dass unser gesamtes Weltall möglicherweise im Labor von einer technologisch weit fortgeschrittenen Zivilisation erschaffen wurde.

Unumstritten ist Loeb wenig überraschend nicht. Spannend finden wir die Überlegungen des wichtigsten Astronomen seit Stephen Hawking (Zitat aus der Focus-Ausgabe 25/2021) aber dennoch.

Loeb ist seit 1997 Professor für Astrophysik an der Harvard Universität in den USA. (Foto: Chris Michel) Loeb ist seit 1997 Professor für Astrophysik an der Harvard Universität in den USA. (Foto: Chris Michel)

Wie Loeb seine Hypothese begründet

Es ist teils kaum möglich, Loebs Gedankengänge ohne tiefergehendes Wissen in theoretischer Physik nachzuvollziehen, wie das folgende Zitat deutlich macht:

Da unser Universum eine flache Geometrie mit einer Nettogesamtenergie von Null aufweist, könnte eine fortgeschrittene Zivilisation eine Technologie entwickelt haben, die ein Baby-Universum aus dem Nichts durch Quanten-Tunnel erschafft.

Aber seine Hypothese enthält auch besser greifbare Gedankengänge wie den folgenden:

Wenn das geschehen ist, könnte es nicht nur den Ursprung unseres Universums erklären, sondern auch darauf hindeuten, dass ein Universum wie das unsere [...] wie ein biologisches System ist, das die Langlebigkeit seines genetischen Materials durch mehrere Generationen aufrechterhält.

So wie der Mensch sein Fortbestehen durch Fortpflanzung und Evolution sichert, würde demnach die Erschaffung von immer neuen Baby-Universen einem vergleichbaren Zweck dienen. Im Focus-Interview hat das Loeb mit diesen Worten umschrieben:

Unser Universum wäre in einem Labor entstanden und wir oder eine andere Spezies könnten später im Labor ebenso ein Baby-Universum produzieren. Und so folgt Baby auf Baby auf Baby – ein Kontinuum wie beim Menschen.

Aktuell ist die Menschheit laut Loeb aber noch weit davon entfernt, so etwas zu erreichen.

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Vier Klassen von Zivilisationen

Loeb teilt das Niveau von technologischen Zivilisationen in die folgenden vier Klassen ein:

  1. Klasse A: Kann die kosmischen Bedingungen, die zu ihrer Existenz geführt haben, neu erschaffen.
  2. Klasse B: Kann die Bedingungen in ihrer unmittelbaren Umgebung anpassen, um unabhängig von ihrem Heimatstern zu sein.
  3. Klasse C: Kann die bewohnbaren Bedingungen auf ihrem Planeten für die Zeit nach dem Tod der Sonne nicht neu erschaffen.
  4. Klasse D: Zerstört im Zuge der Entwicklung neuer Technologien unachtsam den eigenen natürlichen Lebensraum.

Den Aussagen von Loeb nach sind wir auf der Stufe C oder sogar eher D einzuordnen. Um ein neues Baby-Universum erschaffen zu können, bräuchte es dagegen eine Zivilisation der Stufe A.

  • Entweder müssen wir also irgendwann selbst die Stufe A erreichen, um das Fortbestehen der Universen aufrechtzuerhalten, wenn man Loebs Hypothese folgt.
  • Oder wir sind nicht so selten, wie man meinen könnte, beziehungsweise es gibt mindestens noch eine andere technologisch (weiter) fortgeschrittene Zivilisation in unserem Weltall.

Letzteres versucht Loeb immer wieder, wissenschaftlich zu belegen.

Die schwierige Suche nach Beweisen

Ob dieses 2017 im All entdeckte Objekt namens »Oumuamua« künstlichen Ursprungs sein könnte, hat Loeb in einem wissenschaftlichen Artikel näher besprochen. Ihr findet ihn unter der Adresse arxiv.orgpdf2110.15213v1. Ob dieses 2017 im All entdeckte Objekt namens »Oumuamua« künstlichen Ursprungs sein könnte, hat Loeb in einem wissenschaftlichen Artikel näher besprochen. Ihr findet ihn unter der Adresse arxiv.org/pdf/2110.15213v1.

Bei seiner Suche nach Beweisen für die Existenz anderer intelligenter Zivilisationen hat Loeb immer wieder bestimmte Objekte aus dem All im Blick, die teilweise auch auf der Erde gelandet sind.

Es gibt aber Kritik an seinem Vorgehen, wie im Falle eines Meteoriteneinschlags aus dem Jahr 2014 im Meer nahe Papua-Neuguinea.

  • Loeb vermutet einen Ursprung außerhalb unseres Sonnensystems beziehungsweise durch eine andere Zivilisation, unter anderem auf Basis seismischer Messungen zu den Schallwellen beim Einschlag.
  • Wie der Spiegel im März 2024 berichtet hat, gibt es dazu aber Untersuchungen anderer Forscher, die die Aussagen Loebs widerlegen. Ihr passender Vortrag trug den vielsagenden Titel Wahrscheinlich keine Aliens.

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Es könnte also noch länger so bleiben, dass wir Menschen uns im Weltall alleine fühlen und dass wir nicht wissen, wie genau all das überhaupt entstanden ist.

Um äußerst spannende (und schwindelerregende) Themenkomplexe handelt es sich aber dennoch.

Lasst uns gerne in den Kommentaren wissen, was ihr von Loebs Hypothese zum Ursprung des Universums haltet und ob ihr davon ausgeht, dass es im All noch mehr intelligentes Leben als die Menschen gibt.

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