Ich fotografiere schon mehr als 10 Jahre und in dieser Zeit habe ich unzählige Kameras und Objektive ausprobiert. Es hat Spaß gemacht (und viel Geld gekostet) diese Experimente zu machen, und ich habe dabei viel gelernt.
Obwohl ich überzeugt bin, dass nicht das verwendete Equipment, sondern der Mensch am Auslöser das Foto kreiert, kann ich nicht abstreiten, dass das Ausprobieren von so vielen verschiedenen Objektiven und Kameras mir geholfen hat, herauszufinden, was mir wirklich wichtig ist.
Aus diesem Grund stelle ich mich 2025 meiner bislang größten Fotografie-Herausforderung, von der ich allerdings überzeugt bin, dass ich sie bewältigen kann und auf die ich mich unheimlich freue. Mein Ziel: mehr Kreativität durch Limitierung.
Meine Regeln für 2025
2025 will ich mich auf das absolut Wesentliche beschränken und mich in jeder Hinsicht auf die Fotografie und nicht auf mein Equipment konzentrieren. Mein Ziel ist es, das fotografische Auge zu schärfen. Dafür habe ich mir einige Regeln aufgestellt.
Fokus auf das Fotografieren: Nur eine Kamera und ein Objektiv
Nach all den Kameras und Objektiven weiß ich heute ganz genau, was mir am wichtigsten ist. Genau deswegen bin ich bei einer Kombination angekommen, von der ich mir sicher bin, dass sie mir alles bietet, was ich für meine Fotografie benötige – und will.
Leica M2: Ich liebe das Fotografieren mit vollmechanischen Analog-Kameras. Es macht mir Spaß, die nötigen Einstellungen des Belichtungsdreiecks (ASA/ISO, Belichtungszeit und Blende) selbst zu wählen und mein Objektiv manuell zu fokussieren.
- Analoge Kameras sind für mich eine erfrischende Detox-Kur von all der Technik, die mich den ganzen Tag umgibt.
- Die Fotos erst später sehen zu können, ist jedes Mal eine magische Offenbarung.
- Die Leica M2 war schon lange meine Traumkamera. Sie ist extrem hochwertig verarbeitet, und ich liebe das Design.
- Der große Sucher erlaubt es mir, die 50mm-Rahmenlinien und außerhalb davon zu sehen. So kann ich besser Schnappschüsse von Motiven machen, die »ins Bild hineinlaufen«. Bei DSLRs oder auch spiegellosen Kameras ist so etwas nicht möglich – die einzigen Ausnahmen sind die Fuji X100- und die Fuji X-Pro-Kameras.
50mm-Objektiv: Wenn ich nur ein Objektiv für den Rest meines Lebens verwenden könnte, dann würde ich ein 50mm-Objektiv wählen – und das habe ich gelernt, nachdem ich so viele Verschiedene ausprobiert habe. Die 50mm-Brennweite stellt Motive besonders natürlich und nah an der Wahrnehmung unserer Augen dar.
- Ich habe mich für das Voigtländer Nokton 50mm F/1.1 entschieden. Die große Blende erlaubt es mir selbst, mit einem ASA 100 Film noch bei schlechtem Licht und einer ruhigen Hand zu fotografieren.
- Bei analogen Kameras kann man die Lichtempfindlichkeit nicht einfach verstellen, weil diese vom Film vorgegeben ist. Objektive mit großer Blende sind daher nicht nur ein stilistisches Werkzeug, sondern auch eine Notwendigkeit bei wenig Licht.
- 28mm ist meine zweite Lieblingsbrennweite, aber die meisten Hauptkameras der heutigen Smartphones kommen dieser schon sehr nahe. Die meisten besitzen 24mm- oder 25mm-Objektive (im Vollformat-Äquivalent).
Fokus auf das Licht: Keine Automatiken
Die Leica M2 ist eine Filmkamera und vor dieser habe ich die Pentax MX und die Nikon FM2n verwendet. Alle drei Kameras sind mechanisch und funktionieren auch ohne eingelegte Batterie – die Leica M2 hat nicht einmal ein Batteriefach.
2025 möchte ich bei jedem Foto die Belichtungseinstellungen selbst wählen und mit meinem Auge schätzen. Das macht mir beim Fotografieren nicht nur Spaß, aber es ist ein äußerst befriedigendes Gefühl, die entwickelten Fotos zu sehen und die Bestätigung zu erhalten, richtig gelegen zu haben.
Darüber hinaus bin ich tatsächlich deutlich schneller, wenn ich keinen Belichtungsmesser benutze. So wähle ich einfach die Einstellungen, die ich für richtig halte, und schieße das Foto. Ob sie richtig waren, merke ich später.
Das habe ich übrigens schon einmal in einem zweiwöchigen Urlaub in Vietnam ausprobiert. Dabei habe ich zehn Rollen durch meine Nikon FM2n geschossen. Ob ich damit Erfolg hatte, könnt ihr hier nachlesen:
Für die Belichtungsmessung per Auge wende ich »Sunny 16« an.
Was ist Sunny 16? Die Sunny 16 Regel hilft mir, bei Sonnenlicht die richtige Belichtung ohne Belichtungsmesser einzustellen. Bei sonnigem Wetter stelle ich die Blende auf f/16 ein und wähle eine Verschlusszeit, die dem Kehrwert der ASA-Empfindlichkeit entspricht.
- Zum Beispiel nehme ich bei ASA 100 die Verschlusszeit 1/100 Sekunde (oder 1/125, da meine Leica M2 keine 1/100-Einstellung hat). Ändert sich das Licht, öffne ich die Blende.
- Möchte ich die Blende für kreative Effekte nutzen, passe ich die Verschlusszeit entsprechend an. Bei hellem Sonnenlicht könnte ich stattdessen f/5.6 bei 1/1000 Sekunde verwenden.
Fokus auf die Komposition: Keine Farbe
Alle Fotos werden ausschließlich in Schwarz-Weiß geschossen. Das hat stilistische, aber auch praktische Gründe:
- Die Entwicklung von Schwarz-Weiß-Film zu Hause fällt mir leichter und ist kostengünstiger.
- Das Fehlen von Farbe als stilistisches Mittel zwingt mich, stärker auf die eigentliche Bildkomposition zu achten.
- Mir gefällt das zeitlose Aussehen der Schwarz-Weiß-Fotografie.
Fokus auf den Prozess: Keine helfenden Hände
Jedes Foto soll auch wirklich meine eigene Kreation werden. Vom ersten Moment nach dem Drücken des Auslösers bis hin zum fertigen Druck möchte ich alles selbst gemacht haben.
- Ich wähle alle Einstellungen selbst und schieße das Foto per manueller Fokussierung.
- Den Film entwickle ich bei mir daheim im Badezimmer.
- Die Negative werden anschließend mit meinem Filmscanner eingescannt (Plustek OpticFilm 8300i Ai)
- Die fertigen Scans bearbeite ich selbst und wandle sie in druckfertige JPEG-Dateien um.
- Ausgewählte Bilder drucke ich mit meinem Canon Selphy CP1500 aus.
Fokus auf das Ergebnis: Ende 2025 blicke ich zurück
Am Ende dieses Jahres möchte ich dann aus den Fotos, die mir am besten gefallen haben, ein persönliches Fotobuch erstellen. Natürlich möchte ich euch dann auch auf GameStar über meine Ergebnisse informieren und wie diese Challenge gelaufen ist.
Übrigens wende ich diese Regeln nur an meine private Fotografie an. Beruflich notwendige Fotos werde ich dennoch digital und ohne Einschränkungen machen. Ihr werdet von mir keine monochromen Produktbilder sehen, die ich vorher entwickeln und scannen musste.
Wenn ihr nicht gerade beruflich fotografiert, könnte so ein Experiment auch etwas für euch sein, wenn ihr so wie ich nach einer kreativen Herausforderung sucht. Limitiert euch beispielsweise auf ein Objektiv oder schießt eine Weile nur in Schwarz und Weiß. Natürlich solltet ihr eure persönliche Challenge so gestalten, dass sie euch inspiriert und Spaß macht.
Denn obwohl ich mir all diese Einschränkungen auferlegt habe, fühle ich mich deswegen befreiter denn je. Es gibt keine Ablenkungen und mein Fokus ist so präzise wie noch nie. Es macht Spaß. Und genau darum geht es mir.

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