2026 überschreitet Voyager 1 eine Grenze, die mit Licht einfacher messbar ist als mit Kilometern

Ein winziges Stück Metall zeigt uns bald, wie groß das Universum wirklich ist – und wie weit die Menschheit bereits gereist ist.

Voyager 1 ist so weit von der Erde weg, wie ein Photon, das 646.339 Mal um die Erde zu kreist. (Bildquelle: Adobe Firefly, KI-generiert; Prompt: Alexander Köpf) Voyager 1 ist so weit von der Erde weg, wie ein Photon, das 646.339 Mal um die Erde zu kreist. (Bildquelle: Adobe Firefly, KI-generiert; Prompt: Alexander Köpf)

Seit jeher ist der Mensch ein geborener Entdecker. Wir haben uns über alle Kontinente ausgebreitet und wagten uns auf hölzernen Flößen über die Ozeane – angetrieben von der Neugier, was sich wohl hinter dem Horizont verbirgt.

Diesen tief verwurzelten Drang leben wir bis heute ungebrochen weiter. Nur haben sich unsere Horizonte verschoben: Unsere Reisen führen nun in die unerforschten Tiefen der Ozeane und in die Weiten des Weltalls.

Die wohl bekanntesten Stellvertreter der Menschheit im All sind die Raumsonden Voyager 1 und Voyager 2. Seit bald fünf Jahrzehnten sind sie unterwegs und stellen Rekorde auf: So etwa sind sie die am weitesten von der Erde entfernten Objekte, die die Menschheit je erschaffen hat.

Voyager 1 steht sogar kurz davor, einen neuen Meilenstein zu setzen. Sie wird die erste Sonde sein, deren Entfernung wir nicht mehr nur in Kilometern oder Astronomischen Einheiten (AE) messen, sondern in der Strecke, die Licht in einer bestimmten Zeit zurücklegt.

Wie weit ist Voyager 1 entfernt?

Aktuell beträgt der Abstand von Voyager 1 beeindruckende 168,9 AE, was etwa 25,27 Milliarden Kilometern entspricht. Zur Erinnerung: Eine AE ist der mittlere Abstand zwischen Erde und Sonne, rund 150 Millionen Kilometer.

In ziemlich genau einem Jahr, am 13. November 2026, wird die Raumsonde 25,9 Milliarden Kilometer zurückgelegt haben. Diese Distanz entspricht exakt einem Lichttag.

Das bedeutet: Sie ist dann so weit von uns entfernt, dass selbst das Licht – und damit auch unsere Funksignale – volle 24 Stunden brauchen, um dort anzukommen. Die Kommunikation ist entsprechend zäh. Für einen gesendeten Befehl und dessen Bestätigung vergehen ganze 48 Stunden.

Wissenswertes zur Lichtgeschwindigkeit: Licht rast mit genau 299.792.458 Meter pro Sekunde durchs Vakuum. Würde es die Erde am Äquator mit Maximalgeschwindigkeit umrunden, würde es das in nur einer Sekunde siebeneinhalb Mal schaffen.

In den 24 Stunden, die es in einem Jahr zu Voyager 1 braucht, könnte ein einziges Photon die Erde theoretisch 646.339 Mal umkreisen. Allein dieser Vergleich verdeutlicht die immense Distanz.

So sehen die Voyager-Sonden aus. (Bildquelle: NASA) So sehen die Voyager-Sonden aus. (Bildquelle: NASA)

Die Zwillinge: Voyager 1 und 2

Neben Voyager 1 gibt es noch ihre Zwillingssonde, Voyager 2. Beide wurden 1977, vor beinahe 50 Jahren, gestartet. Ursprünglich hatten sie eine spezielle Mission: Sie sollten die großen Gas- und Eisriesen des äußeren Sonnensystems erkunden: Jupiter, Saturn, Uranus und Neptun.

Ein kleines Paradoxon am Rande: Tatsächlich startete Voyager 2 zuerst, am 20. August 1977, während Voyager 1 knapp einen Monat später, am 5. September 1977, ihre Reise antrat.

Beide Sonden haben die Erwartungen der Forscher und Ingenieure weit übertroffen und befinden sich bereits seit geraumer Zeit im interstellaren Raum. Sie haben die sogenannte Heliosphäre verlassen, jene riesige Blase aus Sonnenwind, die unser Sonnensystem umgibt, und fliegen nun zwischen den Sternen.

Voyager 1 ist dabei mit einer Geschwindigkeit von etwa 61.200 Kilometer pro Stunde (17 Kilometer pro Sekunde) unterwegs.

Diese enorme Geschwindigkeit verdankt sie nicht nur dem initialen Schub der Rakete, sondern auch mehreren geschickt geplanten Fly-by-Manövern (den sogenannten Slingshots oder Gravitationsvorbeiflügen) an Planeten, die sie wie eine Schleuder zusätzlich beschleunigt haben.

Was hält die Voyager-Sonden am Laufen?

Obwohl sie bald ein halbes Jahrhundert unterwegs sind, ist ihre Energiequelle noch nicht erschöpft. Die RTG- oder Radionuklid-Batterie (RTG steht für Radioisotope Thermoelectric Generator) nutzt den radioaktiven Zerfall von Plutonium, dessen Abwärme in elektrische Energie umgewandelt wird.

Um sich an die stetig schrumpfende Energiequelle (circa vier Watt weniger Leistung per anno) anzupassen, wurden in den letzten Jahren zahlreiche Systeme abgeschaltet.

Dennoch ist klar: Irgendwann in den 2030er-Jahren werden die Batterien nicht mehr genug Leistung aufbringen, um die Sonden weiterzubetreiben und kritische Systeme zu beheizen.

Was die Zukunft für Voyager 1 und 2 bringt

In etwa 300 Jahren wird Voyager 1 die Oortsche Wolke erreichen. Das ist eine gigantische, kugelförmige Schale aus unzähligen vereisten Objekten, die unser Sonnensystem umgibt.

Sie beginnt erst in etwa 2.000 Astronomischen Einheiten und erstreckt sich schätzungsweise bis auf unglaubliche 100.000 AE (rund 1,6 Lichtjahre). Voyager 1 wird allein für die Durchquerung dieser Wolke voraussichtlich 30.000 Jahre benötigen.

Voyager 2 ist ein wenig langsamer unterwegs (etwa 55.350 km/h) und wird daher länger brauchen, um die letzte Grenze unseres Sonnensystems zu erreichen und zu überwinden.

Dass sie dabei mit einem der kleinen oder größeren Himmelskörper kollidieren und zerstört werden, gilt als höchst unwahrscheinlich, da die durchschnittlichen Abstände zwischen ihnen vermutlich größer sind als die Distanz zwischen Erde und Mars.

Allerdings würden wir es wahrscheinlich ohnehin kaum bemerken, falls es doch kracht. Es sei denn, es gibt uns dann noch und wir senden neue Sonden oder Raumschiffe aus, um die dann antiken Voyager-Zwillinge aus Forschungsgründen zu begleiten.

Mehr als nur Metall: Die Botschaft

Voyager 1 und 2 sind mehr als nur technische Geräte. Sie stehen für das tiefe Verlangen der Menschheit, die Grenze des Bekannten zu verschieben und vielleicht einen Sinn in diesem unermesslich großen Universum zu finden.

Die Goldene Schallplatte (Golden Record), die jede von ihnen mit sich führt, ist dabei eine echte Zeitkapsel. Sie ist womöglich nicht nur als Botschaft an eine mögliche außerirdische Zivilisation gedacht, sondern auch an uns selbst – in einer fernen Zukunft.

Diese Sonden symbolisieren die menschliche Neugier und unsere Zerbrechlichkeit zugleich.

Denn eines ist wohl gewiss: Noch lange, nachdem das letzte Signal bei uns angekommen ist, werden Voyager 1 und 2 auf ihrer ewigen Reise in die Unendlichkeit sein.

Vielleicht sogar noch in Milliarden von Jahren, wenn es uns Menschen sehr wahrscheinlich längst nicht mehr geben wird.

zu den Kommentaren (10)

Kommentare(17)
Kommentar-Regeln von GameStar
Bitte lies unsere Kommentar-Regeln, bevor Du einen Kommentar verfasst.

Nur angemeldete Benutzer können kommentieren und bewerten.