Bei Laptops zeichnet sich ein neuer Trend ab, doch ich glaube nicht, dass das gut geht

Sind die neuen 16-Zoll-Modelle mit 300-Watt-Systemleistung eine Innovation, die das Gaming-Erlebnis revolutionieren kann oder ein Problem, das keiner gebraucht hat?

300-Watt-Systemleistung in einem 16-Zoll-Gehäuse, kann das gut gehen? (Quelle: HP) 300-Watt-Systemleistung in einem 16-Zoll-Gehäuse, kann das gut gehen? (Quelle: HP)

Die CES hat ihre Pforten mittlerweile ja wieder geschlossen. Im Hinblick auf Notebooks haben die Hersteller eine Vielzahl neuer Modelle angekündigt, 2026 dürfte also nicht langweilig werden.

Neben dem ungewöhnlichen Lenovo Legion Pro Rollable mit seinem horizontal ausfahrbaren Display, ist mir vor allem ein aufkommender Trend aufgefallen, von dem ich aktuell noch nicht weiß, was ich davon halten soll. Die Rede ist von 16-Zoll-Laptops, die eine Systemleistung von 300 Watt haben.

Sven Scharpe
Sven Scharpe

Sven ist seit Oktober 2024 Teil der GameStar-Tech Redaktion. Er ist ausgebildeter Fachinformatiker und war unter anderem bei Heise und ComputerBase als Redakteur tätig. Neben Musik der etwas härteren Art hat er auch privat ein ausgeprägtes Faible für technische Geräte, egal ob Laptop, Smartphone oder ganz normale PC-Hardware.

300 Watt Systemleistung: Was bedeutet das überhaupt?

Sowohl Prozessor als auch Grafikkarte verbrauchen viel Strom. Ich nehme hier exemplarisch mal den beliebten Intel 275HX Prozessor. Die CPU hat laut Hersteller eine Grundleistungsaufnahme von 55 Watt. Diese werden im Mittel bei komplexen Rechenoperationen verbraucht. Jetzt ist es so, dass moderne CPUs häufig über sogenannte Effizienz- und Performance-Kerne verfügen, die unterschiedlich hoch takten. 

Sieht von außen relativ unspektakulär aus, soll aber eine Systemleistung von 300 Watt in einem 16-Zoll-Gehäuse bieten. (Quelle: HP) Sieht von außen relativ unspektakulär aus, soll aber eine Systemleistung von 300 Watt in einem 16-Zoll-Gehäuse bieten. (Quelle: HP)

Um die Sache etwas zu vereinfachen, beschränke ich mich in diesem Beispiel auf die Performance-Kerne. Diese takten im Mittel mit maximal 2,7 GHz bei der erwähnten Grundleistungsaufnahme. 

Um mehr Leistung aus dem Prozessor zu quetschen, hat Intel den Turbo implementiert, das bedeutet, dass die CPU eine höhere Taktfrequenz erreichen kann, solange bestimmte Grenzen bei Temperatur und Spannung nicht überschritten werden. Im optimalen Fall kann ein Intel 275HX 160 Watt verbrauchen und einen maximalen Takt von 5,4 GHz erreichen. 

Auch MSI setzt beim kürzlich vorgestellten Raider auf 300-Watt-Systemleistung. (Quelle: MSI) Auch MSI setzt beim kürzlich vorgestellten Raider auf 300-Watt-Systemleistung. (Quelle: MSI)

Bei einer Grafikkarte läuft das im Detail etwas anders, das grundsätzliche Prinzip ist aber ähnlich. Die RTX 5090 darf sich laut Nvidia inkl. Dynamic Boost maximal 175 Watt genehmigen. Der Takt, mit der die GPU rendert, wird kontinuierlich überwacht und bei zu hohen Temperaturen angepasst. Wird die Temperatur zu hoch, sinkt der Takt. 

Mehr Takt = mehr Leistung

Damit ein Intel 275HX Prozessor und eine mobile RTX 5090 Grafikkarte am Limit betrieben werden können, wäre eine Systemleistung von 335 Watt erforderlich. Also noch einmal 35 Watt mehr als aktuell MSI und HP bei ihren neuen Boliden angekündigt haben. Wichtig ist, dass die maximalen Taktfrequenzen bei aktuellen Laptops in der Regel nur relativ kurz gehalten werden. Das heißt im Umkehrschluss, dass in jedem modernen Gaming-Laptop noch Leistungsreserven schlummern.  

Und genau die wollen Hersteller wie HP und MSI nun anzapfen. Im Idealfall könnten durch ein sehr leistungsfähiges Kühlsystem die dauerhaft anliegenden Taktfrequenzen höher ausfallen. Damit einhergehend wäre dann natürlich auch die Leistung höher. Wie sich das am Ende in FPS umrechnen lässt, ist ohne Test schwer vorherzusagen. 

Das ist das Kühlsystem des Alienware Area 51. Kaum vorstellbar, dass etwas vergleichbares auch in einem 16-Zoll-Gehäuse Platz finden soll. Das ist das Kühlsystem des Alienware Area 51. Kaum vorstellbar, dass etwas vergleichbares auch in einem 16-Zoll-Gehäuse Platz finden soll.

Wie wollen die Hersteller die Reserven freilegen?

Viele Möglichkeiten gibt es da meiner Meinung nach nicht. Mir ist bisher nicht zu Ohren gekommen, dass es eine neue revolutionäre Kühltechnologie gibt, insofern rechne ich mit einer Vapor-Chamber und den üblichen Lüftern. Zumindest MSI hat angekündigt, dass das Kühlsystem noch einen dritten Lüfter bekommt. 

Bisher war das Lenovo Legion Pro 7 im Extreme-Mode mit 280 Watt an der Spitze der 16-Zoll-Notebooks, die angekündigten Geräte können entsprechend noch einmal 20 Watt mehr verbrauchen.

Um diese 300 Watt dauerhaft verlässlich abführen zu können, besteht die Möglichkeit, die Vapor-Chamber und die Kühlkörper zu vergrößern und natürlich die Umdrehungsgeschwindigkeit der Lüfter zu erhöhen. Bei den Produktvorstellungen war auch die Rede von Phase-Change-Wärmeleitpaste. Die ist zwar konventioneller Wärmeleitpaste deutlich überlegen, hat aber eine schlechtere Wärmeleitfähigkeit als Flüssigmetall.

Und wo liegt jetzt das Problem? 

Nehmen wir mal das Aorus Master 18 als Beispiel. Dieses leistungsstarke Gaming-Notebook bietet eine Systemleistung von immerhin 270 Watt. Als CPU kommt ein Intel 275HX und als GPU eine RTX 5090 zum Einsatz. 

Temperaturen
Aorus Master 18

  • °C
CPU Idle
49
CPU Load
96
GPU Idle
48
GPU Load
69
SSD 1 Idle
33
SSD 1 Load
33
SSD 2 Idle
35
SSD 2 Load
44
  • 0
  • 20
  • 40
  • 60
  • 80
  • 100

Oberflächentemperaturen
Aorus Master 18

  • °C
Handballenauflage
31,5
Tastatur links
30,5
Tastatur Mitte
34,1
Tastatur rechts
32,1
Oberhalb der Tastatur
41,6
Boden
30,4
  • 0,0
  • 10,0
  • 20,0
  • 30,0
  • 40,0
  • 50,0

Lautstärke
Aorus Master 18

  • Dezibel
Aorus Master 18 Idle
36,5
MSI Raider 18 HX Idle
36,8
Aorus Master 18 Load
61,6
MSI Raider 18 HX Load
55,8
  • 0,0
  • 14,0
  • 28,0
  • 42,0
  • 56,0
  • 70,0

Die Temperaturen fallen bei diesem Gerät grundsätzlich ziemlich gut aus, trotzdem wird die CPU unter Last schon 96 °C warm. Das ist zwar völlig unbedenklich, viel Luft nach oben ist allerdings nicht mehr. Dazu kommt, dass der maximal mögliche Takt von 5,4 GHz nicht gehalten werden kann.

Noch viel interessanter ist allerdings die Lautstärke: Das Aorus Master 18 erreicht unter Dauerlast über 61 Dezibel, was nicht nur sehr unangenehm ist, sondern auch deutlich lauter als vergleichbare Gaming-Laptops ist.

Und jetzt kommt der entscheidende Faktor, das Master 18 ist ein fettes 18-Zoll-Notebook. MSI und HP planen 16-Zoll-Geräte mit 300-Watt-Systemleistung! Das bedeutet, dass das Gehäuse noch einmal deutlich kleiner ist und somit weniger Platz für die Kühlung zur Verfügung steht, falls die Chassis nicht dick wie ein Reisekoffer werden. Leider habe ich kein Lenovo Pro 7 hier, um zu testen wie es sich mit 280 Watt verhält.

Meine Prognose

Aktuell haben HP und MSI 16-Zoll-Rechner mit einer Systemleistung von 300 Watt angekündigt, andere Hersteller werden folgen. Ich sage es so, wie es ist, ich halte von diesem Trend nichts. Klar, eine endgültige Aussage kann erst getroffen werden, wenn ein solcher Laptop bei mir im Test war, aber ich habe bei der Sache kein gutes Gefühl.

Spannend wäre es gewesen, wenn die Hersteller die TGP der Grafikkarte zum Beispiel auf 200 Watt erhöht hätten, aber da wird wohl Nvidia nicht mitspielen. So geht alles oberhalb von 175 Watt an die CPU, was gerade beim Spielen keinen wirklichen Vorteil mehr bringt.

Für mich steht bereits jetzt schon fest, dass entsprechende Gaming-Notebooks vermutlich sehr laut werden. Gewünscht hätte ich mir eigentlich leistungsstarke Laptops, die endlich mal leiser werden. Aber wer weiß, vielleicht hauen mich die Hersteller ja auch völlig aus den Schlappen und ich muss meine Meinung revidieren. Wünschen würde ich mir das, daran glauben tue ich aber nicht.

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