Ist der TV-Kauf die falsche Entscheidung? Selbst mein 15 Jahre alter Full-HD-Fernseher zeigt, dass Beamer immer noch ihre Schwächen haben

Im Praxisduell treten ein teurer 4K-Beamer, ein viel günstigerer Full-HD-Beamer und mein alter Fernseher gegeneinander an.

Auch im Jahr 2026 gilt, dass der Kauf eines Beamers statt eines TVs nur unter bestimmten Bedingungen sinnvoll ist. Auch im Jahr 2026 gilt, dass der Kauf eines Beamers statt eines TVs nur unter bestimmten Bedingungen sinnvoll ist.

Wer ein möglichst großes Bild haben möchte, findet in Beamern eine potenzielle Alternative zum klassischen Fernseher. So kann daheim echtes Kino-Feeling aufkommen.

Im Praxisvergleich mit meinem sehr alten Fernseher wird aber deutlich, dass auch 2026 längst nicht jeder mit einem Beamer glücklich wird, selbst wenn es ein teures 4K-Modell ist.


Video starten 9:14 Mini-Beamer mit Kino-Feeling - Das kann der BenQ GV50 wirklich


Die Testkandidaten im Überblick

Die Duellanten sind in diesem Fall der MP1 Max von Dangbei, (4K via Pixel Shift), der Boom mini von Aurzen (Full HD) und der 46PFL7605H von Philips aus dem Jahr 2011 (ebenfalls Full HD) .

Neben den gravierendsten Unterschieden in Form des Preises (ca. 1.900 Euro vs. ca. 350 Euro im Falle der Beamer) und der darstellbaren Auflösung (3840x2160 vs. 1920x1080) sticht ein weiteres Merkmal beim Blick auf die Daten hervor: die maximale Helligkeit.

Hier erreicht der teure 4K-Beamer laut Hersteller bis zu 3.100 ISO-Lumen, während es im Falle des Boom mini nur 500 ANSI-Lumen sind. ISO-Lumen sind im Vergleich zu ANSI-Lumen der unter enger gefassten Bedingungen und damit auch der genauer ermittelte Wert.

Der Philips-TV kommt auf 450 cd/m². Die Helligkeitsangabe bei Fernsehern in cd/m² ist aber nicht direkt mit den Angaben von Beamern vergleichbar, auch da die tatsächliche Helligkeit hier unter anderem von der Größe der Projektionsfläche abhängt, während ein TV eine fixe Größe besitzt.

Dangbei MP1 MaxAurzen Boom miniPhilips 46PFL7605H
Darstellbare Auflösung3840x21601920x10801920x1080
Native Auflösung1920x10801920x10801920x1080
TypDLP (Triple-Laser + LED-Hybrid)LCD (LED)LCD (Edge Lit)
Helligkeit laut Hersteller3.100 ISO-Lumen500 ANSI-Lumen450 cd/​m²
Diagonale (max./empfohlen)300 Zoll / 80 - 200 Zoll200 Zoll / 60 - 120 Zoll46 Zoll
BesonderheitenGoogle TV, 3D readyGoogle TVAmbilight
Gewicht5,6 Kilogramm3,48 Kilogramm20 Kilogramm
Preisca. 1.900 Euroca. 350 Euronicht mehr erhältlich

Schon der Größenunterschied macht deutlich, dass es sich bei den Beamern (bewusst) um ein ungleiches Duell handelt. Schon der Größenunterschied macht deutlich, dass es sich bei den Beamern (bewusst) um ein ungleiches Duell handelt.

Teuer gegen günstig: Die Bildqualität im Vergleich

Für alle Vergleichsbilder aus diesem Artikel gilt, dass sie unter möglichst identischen Voraussetzungen entstanden sind.

Das heißt: bei gleichen Lichtverhältnissen, Kameraeinstellungen wie dem ISO-Wert, Abstand der Beamer zur Wand und so weiter. Außerdem kamen jeweils die Standardeinstellungen der Modelle zum Einsatz, mit Ausnahme der manuellen Optimierung der Bildschärfe und der Angleichung der Bildgröße.

Dunkle Umgebung

Beginnen wir mit einer Gegenüberstellung der beiden Beamer unter besonders günstigen Bedingungen für sie, sprich: Der Raum ist komplett abgedunkelt:

Die Farbdarstellung ist im Praxiseinsatz nicht so unterschiedlich, wie die Kamera es hier einfängt. Entscheidender ist aber ohnehin der große Abstand bei der Helligkeit, der sowohl auf den Fotos als auch bei mir daheim sehr deutlich wird.

Auch hier gilt zwar, dass es in der Realität etwas besser als auf den Fotos aussieht. Die Helligkeit des Aurzen-Beamers ist also in meinen Augen absolut ausreichend in dunkler Umgebung. Dennoch fällt die Diskrepanz zwischen den beiden Beamern wenig überraschend groß aus.

In einer sehr dunklen Szene gilt das ebenso, auch wenn der Unterschied hier nicht ganz so deutlich hervortritt:

Zum Vergleich seht ihr unten die gleiche Szene auf meinem Full-HD-Fernseher mit LC-Display.

Auch in diesem Fall kommt es nicht überraschend, dass man auf dem klassischen TV trotz der sehr dunklen Szene im Vergleich mit den Beamern die meisten Details erkennen kann.

Während bei Beamern das Licht über eine variable Distanz auf eine Projektionsfläche mit anpassbarer Größe strahlt, befinden sich die Lichtquelle und die Bildfläche beim Fernseher in unmittelbarer Nähe zueinander, was Helligkeitsverluste minimiert.

Helle Umgebung

Wechseln wir zu der schwierigen Disziplin der Darstellung bei Tageslicht, tut sich auch der sehr teure Beamer eher schwer.

In der hellen Szene geht das Bild noch in Ordnung, auch wenn es bereits deutlich blasser wirkt und die Kontraste stark abnehmen (bei einem weiterhin klar höheren Niveau als im Falle des Aurzen-Beamers):

Aber wenn es im Film oder der Serie dunkel wird, macht es mir bei diesen Lichtverhältnissen auch mit dem Dangbei-Beamer nicht mehr viel Spaß, fernzusehen.

Dabei war es zu der Zeit meiner Aufnahmen draußen sogar bewölkt. Herrscht dagegen strahlender Sonnenschein, verschlechtert sich die Lage nochmals.

Auch in diesem Fall schneidet mein alter Fernseher sehr gut ab. Er hat erwartungsgemäß deutlich weniger mit der hellen Umgebung zu kämpfen.

Da das Display matt statt glänzend ist, kommen mir auch störende Reflexionen hier nicht zu stark in die Quere:

Nahaufnahmen

Durch die unterschiedliche darstellbare Auflösung der Beamer ist ein genauerer Blick auf die Bildschärfe außerdem mehr als nur einen Blick wert.

Was in den folgenden Nahaufnahmen bereits klar rüberkommt, wird bei eigenem Anblick des gesamten Bildes nochmal deutlich wichtiger. Die Schärfe des teuren 4K-Beamers liegt weit über der des vergleichsweise günstigen Full-HD-Modells, wie es auch sein sollte:

Treten die beiden Beamer im folgenden Vergleich einer Nahaufnahme gegen den TV an, hat er in der dunklen Szene einmal mehr die Nase vorn.

Ebenfalls ein wichtiger Faktor im Hinblick auf die Bildschärfe: Der teure Beamer kommt deutlich besser damit zurecht, weiter weg von der Wand aufgestellt zu werden, ohne zu viel Darstellungsqualität einzubüßen.

Gleichzeitig ermöglicht er so auch ein insgesamt größeres Bild bei weiter hoher Qualität, auch wenn ich mich für diesen Vergleich auf die Gegenüberstellung bei identischer Bildgröße entschieden habe.

Wie groß ist der Unterschied bei der Lautstärke?

Immens! Der Dangbei-Beamer bleibt selbst bei maximaler Helligkeit angenehm ruhig mit einem Wert von 37,1 dB(A) aus circa 30 Zentimetern Entfernung.

Es gibt zwar eine Sonderoption für einen zusätzlichen Helligkeits-Boost, mit der es deutlich lauter wird. Sie ist in meinen Augen aber ohnehin nicht wirklich sinnvoll, weil die Farben dann verfälscht dargestellt werden.

Der Aurzen-Beamer bleibt dagegen selbst im Eco-Modus nicht wirklich leise mit 41,9 dB(A). Im Standardmodus sind es nochmal deutlich lautere 46,4 dB(A) und mit maximaler Helligkeit verwandelt sich der Mini boom endgültig zum Fön bei 51,8 dB(A).

Der Fernseher ist im Betrieb zu guter Letzt lautlos, auch in dieser Disziplin schlägt er die Beamer-Konkurrenz also locker.

Fernbedienungen Aurzen setzt bei der Fernbedienung größtenteils auf Plastik, die Funktionalität stimmt aber (oben). Das Modell von Dangbei fühlt sich deutlich wertiger an (unten). Das Bedienen von Fire TV Stick & Co. ist mit beiden Beamern über die eigene Fernbedienung möglich.

Anschlüsse Auch bei den Anschlüssen ist Dangbei im Vorteil. Sie sind alle an der Rückseite untergebracht. Beim Aurzen finden sie sich dagegen an der Seite, was eine elegante Kabelführung erschweren kann. Außerdem stört die (nicht abnehmbar) Abdeckung.

Fazit der Redaktion

Nils Raettig: Ein günstiger Full-HD-Beamer schneidet schlechter ab als ein teures 4K-Modell und ein Fernseher kann immer noch klare Vorteile gegenüber Beamern haben, vor allem beim Einsatz in heller Umgebung? Welche Überraschung, Nils!

Entscheidend war für mich bei dieser Gegenüberstellung aber nicht, dass es einen großen Unterschied gibt, sondern wie groß genau er ausfällt und wie relevant er im Alltag ist – und hier habe ich keine völlig eindeutige Erfahrung gemacht.

Einerseits empfinde ich vor allem die höhere Bildschärfe und die deutlich geringere Lautstärke im Betrieb des Dangbei-Beamers als gravierende Vorteile gegenüber dem Aurzen-Modell. Der Fernseher ist gleichzeitig zwar weitgehend lautlos, aber er hat dafür nur ein wesentlich kleineres Bild zu bieten.

Andererseits bekommt auch der teure 4K-Beamer in heller Umgebung immer noch klar seine Probleme. Und wenn es primär darum geht, Spaß mit einem großen Bild zu haben, klappt das für mich auch mit dem 350-Euro-Beamer durchaus schon sehr gut.

Zugegeben, nachdem ich einmal die deutlich höhere Schärfe des 4K-Beamers und die riesige Bildfläche in Aktion gesehen habe, fällt es mir schwer, mich nicht daran zurückzuerinnern, wenn ich mit dem unschärferen Full-HD-Beamer oder dem deutlich kleineren Fernseher Filme und Serien schaue.

Dennoch ist der Kauf eines Fernsehers für viele sicher immer noch die beste Entscheidung, da er im Gegensatz zu Beamern auch für den Einsatz in helleren Umgebungen gedacht ist, kaum Lautstärke erzeugt und die Handhabung inklusive der Aufstellung generell einfacher ist.

Das muss mich aber nicht davon abhalten, weiter von einem eigenen Mini-Kino mit 4K-Beamer daheim zu träumen. Irgendwann, irgendwann ist es soweit...

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