Handys sind teuer – und werden immer teurer.
Für meinen Job stehe ich deswegen immer vor der Frage, ob sich ein Kauf lohnt oder nicht. Das gilt vor allem für die ganz neuen Flaggschiffe, bei denen ein vierstelliger Preis längst zur Norm gehört.
Doch was ist eigentlich mit dem anderen Ende des Spektrums? Smartphones sind technologisch so weit fortgeschritten, dass selbst Handys mit einem zweistelligen Preisschild gut genug sein müssten, oder?
Oder?
Ich habe das Blackview Wave 2C ausprobiert: Ein Android-16-Handy für gerade einmal 80 Euro. Meine vier Wochen damit haben sich fast schon wie eine Zeitreise angefühlt – im guten und schlechten Sinne.
Kompakt-Smartphones – es gibt sie noch!
Kleine Handys sind zwar seltener geworden, allerdings sind sie keineswegs komplett von der Bildfläche verschwunden.
Das Blackview Wave 2C besitzt ein 5-Zoll-Display, was für heutige Verhältnisse geradezu winzig ist. Vor vielen Jahren wurden solche Handys noch als »Phablet« bezeichnet (also eine Mischung aus den englischen Worten »Phone« und »Tablet«).
Das Handy passt somit problemlos in die meisten Hosentaschen und kann einfach mit einer Hand bedient werden.
Der Bildschirm ist gerade so ausreichend
Beim Bildschirm des Wave 2C wirkt nicht nur das Design mit den breiten Display-Rändern oben und unten aus der Zeit gefallen.
Das Display ist mit einer Pixeldichte von 196 ppi (480 x 854 Pixel) noch scharf genug, um kleineren Text zu lesen, allerdings sind bei naher Betrachtung einzelne Pixel erkennbar. Die Helligkeit von gerade einmal 400 Nits ist nicht hoch und an besonders sonnigen Tagen, habe ich mir definitiv mehr gewünscht.
Obwohl OLED-Bildschirme inzwischen bei günstigen Handys angekommen sind, wäre eines bei einem 80-Euro-Gerät viel zu viel verlangt. Hier ist ein IPS-LCD verbaut und das ist auch in Ordnung.
Drei Features, die selbst die teuersten Handys nicht besitzen
Dieses günstige Handy hat sogar drei Features, die man vergeblich bei teuren Flaggschiffen sucht.
Ohne Werkzeug tauschbarer Akku: Die Rückseite des Handys lässt sich einfach abnehmen, da sie nur mit Kunstoff-Clips befestigt ist. Der Akku lässt sich einfach herausnehmen und gegen einen anderen tauschen; genau wie in alten Zeiten.
Erweiterbarer Speicher: Dieses Feature findet ihr ironischerweise nur noch bei sehr günstigen Smartphones wie diesem. Offen gesagt ist das beim Blackview Wave 2C auch eher notwendig, da der interne Speicher nur 32 GB beträgt. Eine microSD-Karte solltet ihr also in den Kaufpreis einberechnen, wenn ihr noch keine habt.
3,5mm-Klinke: An der Oberseite findet ihr eine Audioklinke für analoge Kopfhörer. Das Handy erinnert mich damit ein wenig an alte Musik-Player, wie etwa dem iPod touch.
Keine Einschränkungen bei der Software, aber Update-Support ist unklar
Auf dem Handy läuft Android 16 Go. Das ist die schlanke, ressourcenschonende Variante von Googles Betriebssystem, die speziell für günstige Einstiegsgeräte mit schwächerer Hardware entwickelt wurde.
Im Prinzip bekommt ihr hier ein auf das Wesentliche reduziertes Android: Die integrierten Apps verbrauchen weniger Arbeits- und Speicherplatz, während ihr trotzdem uneingeschränkten Zugriff auf den Google Play Store habt.
Alltagsanwendungen wie WhatsApp, Google Maps oder das einfache Surfen im Web funktionieren damit problemlos. Wunder solltet ihr bei der Performance allerdings nicht erwarten; sobald aufwändigere Apps oder echtes Multitasking ins Spiel kommen, stößt das Handy schnell an seine Grenzen (Ruckler und Wartezeiten sind üblich).
Was die Zukunftsfähigkeit betrifft, muss man realistisch bleiben: Bei Geräten in dieser Preisklasse ist der Update-Support erfahrungsgemäß ein Lottospiel. Zwar stellt Google die schlanke Software-Basis bereit, doch ob Blackview dem Wave 2C regelmäßige Sicherheitsupdates oder gar spätere Android-Upgrades spendieren wird, ist völlig unklar.
Kamera mit eingebauten Retro-Filter (gelinde ausgedrückt)
Die Zeitreise setzt sich jenseits vom Bildschirm und dem Design des Handys fort. Die verbaute Kamera – singular, es ist nur eine auf der Rückseite verbaut, obwohl es nicht so aussieht – besitzt eine geringe Auflösung von fünf Megapixeln. Das sind weniger Bildpunkte als aus einem 4K-Video-Frame.
»Das sieht aus, wie als wäre es mit einem Handy aufgenommen worden«, ist ein Satz aus der Vergangenheit, an den ich mich sehr gut erinnern kann; er fiel oft, um Fotos mit schlechter Bildqualität zu beschreiben.
Das Blackview Wave 2C liefert genau solche Fotos. Aber das muss nicht unbedingt schlecht sein. Inzwischen wünschen sich immer mehr Menschen Kameras, die genau solche Lo-Fi-Ergebnisse liefern. Sie bieten einen harten Kontrast zu den sehr scharfen und ki-optimierten Fotos heutiger Smartphones.
Natürlich darf ein Badezimmer-Selfie bei einem Handy mit »Retro«-Fotos nicht fehlen. (Bildquelle: Duy Linh Dinh/GameStar Tech)
Vielleicht rede ich die Bildqualität auch etwas schön, aber ich kann nicht bestreiten, dass die Fotos einen gewissen Charme haben.
Nur eine Sache: Die Fake-Kameras auf der Rückseite müssen doch echt nicht sein? Das Handy hätte meiner Meinung nach, mit nur einer einzigen sichtbaren Kamera auch besser ausgesehen.
Lange Akkulaufzeit – mit langer Ladezeit
Der mitgelieferte Akku hat eine Kapazität von 3.000 Milliamperestunden, der mich locker durch zwei Tage alltäglicher Nutzung gebracht hat.
Es gibt jedoch einen großen Nachteil, den ich von heutigen Smartphones gar nicht mehr kenne: das Fehlen einer Schnellladefunktion.
Das Blackview Wave 2C lädt mit einer Leistung von maximal 5 Watt. Ich habe das Gerät deswegen über Nacht aufgeladen, genau wie in alten Zeiten. Bei neueren Handys ist das nicht mehr zwingend notwendig, da nur wenige Minuten am Kabel für eine volle Ladung ausreicht.
Die langsame Ladegeschwindigkeit hat mich am meisten gestört, da ich das nicht mehr gewohnt war. Wer sich also für dieses Handy entscheidet, sollte diesen Wermutstropfen berücksichtigen. Immerhin ist ein passendes 5-Watt-Ladegerät mitsamt USB-Kabel im Lieferumfang enthalten.
Ich habe über 40 Handys getestet - das sind meine Top 5 mit der besten Akkulaufzeit
Fazit: Ein 80-Euro-Smartphone ist ein altes Handy mit neuer Software
Für wen lohnt sich also diese kleine Zeitreise? Ich sehe den Zweck für das Blackview Wave 2C vor allem bei drei sehr spezifischen Zielgruppen.
- Da wären zum einen Menschen, die ganz bewusst einen Gang zurückschalten wollen: Wer ein Handy nur für das absolut Nötigste braucht und sich an einem »Digital Detox« versuchen möchte. Das Gerät zwingt einen förmlich zur Entschleunigung.
- Zum anderen ist es ein naheliegender Kandidat für Kinder, die ihr allererstes Smartphone bekommen.
- Und auch für ältere Menschen, die einfach nur erreichbar sein wollen und schlichtweg kein kompliziertes Smartphone benötigen, erfüllt es seinen Zweck.
Dass es einen austauschbaren Akku hat, ist dabei ein wirklich schöner Bonus, den ich bei mehr Smartphones sehen möchte.
Allerdings gibt es gerade mit Blick auf die Zielgruppe der Kinder und Senioren einen kleinen Haken: Eine etwas robustere Bauweise mitsamt einem offiziellen Spritzwasserschutz wäre hier sehr wünschenswert gewesen. Ein ungeschickter Moment im Regen oder ein umgestoßenes Wasserglas könnten schnell das Aus für das Gerät bedeuten.
Aber seien wir ehrlich: Für 80 Euro kann ich mich am Ende des Tages wirklich nicht beschweren. Wer seine Erwartungen entsprechend anpasst, bekommt hier genau das: ein funktionierendes, unkompliziertes Smartphone, das weniger als die Hälfte kostet, als das Fotografie-Kit für mein Xiaomi 15 Ultra.

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