Ab Werk verbogene iPads - Support-Webseite spricht von »geringfügigen Abweichungen«

Bei Apple scheint sich ein neuer Shitstorm anzubahnen. Viele der neuen iPad Pro mit 11 oder 12,9 Zoll werden schon verbogen ausgeliefert – laut Apple sei das »normal«.

von Georg Wieselsberger,
07.01.2019 20:06 Uhr

Das Apple iPad Pro wird teilweise leicht verbogen ausgeliefert - laut Apple sei das aber ganz normal. (Bildquelle: Macrumors/User Bwrin1)Das Apple iPad Pro wird teilweise leicht verbogen ausgeliefert - laut Apple sei das aber ganz normal. (Bildquelle: Macrumors/User Bwrin1)

Update, 07.01.2019: Apple hat mittlerweile einen Eintrag auf der offiziellen Support-Webseite veröffentlicht, in dem der Hersteller die gekrümmten iPad-Gehäuse erneut als »normal« bezeichnet. Wie Golem berichtet, bezieht sich Apple in dem Dokument ausschließlich auf das LTE-Modell des iPads, bei dem aufgrund des Herstellungsprozesses »geringfügige Abweichungen« von bis zu 0,4 Milimetern in Bezug auf die Planheit auftreten könnten.

Im gleichen Atemzug erklärt Apple, dass eine derartige Krümmung des iPads keinerlei Auswirkungen auf dessen Haltbarkeit besitze. Auch im Rahmen von langfristigem Gebrauch soll das iPad keine Folgeschäden durch die Krümmung davontragen. Betroffenen Kunden bietet der Hersteller dementsprechend lediglich die Option, das Gerät innerhalb der geltenden, zweiwöchigen Rückgabefrist zurückzunehmen.

Update, 30.12.2018: Michael Gartenberg war früher Senior Marketing Director bei Apple und kennt das Unternehmen daher sehr gut. Er kauft sich auch noch immer Apple-Produkte wie das aktuelle iPad Pro, doch in diesem Fall ist er mit seinem Ex-Arbeitgeber überhaupt nicht zufrieden. Auch sein iPad war laut einer Meldung von Patently Apple deutlich verbogen.

Bei Twitter schreibt Gartenberg, dass es sein mag, dass die Apple-Toleranzen so ein Verbiegen erlauben und er habe auch keine Messungen vorgenommen, aber Toleranzen sollten eigentlich keine so einfach sichtbaren Probleme zulassen. Das sei wie bei defekten Pixeln bei Monitoren.

Tablet-Fail Outtake - Michi lässt das iPad fallen. 0:20 Tablet-Fail Outtake - Michi lässt das iPad fallen.

Update, 23.12.2018: Trotz des allgemeinen Kopfschüttelns auch unter Apple-Fans ändert das Unternehmen seine Meinung zu den bereits leicht verbogen ausgelieferten iPads nicht. Im Gegenteil: Dan Riccio, der Leiter der Abteilung für Hardware-Entwicklung hat gegenüber einem Kunden in einer E-Mail erklärt, dass das Gehäuse der Tablets »alle hohen Qualitätsstandards bei Design und Präzisionsfertigung erreicht oder übertrifft«. Die erlaubten Variationen seien »geringer als vier Blätter Papier«, damit enger gefasst als bei früheren iPad-Generationen und würden die Funktion der Geräte in keiner Weise beeinflussen.

Die Reaktionen darauf, dass Apple ab Werk verbogene iPads weiter verteidigt, sind erwartungsgemäß negativ – auch bei ansonsten überzeugten Apple-Fans. Bei Macrumors haben Kommentare wie »Wenn das die Apple-Standards erreicht oder übertrifft, dann erreichen oder übertreffen Apples Standards meine nicht« oder »Sind die schon so realitätsfremd?« die meiste Zustimmung erhalten.

Originalmeldung, 20.12.2018: Die aktuellen Modelle des iPad Pro mit 11 oder 12,9 Zoll Bildschirmgröße werden laut Berichten von Macrumors oder The Verge bereits ab Werk verbogen ausgeliefert. Das sorgt natürlich nicht für Begeisterung bei Kunden, die sehr viel Geld für die Apple-Tablets ausgegeben haben. Nachdem sich relative viele Betroffene im Internet zu dem Problem geäußert und auch Fotos veröffentlicht hatten, hat sich nun auch Apple selbst zu Wort gemeldet.

Das Unternehmen bestätigte gegenüber The Verge, dass manche der 2018er Modelle des iPad Pro mit einem leicht verbogenen Aluminium-Gehäuse ausgeliefert werden. Aber das sei ein Nebeneffekt der Herstellung der Tablets, sollte sich im Laufe der Zeit nicht verschlimmern und betreffe auch die Leistung des iPad Pro in keiner Weise. Aus diesem Grund sieht Apple hier keinen Defekt.

Es dürfte nicht überraschen, dass Kunden, die bis zu 1.899 US-Dollar oder 1.929 Euro für ein neues iPad Pro ausgegeben haben, nicht glücklich darüber sind, dass Apple ein schon bei Auslieferung verbogenes Gehäuse als normal ansieht. Auch The Verge schreibt, dass selbst ein rein kosmetischer Fehler dieser Art nicht zu Apple passe, die ihren Ruf auch darauf aufgebaut haben, dass die eigenen Produkte zu den am besten und genauesten hergestellten Geräten gehören.

Anscheinend kann man zwar die iPads innerhalb von 14 Tagen nach dem Kauf zurückgeben, doch das hilft Kunden, die das Tablet schon länger besitzen, nicht. Laut Apple gibt es bislang aber nicht mehr Rückgaben als bei anderen Produkten. Im Forum von Macrumors sind selbst Apple-Fans entsetzt über die Reaktion von Apple - auf inzwischen 22 Seiten voller meist sarkastischer Kommentare.

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