Seit Mai letzten Jahres habe ich einige teure Küchengeräte getestet, wie etwa den Thermomix TM7. Spoiler: Bockstarke Geräte – egal, ob da nun Vorwerk, Bosch oder Lidl draufsteht. Euch erwartet hier also kein Schimpf.
Der Durchbruch kam allerdings erst mit einem Airfryer. Jahrelang habe ich mich gegen sie gewehrt und verstehe den Hype jetzt. Ausgerechnet ein Gerät, das 1.450 Euro weniger als der neueste Thermomix kostet, hat bei mir einen Schalter umgelegt.
Meine Erwartungshaltung spielt hier eine maßgebliche Rolle und die Tatsache, dass simpler manchmal besser ist.
Die Erwartungshaltung ist ein Schweinehund
Hinweis: Für diesen Artikel nehme ich der Einfachheit halber den Thermomix als Beispielgerät her. Die Aussagen betreffen aber auch die anderen Allzweckküchengeräte, die ich getestet habe. Versteht den Thermi also bitte als Synonym und nicht als Sündenbock.
Die Aussage gilt freilich nicht nur für teure Geräte, aber hier bellt (oder grunzt?) der Schweinehund am lautesten. Lasst mich eben einen Kommentar von Axol-13 unter oben verlinktem Thermomix-Artikel zitieren, um klarzumachen, was ich meine:
Versteh ich das richtig. Ich nehme meine Kartoffeln aus dem Sack und schmeiße diese ungeschählt zusammen mit Spargel und Schnitzel und Soße in den Topf und am Ende habe ich in einem Schritt gekochte Kartoffel, ein Schnitzel was perfekt gebraten ist und leckeren Spargel mit Soße drauf? Oder ist das nur Augenwischerei und ich muss alles nacheinander machen bzw. während das Ding Kartoffeln kocht muss ich das Schnitzel in der Pfanne braten? Wenn letzteres zutrifft erschließt sich mir der Sinn des Gerätes nicht.
Natürlich ist die Aussage absoluter Humbug, aber ich verstehe, woher sie kommt.
Wenn man sich eine Küchenmaschine für 1.550 Euro auf die Arbeitsplatte stellt, dann hat man extrem hohe Erwartungen – die hatte ich auch.
Und hier kommt der psychologische Winkelzug: Ob die Maschine am Ende ihr Geld wert ist, hängt nicht von ihr ab, sondern von uns und wie wir sie nutzen.
Auf der einen Seite:
- Meine Mutter hat sich ihren Thermi vor 12 Jahren gekauft. Mittlerweile macht sie von Brühpulver über Brotaufstriche und Süßigkeiten bis zu den Sonntagsbrötchen alles selbst. Sie hat sich einfach reingefuchst.
- Lelusa kommentierte unter meinem Thermomix-Arikel: »Ich besitze ihn selber und nutze ihn knapp jeden Tag. Die größeren Kids finden es auch toll etwas damit zu lernen«.
Auf der anderen Seite:
- Ich habe den Thermomix zwar ausgiebig über Wochen getestet – und bin mir sicher, nicht alle Funktionen abgegrast zu haben. Das macht das Gerät nicht schlechter, doch wenn ich viel Geld ausgebe, will ich es vollumfänglich nutzen.
- 5WYR sagte in den Kommentaren: »Wir haben unseren TM nach knapp 3 Jahren verkauft (3-köpfige Familie). Unter dem Strich war es zumindest für uns ein recht überteuertes, hässliches Kombigerät, was sich weniger gut verstauen lässt als andere Utensilien und eben doch nicht alles kann.«
7:00
Thermomix TM7 im Unboxing: So sieht das neue Modell für 1.550 Euro von Vorwerk aus
Das sind nur jeweils zwei Argumente für und gegen ein solch teures Gerät. Dazwischen liegen unzählige Spektren, weil wir alle unterschiedlich kochen und unterschiedliche Ansprüche haben. Von »benutze ich täglich« zu »is’ nur ein glorifizierter Mixer« ist praktisch alles vertreten.
Was uns vermutlich alle eint, ist die Tatsache, dass wir hohe Erwartungen an ein solch teures Gerät haben – die aber nur durch unser Zutun erfüllt oder enttäuscht werden.
Günstiger = niedrigere Hürde – aber nicht wegen des Preises
Ich schrieb in der Einleitung, dass mich ausgerechnet ein Airfryer auf eine weitere Erkenntnis gebracht hat.
Für 6 Wochen hatte ich den Bosch Series 6 in der Küche und die Erkenntnis: Ich benutzte das Gerät sehr viel selbstverständlicher.
- Gemüse garen -> Airfryer
- Reste aufwärmen -> Airfryer
- Brötchen aufbacken -> Airfryer
- Kartoffeln backen -> Airfryer
Mit dem Preis hat das in meinen Augen nichts zu tun. Ja, auf der Straße über Geizhals bekommt man das Gerät für 99 Euro – 94 Prozent weniger als den Thermomix TM7. Doch weder im Preis noch im Funktionsumfang lassen sich diese beiden Geräte vergleichen und das will ich hier auch gar nicht tun.
Und doch griff ich viel öfter wie selbstverständlich zur Heißluftfritte als zum Alleskönner. Daraus habe ich zwei Erkenntnisse gezogen:
- Weil der Airfryer nur eine Funktion richtig gut kann, wusste ich, wann und wofür ich den Stecker in die Steckdose stecke.
- Mein Anspruch an das Gerät war sehr viel niedriger, weil es eben nicht der krasse Überflieger ist und auch gar nicht sein will.
Wahr ist allerdings auch, dass mich die Ergebnisse des Gerätes schlichtweg überzeugt haben, während ich bei Thermomix, Cookit und Monsieur Cuisine oft (nicht immer) dachte: »Das kann ich selbst besser«. Das hängt am Ende aber auch mit meiner Erfahrung zusammen, die freilich nicht jeder mit mir teilt.
Wo sich hohe Preise definitiv auswirken: auf den Konsolenmarkt.
Auf diesem Thema habe ich im Kopf ewig herumgekaut. Nur weil Thermomix, Cookit und Monsieur Cuisine erstklassige Geräte sind, sind sie doch nicht für jeden.
Jeder von uns kocht anders. Ich nutze am liebsten das gute alte Messer und brate in Töpfen und Pfannen. Da habe ich die volle Kontrolle und kann mich gleichzeitig kreativ ausleben. Andere sind froh, wenn ihnen der Thermi einen leckeren Eintopf schmort – und sie tun ja gut daran, dass eine solche Maschine mehrere Geräte obsolet macht.
Für mich persönlich ist klar: lieber die Heißluftfritte als ein All-in-One-Zauberer. Nicht, weil sie nicht hervorragend sind, sondern weil sie für mich persönlich nicht gedacht sind.
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