2 Monate mit meinem ersten Airfryer – Ich verstehe den Hype jetzt

Jahrelang habe ich Airfryer als nutzlos abgetan und mir dann doch mal ein Testgerät besorgt. Ich weiß jetzt: So ein Mini-Ofen ist sehr viel praktischer als ich dachte.

Der Sinn von Heißluftfritteuse hat sich mir jahrelang verschlossen – bis ich eine verwendet habe. (Bildquelle: Maxe S., GameStar) Der Sinn von Heißluftfritteuse hat sich mir jahrelang verschlossen – bis ich eine verwendet habe. (Bildquelle: Maxe S., GameStar)

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Ich muss ein Geständnis ablegen: Ich mag es, mich und meine Glaubenssätze zu herauszufordern – und am liebsten ist mir, wenn ich falschliege.

So geschehen bei Airfryern. In den letzten Jahren hat sich gefühlt jeder und sein Hund eine Heißluftfritteuse zugelegt. Ich dachte immer nur »Hä? Habt ihr keinen Ofen daheim?«. Diese Arroganz hat mich allerdings blind für das große Ganze gemacht.

Durch meinen Langzeittest des Cookit hatte ich einen Kontakt zu Bosch, die mir einen Airfryer zum Testen angeboten haben. Und ich dachte mir: »Also hopp« und habe zugesagt.

Das hier ist kein klassischer Test, sondern die Erfahrungsreise eines Skeptikers, der heute schlauer ist als zuvor. Meine Erkenntnisse teile ich mit euch.

Maxe Schwind
Maxe Schwind

Maxe kocht gerne und oft. Das hat er in die Wiege gelegt bekommen, denn sowohl seine Mutter als auch seine Oma haben in der Küche stets viel am Herd gestanden. Nach und nach testet er sich durch diverse (Hype-)Küchengeräte und will rausfinden, was sich wirklich lohnt.

Zur Einordnung ein paar Worte zu mir: Ob man so ein Küchengerät tatsächlich voll ausnutzt, hängt viel von der Erwartung ab und wie man selbst zum Kochen steht. Ich koche in der Regel an fünf von sieben Tagen in der Woche und das seit Jahren. Ich würde mich selbst als fortgeschrittenen Hobbykoch bezeichnen. Dementsprechend ist diese Kolumne gefärbt. 

Wo ich grundlegend falsch lag

Ich finde den Begriff »Heißluftfritteuse« furchtbar irreführend. Ich habe vom Namen direkt darauf geschlossen, was so ein Gerät wohl kann und was es nicht kann.

Frittiert wird hier nichts, denn am Ende handelt es sich um einen Heißluftofen – und genau hier versteckte sich mein Denkfehler.

»Wieso brauche ich einen kleinen Heißluftofen, wenn ich doch einen großen habe?«

Und auf diesem Hügel war ich bereit, zu sterben. Überraschung: Ein Ofen ist ja nicht gleich ein Ofen, aber das habe ich erst herausgefunden, als ich tatsächlich mit einem Airfryer gekocht habe.

Bevor ich an die Pros und Kontras gehe, findet ihr nachstehend Fakten und Daten zum Bosch Airfryer Serie 6. 

Wissenswertes zum Test
So habe ich getestet

Der Bosch Airfryer Serie 6 steht seit etwas mehr als 2 Monaten auf der Arbeitsplatte in meiner Küche.

Spezifikationen
  • Kapazität: 7,2 Liter Garraum (laut Bosch für bis zu 5 Portionen)
  • Leistung: 1.800 Watt
  • Temperaturbereich: 40 bis 200 °C
  • Programme: 8 Automatikprogramme (Pommes, Geflügel, Fleisch, Fisch, Gemüse, Brot, Gebäck, Warmhalten)
  • Bedienung: Touchscreen / Touch Control
  • Körbe: 1 Garbehälter
  • Heizsystem: Oberhitze mit Heißluftzirkulation
  • Abmessungen (H x B x T): 314 × 309 × 388 mm
  • Gewicht: ca. 5,7 kg
Preis und Verfügbarkeit

Der Bosch Airfryer Serie 6 ist für 199 Euro (UVP) erhältlich. Auf der Straße kriegt ihr das Modell für rund 130 Euro.

Airfryer: Das hat mir gefallen

Ein Disclaimer vorweg: Die meisten meiner Fürs und Widers lassen sich generell auf Airfryer beziehen und sind nicht mit dem Bosch Serie 6 verheiratet.

Bräunt sehr viel besser als ein Ofen

Das hier vielleicht die wichtigste Erkenntnis aus zwei Monaten Test. Die Annahme, eine Luftfritte sei auch nur ein Heißluftofen, ist nämlich falsch.

  • Pommes werden knuspriger
  • Aufgewärmte Pizza schmeckt besser
  • Gemüse ist schneller gar
  • Speisen benötigen weniger Öl

Warum ist das so? Das hängt an mehreren Faktoren.

  • Stärkerer Luftstrom. Die Luft im Airfryer zirkuliert deutlich schneller als im Ofen. Physikalisch vereinfacht ausgedrückt bedeutet das, dass mehr Wärme pro Sekunde an das Gargut abgegeben wird. Dadurch verdampft Feuchtigkeit schneller, wodurch die Maillard-Reaktion (also die Bräunung von Fleisch, Kartoffeln und so weiter) effizienter abläuft.

Pommes werden gleichmäßiger braun und brauchen deutlich weniger Zeit beim Backen. (Bildquelle: Maxe S., GameStar) Pommes werden gleichmäßiger braun und brauchen deutlich weniger Zeit beim Backen. (Bildquelle: Maxe S., GameStar)

  • Kleinerer Garraum. Ein großer Backofen muss, je nach Größe, 50 bis 70 Liter erhitzen, bei Airfryern ist das meist nur rund ein Zehntel. Kurzum: Das Hitzeprofil im Innenraum bleibt gleichmäßig.
  • Gargut ist näher am Heizelement. Auch das liegt an der Größe. Das hat ungefähr denselben Effekt, wie wenn ihr im Ofen die Grillfunktion nutzt. Das Ergebnis: schnellere Bräunung, kürzere Garzeiten, stärkere Röstaromen. Es gibt sogar extra flache Airfryer, um diesen Effekt noch zu verstärken.
  • Korb verbessert die Luftzirkulation. In den Einlegeböden der Körbe sind Löcher, wodurch die Luft auch von unten an das Essen gelangen kann. Bei einem Backblech ist das nicht der Fall.

Die Physik hat mich also Lügen gestraft. Nur weil Ofen und Airfryer auf dem Papier gleich funktionieren, sind die Ergebnisse nicht identisch. Natürlich gibt es Dinge, die ein Ofen besser kann, wie Kuchen, Brote oder Aufläufe (von der schieren Größe mal ganz abgesehen).

Extrem gut beim Wiedererhitzen

Auch hier schlägt die Physik uns wieder ein Schnippchen. Durch die oben genannten Punkte wird Essen, das ich durch den Airfryer erneut erhitzt habe, teilweise besser als beim ersten Kochgang.

Altes Brot oder Brötchen halte ich unter den Wasserstrahl, haue sie ins Garkörbchen und binnen 10 Minuten habe ich sakrisch knusprige Aufbackware, die noch besser schmeckt. Das funktioniert auch im Ofen, klar, aber durch die stärkere und schnellere Hitze verdampft das Wasser rasend schnell und frischt die ollen Brötchen auf.

Mein Highlight war Pizza. Versteht mich nicht falsch, ich liebe kalte Pizza und dazu einen heißen Kaffee, aber zwei Stücke im Airfryer aufgewärmt schmecken sie besser als frisch geliefert (oder gebacken).

Hähnchenbrust aus der Heißluftfritte ist ein wenig tricky, hier musste ich mit dem Thermometer arbeiten, aber das Endergebnis war sehr lecker. (Bildquelle: Maxe S., GameStar) Hähnchenbrust aus der Heißluftfritte ist ein wenig tricky, hier musste ich mit dem Thermometer arbeiten, aber das Endergebnis war sehr lecker. (Bildquelle: Maxe S., GameStar)

Kinderleicht im Umgang

Das Ding ist ein Ofen, in den ich einen Korb schiebe. Garzeit und Temperatur einstellen, fertig. 

Ist das ein Grund, einen Airfryer zu kaufen?

Nein, aber die Hürde, einen zu nutzen, ist sehr viel niedriger. Und das bringt mich zum nächsten Punkt, wofür diese Erkenntnis wichtig ist.

Der Boscher Serie 6 ist quadratisch, praktisch, gut. (Bildquelle: Maxe S., GameStar) Der Boscher Serie 6 ist quadratisch, praktisch, gut. (Bildquelle: Maxe S., GameStar)

Niedrigere Hemmschwelle bei der Nutzung

Bevor ich mir einen Airfryer auf die Küchenarbeitsplatte geflanscht habe, standen da vorher ein Thermomix, Cookit und Monsieur Cuisine. Das sind drei absolut potente Küchengeräte, die man in ihrer Gänze vermutlich niemals ganz ausreizt.

Ich will hier keinen Airfryer mit solchen Allzweckmaschinen vergleichen, das geht gar nicht. Ich habe aber bei mir selbst gemerkt, wie viel selbstsicherer ich mit dem Heißluftfritteuse umgegangen bin – und ich bin jemand, der nahezu täglich kocht.

Mein Anspruch an das Gerät war niedrig, aber dadurch hat sich ein viel größerer Aha-Effekt eingestellt. Vom Thermomix erwarte ich, dass er mir – überspitzt gesagt – ein ganzes Gericht zubereitet. Die Fallhöhe ist enorm. Im Umkehrschluss habe ich mit der Fritte die Erfahrung gemacht, dass die Ergebnisse sehr viel besser sind, als ich erwartet habe – und das, obwohl sie nicht mehr kann, als heiße Luft zu wälzen.

Kurz und gut: Obwohl ich nichts erwartet habe, wurde ich überrascht, weil ich auf einmal Essen auf dem Teller hatte, das mir besser geschmeckt hat.

Küche wird nicht so heiß

So ein großer Ofen braucht Energie und entwickelt im Zuge dessen auch Hitze. Im Winter ist das ganz nett, aber wenn im Sommer der Planet brennt, dann flüchte ich aus der Küche.

Ja, die Heißluftfritte wird auch heiß, aber erstens läuft sie nicht so lang wie ein Ofen, und zweitens besitzt sie ein deutlich niedrigeres Volumen. Dadurch stößt sie weniger Hitze aus.

Das ist sicherlich kein Kaufgrund, aber ein netter Nebeneffekt.

Verbraucht weniger Energie als ein herkömmlicher Ofen

Den größten Pluspunkt habe ich mir bis zum Schluss aufgehoben, auch, weil er mit Kochen nicht viel am Hut hat.

Ich (Zwei-Personen-Haushalt) spare mit dem Airfryer so viel Energie – und das zusätzlich zum Fakt, dass ich in der Regel besseres Essen bekomme.

Ich stelle das für euch mal anhand 500 Gramm Tiefkühlpommes gegenüber. Ich rechne mit einem aktuellen, durchschnittlichen Strompreis von 0,35 Euro pro kWh.

  • Backofen (ca. 60 Liter Fassungsvermögen) aus dem Jahr 2013
    • Leistung: Ca. 3.000 W 
    • Energieverbrauch: 1 kWh
    • Laufzeit: ca. 35 Minuten (inkl. Vorheizen nach Packungsanleitung)
    • Stromkosten: ca. 0,35 Euro pro Durchgang
  • Bosch Series 6 (7,2 Liter)
    • Leistung: Ca. 1.800 W 
    • Energieverbrauch: 0,3 kWh
    • Laufzeit: ca. 20 Minuten (kein Vorheizen nötig)
    • Stromkosten: ca. 0,09 Euro pro Durchgang

In diesem Szenario liegt der Energieverbrauch des Airfryers im Vergleich zum Backofen um rund 70 Prozent niedriger – das ist verdammt ordentlich.

Bevor ihr direkt zu den Kommentaren scrollt: Ja, das Thema Portionsgröße gehe ich bei den Kontrapunkten noch an. Und ja, ich mache nicht nur Pommes im Airfryer, die dienen mir nur als gängiges Beispiel.

Fakt ist aber, dass gerade für kleine Haushalte, die mit kleineren Mengen hantieren – nicht nur Pommes, sondern auch Aufbackbrötchen, Gemüse oder was man sonst so in den Ofen schmeißt – extrem profitieren. 

Das liegt nur zum Teil an den Energiedaten des Geräts. Allein schon die Tatsache, dass ein Airfryer deutlich kürzer läuft, weil der Backvorgang schneller vonstatten geht, spricht für die Energiebilanz eines solchen Geräts.

Auf der nächsten Seite erfahrt ihr, wo Airfryer meiner Erfahrung nach definitiv den Kürzeren ziehen.

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