Es ist bemerkenswert, wie das Festhalten an Traditionen auf dem Automobilmarkt mittlerweile als Bruch mit dem Status quo gilt. Was bis vor Kurzem noch als selbstverständlich galt und über Jahrzehnte hinweg die Norm war, schwimmt heute gegen den Strom.
Einer der Verantwortlichen, der die Dinge wieder wie früher anpacken möchte, besetzt eine Schlüsselposition bei einer der traditionsreichsten Marken der Automobilgeschichte.
Die Rede ist von Alejandro Mesonero-Romanos – und er hat eine unmissverständliche Haltung dazu, was mit Displays im Cockpit geschehen sollte.
»Wer große Displays will, soll etwas anderes kaufen«
Direkt und ohne Umschweife: So äußerte sich Alejandro Mesonero-Romanos im Gespräch mit Autocar und bezog eindeutig Stellung gegen überdimensionierte Displays und deren dominierende Rolle im Fahrzeuginneren.
»Ich bin mir bewusst, dass ein großer Teil des Publikums große Bildschirme will, aber dann sollen sie keinen Alfa kaufen, sondern etwas anderes.«
Für ihn bieten Bildschirme im Stand zwar einen gewissen Mehrwert, während der Fahrt lenken sie jedoch vor allem ab.
Dieser Artikel stammt im Original von unserer spanischen Schwesterseite Xataka und erscheint bei GameStar Tech in übersetzter und angepasster Form.
Weniger Bildschirm, mehr Bedienung
Über die künftige Strategie von Alfa Romeo im Umgang mit Bildschirmen fand der Designer deutliche Worte:
»Lasst uns die Displays loswerden.«
Gemeint ist nicht das vollständige Verschwinden aller Bildschirme, sondern das Ende großer, dauerhaft sichtbarer Touchscreens. Ein Infotainment-Display soll weiterhin existieren, aber nur bei Bedarf sichtbar sein.
»Ich möchte ein Infotainment-Display, aber ich will nicht, dass es die ganze Zeit an ist. Deshalb will ich es verstecken.«
Bereits das Konzeptfahrzeug Cuorerosso, das auf dem Pariser Autosalon enthüllt wurde und einen Ausblick auf die Zukunft der Marke geben soll, begnügt sich beim Kombiinstrument mit lediglich zwei Rundanzeigen.
Die beiden runden Anzeigen können sich zudem zu einer einzigen Anzeige zusammenfügen, die nur die wichtigsten Fahrinformationen zeigt. Ein klassischer zentraler Touchscreen könnte dadurch überflüssig werden.
Tatsächlich betont Mesonero-Romanos schon länger, dass eine Flut an Bildschirmen im Innenraum der falsche Weg sei. Als BMW den BMW iX3 mit seiner Panoramic Vision vorstellte, rief man im Podcast von Coches.net in Erinnerung, dass der Designer schon vor Jahren ein sehr ähnliches Konzept skizziert hatte – das Stellantis damals allerdings nicht in Serie brachte.
Im Cuorerosso soll die Bedienung stattdessen über eine »Magma« genannte Mittelkonsole laufen: Lüftung und Temperatur bleiben über Schalter und Drehregler physisch bedienbar. Sekundäre Funktionen wie Navigation oder Musik erscheinen nur als kleine Projektion an der Oberseite der Konsole und lassen sich ausblenden.
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Kritik am »Zentimeter-Wettlauf«
Der Designer sieht die aktuelle Entwicklung äußerst kritisch:
»Wir befinden uns in einer Art Zentimeter-Wettlauf um Displays, und für mich ergibt das überhaupt keinen Sinn, denn sie werden einfach gigantisch. Im Grunde entwickeln sie für die Kundschaft nur ein Tablet. In ein paar Jahren sind diese Bildschirme veraltet, wirken altbacken und fangen an, Geld zu kosten.«
Dazu kommt ein rein ergonomisches Argument:
»Was auf einem Bildschirm landet, findet woanders keinen Platz mehr. Und ich bringe diese Dinge lieber an anderer Stelle unter.«
In einer Branche, in der nahezu jedes Bedienelement auf Displays wandert, wirkt diese Haltung fast schon neu. Bei vielen Herstellern finden sich dort mittlerweile selbst die Klimafunktionen, Tesla legt die Aktivierung der Nebelscheinwerfer darauf ab und mehrere Marken verlagern die physische Warnblinktaste an den Dachhimmel.
Der Widerspruch zum Markt
Das Problem dabei: Die Käuferschaft scheint die XXL-Displays regelrecht zu fordern. Nahezu alle Hersteller sind auf diesen Zug aufgesprungen – selbst Marken wie Mazda, die sich lange dagegen gewehrt hatten. Und das betrifft keineswegs nur den Mazda CX-6e mit seinen chinesischen Wurzeln; auch der Mazda CX-5 zieht mittlerweile mit riesigen Bildschirmen nach.
Sowohl diese Marke als auch andere haben bestätigt, dass Marktstudien genau das belegen: Die Kundschaft verlangt gigantische Displays. Ein Bildschirm mit hoher Qualität und beachtlicher Größe wird unmittelbar mit »Modernität« gleichgesetzt. Am Ende liefern die Autobauer schlicht das, wonach gefragt wird.
Ein Gegenentwurf zur Bildschirm-Flut
Wenn ihr darauf hofft, dass das Pendel endlich wieder zurückschlägt und wir zu dezenten Anzeigen oder gar analogen Instrumenten zurückkehren, gibt es Grund zur Hoffnung. Für euch dürften diese Worte von Alejandro Mesonero-Romanos wie Musik in den Ohren klingen.
Vor allem, da Porsche mit dem Mission S ebenfalls auf eine Nadel im Kombiinstrument setzt, um analoge und digitale Elemente an einem Ort zu vereinen.
Und vielleicht finden auch die Worte anderer Fachleute Gehör – etwa von Achim Anscheidt, dem langjährigen Designchef von Bugatti, der dieser Entwicklung ebenfalls skeptisch gegenüberstand und betonte, dass ein veralteter Bildschirm den Alterungsprozess eines Autos nur noch deutlicher sichtbar macht.

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