»Es ist Diebstahl, ganz einfach«: Amazons neues KI-Feature in der Kindle-App empört Autoren

Eine Verletzung des Urheberrechts? In den USA wird derzeit ein Feature für die Kindle-App ausgerollt, auf das viele Autoren mit großer Sorge blicken.

Amazon bietet mit dem Kindle den populärsten E-Reader. Ein neues Feature in der dazugehörigen App sorgt jetzt unter Autoren für Unmut (Bildquelle: Tada Images, Adobe Stock) Amazon bietet mit dem Kindle den populärsten E-Reader. Ein neues Feature in der dazugehörigen App sorgt jetzt unter Autoren für Unmut (Bildquelle: Tada Images, Adobe Stock)

Die Kindle-App bekommt eine neue Funktion: Was bei E-Reader-Nutzern für Freude sorgen dürfte, empört derzeit die Autorenschaft. Die neue Funktion Ask This Book liefert Kindle-Lesern eine Zusammenfassung von einzelnen Kapiteln oder ganzen Büchern.

Deswegen mehren sich aufgebrachte Stimmen aus der Autoren-Community: Sie befürchten in der ungefragten Weitergabe ihrer Werke an KI-Systeme eine Urheberrechtsverletzung – doch aktuell haben sie keine Wahl.

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Neue Kindle-Funktion Ask This Book bereitet Autoren Sorgen

Amazon veröffentlichte letzte Woche eine Pressemitteilung. Darin kündigt der Konzern neue Kindle-Produkte an. Eher beiläufig wird dort unter der Überschrift Alles, was unsere Kunden an Kindle lieben auch die neue Funktion Ask This Book angekündigt, die derzeit für Nutzer der iOS-Kindle-App in den USA ausgerollt wird.

Laut Amazon könnt ihr damit Textpassagen markieren und Fragen zu Charakteren in den Romanen oder zur Bedeutung bestimmter Szenen stellen, wobei die Antworten stets spoilerfrei bleiben sollen.

Auf Reddit zeigt Nutzer aboustayyef, wie das in seiner Kindle-App dann aussieht:

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Das Problem: Für ein solches Angebot muss das Buch an eine Sprach-KI weitergegeben worden sein, damit die anhand des Inhalts Fragen beantworten und Zusammenfassungen liefern kann.

Die Autorin Victoria Strauss bezeichnet Ask This Book auf dem Blog WriterBeware als In-Book-Chatbot, also eine Art ChatGPT in der Kindle-App. Ihre Befürchtungen bezüglich der KI-Funktion lassen sich in drei Punkten zusammenfassen:

  1. Urheberrecht: Auf Nachfrage der Autorin gab Amazon keine Auskunft, auf welche Rechte sich der Konzern beruft, um die KI-Funktion anzubieten. Das bedeutet, es ist aktuell unklar, was Amazon mit den Werken tut.
  2. Halluzination und Training: Amazon äußerte sich Strauss gegenüber auch nicht dazu, was passieren soll, falls die KI halluziniert und Falschbehauptungen über den Inhalt des Buches macht. Auch machte der Konzern keine Angabe, ob mit den Inhalten der Bücher Sprachmodelle trainiert werden.
  3. Kein Opt-Out: Amazon bestätigte der Autorin auf Nachfrage allerdings, dass es keine Möglichkeit für Autoren gäbe, der Anwendung der Funktion auf ihre Bücher zu widersprechen.

Amazon hat sich mittlerweile in einer Stellungnahme gegenüber GameStar Tech geäußert: Darin begründet der Konzern die fehlende Möglichkeit auf Widerspruch durch die Autoren mit der Einheitlichkeit des Produkts:

Um ein einheitliches Leseerlebnis zu gewährleisten, ist die Funktion immer aktiviert, und es gibt keine Option für Autoren oder Verlage, Titel davon auszuschließen.

Gleichzeitig versucht der Konzern, die Wogen zu glätten. Man nehme Bedenken bezüglich des geistigen Eigentums ernst. Ask This Book sei lediglich ein Leseverständnis-Tool, das sachliche Informationen liefere. Die seien zudem weder teil- noch kopierbar.

Es ist Diebstahl, ganz einfach

Auf dem Blog WriterBeware kommentieren auch einige Autoren, wobei die meisten dem neuen Feature skeptisch gegenüberstehen. Autor BayWriter drückt sich hier mitunter extrem aus:

Es ist Diebstahl. Ganz einfach.

Rechtlich ist diese Aussage so pauschal nicht haltbar. Zwar stellt das Vorgehen von Amazon unter Umständen eine Urheberrechtsverletzung dar, erfüllt aber juristisch nicht den Tatbestand des Diebstahls.

Dabei geht es nicht nur um diffuse Ängste, ob eine KI mit den eigenen Büchern trainiert werden könnte, sondern auch ganz konkrete wirtschaftliche Fragen: Das Kindle Direct Publishing regelt etwa: Wenn ein Buch über ein Kindle-Unlimited-Abo erworben wird, wird der Autor pro gelesener Seite bezahlt.

Ob eine Seite, die von einer KI durchgeblättert wurde, nun als gelesene Seite gilt, macht für die Autoren sehr wohl einen Unterschied.

In der Stellungnahme gegenüber GameStar Tech äußert sich Amazon hierzu vage: Das erklärte Ziel des Konzerns ist es nach eigener Aussage, dass Kunden sich intensiver mit ihren Büchern beschäftigen und letztendlich mehr lesen. Ob dies die Autoren beruhigt, die um ihre Vergütung pro gelesener Seite fürchten, ist fraglich.

Viele Autoren stehen KI-Chatbots, die auf Large-Language-Modellen beruhen, ganz generell skeptisch gegenüber:

Ein offener Brief des US-Autorenverbandes Authors Guild forderte etwa schon 2023 CEOs der führenden KI-Unternehmen auf, Modelle nicht ohne Zustimmung der Autoren mit deren Texten zu trainieren. Und gerade das hat Amazon Strauss gegenüber ja bestätigt: Ask This Book kommt für ein Buch zur Anwendung, ob der Autor das will oder nicht.

Gerade an diesem Punkt erinnert Strauss ihre Leserschaft jedoch an 2009: Damals wollte Amazon eine Vorlesefunktion ohne Erlaubnis einführen, musste sie nach massiven Protesten aber optional machen. Die Hoffnung ist jetzt, dass sich die Geschichte wiederholt und Amazon auch für Ask This Book eine Möglichkeit zum Widerspruch an die Autoren einräumt.

Auf unsere Anfrage teilte Amazon GameStar Tech mit, dass der Fokus der Ask This Book-Funktion aktuell auf der iOS-App in den USA liege. Eine Ausweitung auf Android und Kindle-Geräte sei für 2026 geplant. Zu einem Start der Funktion in Deutschland gebe es derzeit noch keine Informationen.

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