2012 trat einer der größten Kickstarter-Hypes aller Zeiten ins Rampenlicht. Ein kleiner grauer Kasten, der PlayStation, Xbox und Nintendo die Show stehlen will. Bühne frei für die Ouya.
Der Hype war unaufhaltsam: Über die Crowdfunding-Kampagne wurden über 8,5 Millionen US-Dollar eingenommen. Doch als das Gerät 2013 endlich in die Hände erster Unterstützer und Tester gelangte, ließ die Enttäuschung und der Spott nicht lange auf sich warten.
Ich gebe zu: Auch ich konnte nur über diesen gigantischen Fail lachen. Klapprige Hardware, ein Controller mit Wish-Qualität und das Spielangebot bestand im Grunde aus lieblos hochskalierten Smartphone-Spielen. Android war einfach nicht so weit.
Seitdem sind 13 Jahre vergangen. Ich sitze auf meinem Balkon, Android-Handheld in der Hand und spiele darauf PC-Spiele. Ich denke zurück an die Ouya – vielleicht war sie ihrer Zeit über ein Jahrzehnt voraus?
Gaming auf Android ist erwachsen geworden
Gaming auf Android erlebt gerade einen kometenhaften Aufschwung. Es erscheinen immer mehr Handhelds mit dem Betriebssystem und die Auswahl an Spielen ist inzwischen gigantisch. Die Zeiten, in denen Android-Gaming mit Doodle Jump und Co. verbunden wurde, sind längst vorbei.
PC-Gaming: Heute nehme ich meinen Ayn Odin 2 Mini in die Hand, starte darauf »Droiddeck« und spiele die PC-Version von Monster Hunter Rise. Der kleine Android-Handheld ist inzwischen praktisch ein Mini-Steam-Deck.
1:32
Mein Android-Handheld ist jetzt ein Steam Deck Mini – es war unfassbar einfach
Klar befindet sich PC-Gaming auf Android noch in einem frühen Stadium, aber es geht rasant voran. Viele Steam-Spiele kann ich auf meinem Android-Handheld einfach starten und loslegen, ohne Zeit mit nervigem Troubleshooting verbringen zu müssen, wie es noch vor wenigen Monaten der Fall war.
Wer keine Lust auf die kleinen Bildschirme von Smartphones oder Android-Handhelds hat, kann heute sogar zu einem Android-Tablet als Alternative greifen. Geräte wie das REDMAGIC Astra 2 sind aktiv gekühlt, pfeilschnell und bieten einen großen Bildschirm.
Retro-Gaming: Wer gerade keine Lust auf aktuelle Titel hat, kann auf Android unzählige Retrospiele spielen. Viele Handhelds sind genau dafür ausgelegt worden, bevor es überhaupt PC-Gaming-Apps wie Droiddeck oder Gamehub gab.
Streaming: Wenn ihr schon Gaming-Hardware daheim habt, könnte ein Android-Handheld oder Gaming-Tablet eine hervorragende Ergänzung zu eurem Setup sein. Mit Apps wie Moonlight/Sunshine, GeForce Now, Chiaki oder Steam Link streame ich in null Komma nichts meine PS5 und PC-Spiele auf mein Android-Gerät – das funktioniert inzwischen sogar abseits von Zuhause, solange man eine stabile Internetverbindung hat.
Native Spiele: Und dann gibt es da noch die nativen Spiele, die für Android erschienen sind. Viele davon stellen die Monetarisierung über alles andere, aber es finden sich auch echte Perlen darunter, wie etwa die Ace-Attorney-Trilogy oder der Horror-Klassiker Alien Isolation.
Diese vier Säulen stützen Android als Gaming-Plattform, doch eine Sache vermisse ich: eine echte Heimkonsole.
Die Ouya mag gescheitert sein, aber ich glaube, Android-Konsolen haben jetzt eine zweite Chance verdient.
Wieso eine echte Android-Konsole so viel Sinn ergibt
Adressieren wir den Elefanten im Raum: Warum stecke ich meinen Ayn Odin 2 Mini oder ein schnelles Tablet nicht einfach in einen USB-C-Dock und verbinde es mit dem Fernseher, wie eine Nintendo Switch?
Das funktioniert zwar, schöpft das Potenzial der Plattform aber bei Weitem nicht aus. Ein dediziertes, stationäres Gerät bringt entscheidende Vorzüge mit, die ein Handheld im Dock nicht liefert.
- Handhelds, Handys und Tablets sind mit Platz- und Hitzebeschränkungen konfrontiert, die bei einer stationären Konsole so nicht existieren. ARM-Chipsätze können mit einem ausgewachsenen Kühlsystem dauerhaft ihren maximalen Takt halten, ohne nach 20 Minuten wegen thermischer Drosselung einzubrechen.
- Eine stationäre Konsole könnte außerdem alle wichtigen Anschlüsse ab Werk liefern, ohne einen USB-Dock anschließen zu müssen. Ein fester Ethernet-Port sorgt für stabiles Streaming und vollwertige USB-Ports erlauben das Anschließen von Peripherie, wie zusätzlichen Controllern für Couch-Koop-Abende oder externer Speicherträger.
Verpackt in einem kompakten Mini-Gehäuse würde sich so ein Gerät perfekt in die Wohnzimmer-Landschaft fügen.
Dass dieses Konzept im Wohnzimmer funktioniert, hat die Nvidia Shield TV jahrelang eindrucksvoll bewiesen. Sie war der Pionier für Gamestreaming und Android-Spiele am Fernseher – und wird sogar immer noch verkauft.
Das Problem: Die Shield ist technisch inzwischen ein Fossil. Ihr betagter Tegra-Chip stößt bei anspruchsvollen Spielen längst an seine Grenzen und Nvidia hat nie einen Nachfolger veröffentlicht.
Lust auf eine Zeitreise? Hier ist unser Ouya-Test aus dem Jahr 2013:
Genau hier sehe ich eine Lücke. Zwischen schwachbrüstigen TV-Sticks für 40 Euro und traditionellen Konsolen ab 500 Euro gibt es im Wohnzimmer nichts. Es fehlt ein kompakter, offener Alleskönner und genau diese Lücke könnte eine moderne Android-Konsole heute perfekt füllen.
Die Software ist fertig, die Chips sind bereit. Liebe Hardware-Hersteller: Baut endlich wieder eine Ouya – aber dieses Mal richtig.

Nur angemeldete Benutzer können kommentieren und bewerten.
Dein Kommentar wurde nicht gespeichert. Dies kann folgende Ursachen haben:
1. Der Kommentar ist länger als 4000 Zeichen.
2. Du hast versucht, einen Kommentar innerhalb der 10-Sekunden-Schreibsperre zu senden.
3. Dein Kommentar wurde als Spam identifiziert. Bitte beachte unsere Richtlinien zum Erstellen von Kommentaren.
4. Du verfügst nicht über die nötigen Schreibrechte bzw. wurdest gebannt.
Bei Fragen oder Problemen nutze bitte das Kontakt-Formular.
Nur angemeldete Benutzer können kommentieren und bewerten.
Nur angemeldete Plus-Mitglieder können Plus-Inhalte kommentieren und bewerten.