Die Schönheit der Natur, des Alls und des menschlichen Schaffens, vereint in einem Bild, das Geschichte schreiben könnte

Die Fotografin Angel Fux zeigt eindrucksvoll, das Fotografie weit mehr als nur das Einfangen von Momenten ist.

Ein Foto für die Geschichtsbücher: Zwei Bögen der Milchstraße, der Gegenschein und das Matterhorn auf einem Foto. (Bildquelle: Angel Fux) Ein Foto für die Geschichtsbücher: Zwei Bögen der Milchstraße, der Gegenschein und das Matterhorn auf einem Foto. (Bildquelle: Angel Fux)

Das Bild, das ihr oben seht, ist nicht durch einen Auslöser entstanden, sondern durch einen monatelangen Kraftakt, der am Schreibtisch begann und in den eisigen Gipfeln der Alpen endete. 

Die abenteuerlustige Fotografin Angel Fux hat mit ihrer Expedition zum Gipfel der Dent d’Hérens eine Brücke geschlagen: zwischen der rauen, unnachgiebigen Natur des Matterhorns und der mathematischen Präzision moderner Astrofotografie. 

Die drei Bögen aus Sternen und Licht existieren gleichzeitig auf einem atemberaubenden Foto, weil eine Frau bereit war, ihre Grenzen wieder und wieder herauszufordern.

Das ist die Geschichte hinter dem Triple-Arch – einem der spektakulärsten Astrofotos aller Zeiten.

Der Mensch hinter der Kamera: Angel Fux

Angel ist eine Fotografin und Abenteurerin. 

Expeditionen in eisiger Kälte und in kilometerhohen Gebirgen sind für sie schon länger nichts Unbekanntes – sie hat sich auf Nightscapes, also nächtliche Landschaftsfotos, spezialisiert. 

Für ihre Fotos hat Angel schon einige Abenteuer hinter sich, wie etwa das von Ende 2024. Von ihrem Heimatort in der Schweiz flog sie in das mehr als 10.000 Kilometer entfernte Peru. Dort angekommen wanderte sie in die Anden und schoss das folgende atemberaubende Foto:

Die Milchstraße als Dach über den Anden in Peru. (Bildquelle: Angel Fux) Die Milchstraße als Dach über den Anden in Peru. (Bildquelle: Angel Fux)

Was wir sehen ist ein beeindruckendes Foto der Milchstraße, die wie ein Dach über den Gebirgen der Anden türmt, aber dahintersteckt intensive Planung, viel körperliche Anstrengung und eine Hingabe für die Fotografie, die kaum in Worte zu fassen ist. 

Die ganze Geschichte hinter diesem Foto könnt ihr euch in einem kleinen Short-Film auf YouTube anschauen – direkt erzählt von Angel.

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Wenn ihr mehr über sie erfahren möchtet, schaut dafür gerne in Angels Blog vorbei oder folgt ihr auf Instagram:

Ihr letztes Abenteuer fand erst vor wenigen Wochen statt. Im März 2026 schoss sie das beeindruckende Triple-Arch-Foto in den Alpen, um das es in diesem Artikel geht.

Die Sterne mussten richtig stehen – der doppelte Milchstraßenbogen

Um dieses Foto überhaupt von der Planung in die Realität zu überführen, hatte Angel nur eine einzige Chance im Jahr, die nicht einmal garantiert war. 

Im März existiert ein kurzes Zeitfenster von gerade einmal etwa fünf Tagen, in dem es möglich ist, beide Arme der Milchstraße in nur einer einzigen Nacht zu sehen. 

Sie sind nicht gleichzeitig sichtbar, sondern innerhalb einer Erdrotation.

In der ersten Nachthälfte erscheint der sogenannte Winterbogen der Milchstraße. Dieser ist optisch ruhiger und weniger dicht als der in der zweiten Nachthälfte beobachtbare Sommerbogen mit dem farbenfrohen galaktischen Kern unserer Galaxie. 

Nur unter optimalen Bedingungen konnte ihr Plan für das Foto durchgesetzt werden:

  • Neumondphase – die helle Seite des Mondes ist von der Erde abgewandt und deswegen nicht sichtbar.
  • Der richtige Winkel der beiden Bögen relativ zum Standort
  • Freies Wetter
  • Ein ungehinderter 360-Grad-Horizont
  • Möglichst wenig Lichtverschmutzung

Der doppelte Milchstraßenbogen ist also nicht nur ein seltenes Naturschauspiel, eine Fotografie davon anzufertigen ist nicht jedes Jahr möglich, da allein das Wetter einen Strich durch die Rechnung machen kann. 

In etwa 3.000 Höhenmetern gelang Angel dieses Foto vor einem Jahr. (Bildquelle: Angel Fux) In etwa 3.000 Höhenmetern gelang Angel dieses Foto vor einem Jahr. (Bildquelle: Angel Fux)

Letztes Jahr hat Angel Fux es schon einmal geschafft, dieses Phänomen in 3.000 Höhenmetern festzuhalten. Dieses Jahr wollte sie noch einen draufsetzen. Was würde der Blick in die Sterne offenbaren, wenn sie noch einen weiteren Kilometer höher steigt?

Zu diesem Zeitpunkt wusste sie das noch nicht, doch ihre Neugier würde sich ein Jahr später auszahlen.

Die eisige Nacht in 4.000 Metern Höhe – die Kameraausrüstung war nicht das Wichtigste

Um das ambitionierte Projekt zu verwirklichen, bekam Angel Hilfe von Richard Lehner, der schon seit Jahren in der Region als Bergführer tätig war, und seinem Sohn Arnaud Lehner. 

Schon seit September 2025 arbeiten sie gemeinsam an der Planung des Projektes und mussten dabei viele Hürden überwinden – wie etwa die Klärung des Transportes über schweizerische und italienische Hubschrauberflüge, die windige Wetterlage und die Akklimatisierung an die Umgebung.

Sollte es außerdem zu dem Fall kommen, dass die drei nicht sofort abgeholt werden können, mussten sie sich außerdem darauf vorbereiten, eine längere Zeit in der Kälte zu verbringen. 

So haben Angel, Richard und Arnaud nicht nur die Technologie eingepackt, um das eigentliche Foto zu machen, sondern auch Ausrüstung, die zum Überleben in einer solchen Umgebung notwendig ist. Dazu zählen etwa ein Schlafsack, der bei bis zu Minus 60 Grad Celsius warm hält, Kletterausrüstung und mehrschichtige Kleidung.

Als der Helikopter sie in 4.000 Höhenmetern absetzte und seine Rotoren in der Ferne immer leiser wurden, wusste Angel, dass es bis mindestens zum nächsten Morgen kein Zurück gab. 

Sie machte sich ans Werk und stellte ihre Kamera auf – bei windigen minus 29 Grad Celsius.

Die beeindruckende Technik hinter dem Foto

Für das beeindruckende Foto kam folgende Tech-Ausrüstung zum Einsatz:

Kamera: Nikon Z6 II mit Astro-Modifikation: Standard-Kameras (wie die Nikon Z6 II ab Werk) haben einen eingebauten Sperrfilter vor dem Sensor. Dieser Filter blockiert einen Großteil des infraroten Lichts, damit die Farben so aussehen, wie das menschliche Auge sie wahrnimmt.

  • Das Problem für Astrofotografie: Viele der schönsten Phänomene im All (wie rote Gasnebel) leuchten im sogenannten H-alpha-Licht. Normale Kameras blockieren etwa 75 bis 80 Prozent dieses Lichts.
  • Die Lösung: Bei einer Astro-Modifikation wird dieser interne Filter ausgebaut oder durch einen speziellen Filter ersetzt.
  • Der Effekt: Die Kamera sieht das tiefe Rot des Universums. Ohne diese Modifikation wäre die Milchstraße auf Angels Foto deutlich blasser und weniger detailreich.

Die Nikon Z6 II ist eine beliebte Vollformat-Kamera und inzwischen sehr erschwinglich – ihr findet sie aus zweiter Hand bei Preisen unter 1.000 Euro. Die Kosten für die Astro-Modifikation kommen da noch hinzu, solltet ihr die Kamera auch in die Tiefen des Universums blicken lassen wollen.

Hier fotografiert Angel gerade das Matterhorn. Aufgrund sehr schlechter Lichtbedingungen ist das Handyfoto verwackelt. (Bildquelle: Angel Fux) Hier fotografiert Angel gerade das Matterhorn. Aufgrund sehr schlechter Lichtbedingungen ist das Handyfoto verwackelt. (Bildquelle: Angel Fux)

Objektiv: Nikon NIKKOR Z 20mm f/1.8: Das ist ein lichtstarkes Ultraweitwinkel-Objektiv mit hoher Lichtstärke. Zusammen mit der wettergeschützten Nikon Z6 II ist Angels Setup gewappnet gegenüber Feuchtigkeit und Kälte – zumindest deutlich besser, als mit einer ungeschützten Kamera. 

Das große Bildfeld ermöglichte ihr möglichst viele Informationen im Nachthimmel und in der Berglandschaft darunter einzufangen. Das Objektiv kostet etwa 1.000 Euro und wir haben es selbst schon an der Nikon ZR ausprobiert.

Star-Tracker: Benro Polaris: Wenn ihr Sterne länger als ein paar Sekunden belichtet, verschwimmen sie zu Strichen (»Star Trails«), weil die Erde sich unter dem Himmel wegdreht. Um das zu verhindern, braucht man einen Star Tracker.

  • Was er macht: Es ist ein motorisierter Stativkopf, der sich exakt in der Geschwindigkeit der Erdrotation mitbewegt, nur in die entgegengesetzte Richtung.
  • Der Benro Polaris zeichnet sich dadurch aus, dass er als weltweit erster intelligenter Stativkopf präzises, motorisiertes Star-Tracking mit einer vollständigen Kamerasteuerung in einem extrem robusten Gehäuse vereint, um Aufnahmen selbst unter widrigsten Bedingungen vollautomatisch zu ermöglichen.
  • Dadurch konnte Angel länger belichten, ohne dass die Sterne verwackeln und verschwimmen. 

Der Benro Polaris ist ab 1.270 Euro erhältlich.

Clip-in H-alpha 12 nm Filter: Dieser Filter lässt nur das Licht der glühenden Wasserstoffnebel durch. Alles andere – also Lichtverschmutzung durch Städte oder das Streulicht des Mondes – wird gefiltert.

  • Clip-in: »Clip-in« bedeutet, dass der Filter nicht vorn auf das Objektiv geschraubt wird, sondern direkt in das Gehäuse der Kamera, unmittelbar vor dem Sensor, hineingesteckt wird.
  • Das Ergebnis: Angel gewinnt dadurch einen enormen Kontrast. Sie kann die roten Strukturen der Galaxie (die Emissionsnebel) isoliert aufnehmen und später in der Bearbeitung wie eine zusätzliche Ebene über das normale Foto legen.

Am Horizont ist in über 4.000 Metern Höhe immer noch Lichtverschmutzung sichtbar. (Bildquelle: Angel Fux) Am Horizont ist in über 4.000 Metern Höhe immer noch Lichtverschmutzung sichtbar. (Bildquelle: Angel Fux)

Die Gegenschein-Überraschung – ein dritter Bogen

Zwischen 20:30 und 23:30 Uhr fotografierte Angel den Winterbogen der Milchstraße. Beim Überprüfen der Panorama-Fotos auf Lichtverschmutzung, die selbst in 4.200 Metern Höhe noch existent ist, machte sie eine bemerkenswerte Entdeckung.

Auf den Fotos war ein blasser ovalförmiger Schimmer zu sehen: der Gegenschein.

Das ist ein extrem schwacher, diffuser Lichtfleck am Nachthimmel, der genau am antisolaren Punkt, also exakt gegenüber der Sonne, leuchtet. Er entsteht durch ein kosmisches Rückstrahl-Phänomen: 

  • Winziger interplanetarer Staub, der in unserem Sonnensystem zwischen den Planeten schwebt, reflektiert das Sonnenlicht wie unzählige mikroskopische Spiegel direkt zur Erde zurück. 
  • Man kann es sich wie die reflektierenden Augen einer Katze im Scheinwerferlicht vorstellen, nur eben auf galaktischer Ebene. Da dieses Leuchten so unglaublich zart ist, bleibt es für die meisten Menschen unsichtbar und wird nur sehr selten fotografiert. 

Angel wollte eigentlich »nur« einen Doppelbogen fotografieren – jetzt waren es drei.

Ungefähr um Mitternacht legte sie sich für zwei Stunden schlafen, um dann zwischen 2:30 und 04:54 den Sommerbogen abzulichten. 

Um 07:30 Uhr wurden sie und ihre zwei Begleiter wieder mit dem Helikopter abgeholt – mit etwa 300 Gigabyte an Daten.

Mission beendet: die Sonne geht auf. (Bildquelle: Angel Fux) Mission beendet: die Sonne geht auf. (Bildquelle: Angel Fux)

Die Nachbearbeitung für das finale Foto

Nach dem Abstieg vom Berg begann für Angel Fux eine zweite, kaum weniger fordernde Reise: die digitale Entwicklung.

Über 40 Stunden verbrachte sie am Rechner, um aus den gewaltigen 300 Gigabyte an Rohdaten das finale Meisterwerk zu formen. Dabei glich der Prozess eher einer wissenschaftlichen Auswertung als einer klassischen Bildbearbeitung.

Allein die ersten zehn Stunden verbrachte sie sprichwörtlich im Dunkeln – ohne ein sichtbares Bild, nur umgeben von mathematischen Algorithmen und komplexen Code-Zeilen. 

Was auf den ersten Blick wie eine einzige Aufnahme wirkt, ist in Wahrheit eine hochkomplexe Komposition aus über hunderten Einzelbildern; aus diesen entstand das fertige Panorama.

Wie Angel dabei vorging, lest ihr im Detail in ihrem Blog (Spoiler: Sie wollte ihren PC mehrmals aus dem Fenster werfen).

Das finale Foto ist in höherer Auflösung in Angels Blog sichtbar. Bemerkenswert: der Gegenschein schießt auf der linken Seite aus dem Matterhorn hervor. (Bildquelle: Angel Fux) Das finale Foto ist in höherer Auflösung in Angels Blog sichtbar. Bemerkenswert: der Gegenschein schießt auf der linken Seite aus dem Matterhorn hervor. (Bildquelle: Angel Fux)


Passend zum Thema Fotografie: Bilder wie diese erinnern mich ständig daran, dass es für tolle Fotos einfach keine teure Kamera braucht


Fotografie ist mehr als nur das Endergebnis – mehr als nur ein Bild

Das Triple-Arch-Foto von Angel Fux zeigt eindrucksvoll, wie viel Bedeutung in einer einzigen Fotografie stecken kann. Wer nur auf die leuchtenden Sterne am Himmel blickt, sieht nur einen Bruchteil dessen, was dieses Werk ausmacht. 

In den unsichtbaren Details der Aufnahme stecken Monate der akribischen Planung, die Nervosität vor dem Abflug in die Isolation, 40 Stunden Frust vor dem Computer und das tiefe Vertrauen in die Menschen, die diese Expedition am Berg begleitet haben.

Am Ende ist das Bild nicht bloß ein visuelles Ergebnis, sondern ein Konzentrat aus Abenteuer, zwischenmenschlicher Verbundenheit und dem Willen, eine Vision Realität werden zu lassen.

Angel selbst fasst diesen Kern ihrer Arbeit am treffendsten zusammen (aus ihrem Video zum Foto in den Anden):

»Fotografie ist so viel mehr, als nur das einzufangen, was man sieht. Es ist die Reise, die man durchlebt, es sind die Orte, an die einen die Kamera führt – es ist schwer, das in Worte zu fassen. Man verbindet sich auf einer völlig neuen Ebene mit seiner Umwelt, seiner Umgebung und den Menschen darin.«

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