Von wegen privat: Was tun, wenn der Inkognito-Modus in Chrome versagt?

Der Inkognito-Modus von Googles Chrome-Browser ist gar nicht so privat, wie viele Nutzer glauben. Wir zeigen Alternativen auf und erklären euch, wie ihr im Netz anonym bleiben könnt.

von Sara Petzold,
06.06.2020 13:30 Uhr

Der Inkognito-Modus von Google Chrome ist weniger privat als manche Nutzer denken. Der Inkognito-Modus von Google Chrome ist weniger privat als manche Nutzer denken.

Wer im Internet surft, hinterlässt jede Menge Spuren in Form von Daten. Genau das soll der Inkognito-Modus von Googles Chrome-Browser verhindern, glauben Nutzer. Aber das stimmt nur teilweise. Denn obwohl der Browser Webseitenverläufe und Cookies nicht direkt speichert, können Webseiten das Surfverhalten trotzdem ausspähen.

Eine US-amerikanische Kanzlei hat deswegen eine Sammelklage im kalifornischen San Jose eingereicht, wie die Süddeutsche Zeitung berichtet. Google spioniere Nutzer nämlich mithilfe von Trackingtools wie Google Analytics aus, selbst wenn diese den Inkognito-Modus aktiviert haben, argumentieren die Kläger.

Damit ihr euch nicht auf den löchrigen Tracking-Schutz von Chrome verlassen müsst, erklären wir euch jetzt, wo die Probleme des Inkognito-Modus liegen und wie ihr euch so anonym wie möglich im Netz bewegen könnt.

Ein Hinweis vorweg: Unser Artikel erhebt keinen absoluten Anspruch auf Vollständigkeit. Wenn wir eurer Meinung nach wichtige Browser-Addons oder andere Tools nicht erwähnt haben, gebt eure Tipps gern in den Kommentaren an die GameStar-Community weiter!

Inkognito-Modus außer Kraft? Auch andere Chromium-Browser betroffen

Was genau ist das Problem mit dem Inkognito-Modus? Derzeit herrscht offenbar bei einigen Nutzern ein Missverständnis darüber vor, was der Inkognito-Modus von Chrome kann und was nicht. Der Inkognito-Modus sorgt dafür, dass der Browser gespeicherte Cookies und Aktivitätsprotokolle aus dem Browser selbst und vom PC löscht, wenn der Nutzer seine Sitzung beendet.

Allerdings können Webseiten trotzdem Tracking-Daten erheben, IP-Adressen abrufen und auf den Sitzungsspeicher zugreifen. Deshalb schützt der Inkognito-Modus nur vor Spionage am eigenen Rechner - nicht aber generell vor Tracking im Internet durch andere Webseiten oder Google selbst.

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Ein weiteres Problem sind Skripte, die den Inkognito-Modus erkennen: Webseiten können laut einem Bericht von ZDNet nämlich per Skript feststellen, ob ein Nutzer einen Inkognito-Modus aktiviert hat. Webseitenbetreiber setzen diese Skripte ein, weil sie verhindern wollen, dass Nutzer per Inkognito-Modus Paywalls und ähnliche Filtermechanismen umgehen können.

Google hatte im August 2019 eigentlich versprochen, die Nutzung derartiger Skripte zu unterbinden. Das ist bislang aber nicht passiert - bestimmte Webseiten sind für Nutzer des Inkognito-Modus weiterhin tabu.

Übrigens betrifft das Problem nicht nur Googles Chrome, sondern alle Browser, die auf Chromium basieren, darunter Microsoft Edge, Opera, Vivaldi und Brave. Abgewandelte Varianten des Skripts existieren außerdem auch für Browser wie Firefox und Safari.

Privatsphäre im Netz schützen: So geht's

Der Inkognito-Modus von Chrome und anderen Browsern reicht also längst nicht aus, wenn ihr euch wirklich anonym im Netz bewegen wollt.

Aber was hilft wirklich? Wir haben für euch eine Reihe von Tools und Hilfsmitteln gesammelt, die es euch ermöglichen, das Internet möglichst unerkannt zu durchstreifen.

Der richtige Browser - Ihr habt verschiedene Möglichkeiten, euch im Internet vor Tracking zu schützen. Die Wahl eures Browsers gehört dazu. Browser wie Brave oder Firefox verfügen zwar über diverse zusätzliche Sicherheitsfunktionen, sind aber auch von dem oben erwähnten Skriptproblem betroffen.

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Wer das maximal mögliche Maß an Anonymität im Netz genießen möchte, sollte deshalb den Tor-Browser zum Surfen verweden. Tor verbindet euch über einen Proxy mit einem Servernetzwerk, über das er eine Route aus drei Servern herstellt. Dadurch ermöglicht der Browser eine anonyme Verbindungskommunikation, die sich praktisch nicht zurückverfolgen lässt.

Wie genau Tor funktioniert, könnt ihr auf der Webseite der Entwickler nachlesen. Dort könnt ihr den Browser auch kostenlos herunterladen.

VPN-Clients - Ihr könnt außerdem einen VPN-Client nutzen, wenn ihr euch anonym im Internet bewegen möchtet. VPN-Clients leiten euren Datenverkehr über verschlüsselte Server um und verschleiern auf diese Weise eure IP-Adresse gegenüber den Webseiten, die ihr ansteuert. Gegenüber dem Tor-Browser haben VPN-Clients verschiedene Vorteile:

  • Sie sind schneller als Tor.
  • Ihr könnt sie unabhängig von eurem bevorzugten Browser nutzen.
  • Sie bieten ein hohes Maß an Sicherheit und Verschlüsselung.
Allerdings existieren auch Nachteile bei der VPN-Nutzung:
  • Die meisten VPN-Clients sind kostenpflichtig.
  • Ihr müsst dem Anbieter vertrauen, dass er eure Daten nicht selbst abgreift und verkauft.
VPN-Clients bieten im Allgemeinen aber einen guten Schutz der Privatsphäre im Netz und reichen für die meisten Privatanwender aus. Wer sich nicht sicher ist, welchen VPN-Anbieter er nutzen soll, findet bei Heise eine umfangreiche Übersicht der verschiedenen Dienste.

Browser-Erweiterungen - Ihr könnt neben dem Tor-Browser und VPN-Clients ergänzend auch diverse Browser-Erweiterungen nutzen, um Trackern das Leben schwer zu machen. Dafür stehen euch unter anderem folgende Tools zur Verfügung:

  • Container (zum Beispiel Firefox Multi-Account Container) - speichert Cookies in unterschiedlichen Containern, sodass euer Surfverhalten auf verschiedene Accounts verteilt wird; auch verfügbar für spezifische Webseiten wie Facebook
  • Tools für Burner e-Mail-Adressen (zum Beispiel Bloody Vikings) - füllt entsprechende Felder mit temporären e-Mail-Adressen, um eure echte Adresse vor Spam zu schützen
  • Cookie-Entferner (zum Beispiel Cookie AutoDelete) - löscht automatisch gespeicherte Cookies, sobald ihr den zugehörigen Webseitentab schließt
  • Adblocker und Tracker (zum Beispiel Decentraleyes, Disconnect, Privacy Badger und uMatrix) - verhindern und blockieren Anfragen von Content-Netzwerken und Webseiten
  • Addon-Pakete (zum Beispiel Duckduckgo Privacy Essentials) - kombinieren mehrere Tools zum Schutz der Privatsphäre in einem Addon
  • HTTP auf HTTPS (zum Beispiel Smart HTTPS) - wandelt HTTP-Anfragen automatisch in verschlüsselte HTTPS-Anfragen um

Beachtet aber bei allen diesen Methoden der Anonymisierung, dass sie niemals eine vollständige Anonymität im Internet garantieren können. Selbst der Tor-Browser besitzt Schwachstellen bei der Verschlüsselung am Ausgangsknoten. Wer aber seine Daten vor den Trackern der großen Tech-Konzerne und Werbefirmen schützen möchte, kann seine Aktivitäten ausreichend verschleiern.

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