Ich habe den Akku bei meinem iPad Pro getauscht und kann euch nur dringend davon abraten

Der Akku eures iPads neigt sich seinem Lebensende zu? Ich rate euch: Überlasst den Wechsel einem Fachmann.

Nach sechs Jahren habe ich den Akku meines iPad Pro (2018) getauscht. Nach sechs Jahren habe ich den Akku meines iPad Pro (2018) getauscht.

Ich bin ein Bastler. Seit Kindheitstagen nehme ich Dinge auseinander und versuche selbst, Geräte aller Art selbst zu reparieren – mal mit mehr, mal mit weniger Erfolg.

Seitdem ich 2010 aufs iPhone umgestiegen bin, habe ich das auch bei meinen Smartphones so gehandhabt. Ob defektes Display, Akku oder Lightning-Anschluss – ich habe mir die Ersatzteile bestellt und mein Glück versucht.

Mit dem Aufkommen wassergeschützter Modelle ab dem iPhone 7 habe ich Reparaturen möglichst vermieden. Die Displays sind inzwischen verklebt und es deutlich mühseliger, sie zu entfernen.

iPad-Akku wechseln? Was soll da schon schiefgehen!

Bei meinem iPad Pro aus 2018 hat mich der Ehrgeiz dann aber doch wieder gepackt. Der Akku brachte mich nicht mehr durch den Tag und ein Tausch stand an.

Die Kosten für das Ersatzteil lagen bei rund 40 Euro, bei Apple hätte ich für den Akkutausch 135 Euro bezahlt. Da ich das nötige Werkzeug ohnehin habe, schien die Ersparnis verlockend. Den Akku habe ich also kurzerhand bestellt und dann ging es los.

Ich hätte vorher besser mal recherchieren sollen

Vielleicht hätte ich im Vorfeld aber doch einen Blick auf die Anleitung beim Reparaturportal iFixit werfen sollen. Sie bescheinigen meinem iPad nämlich eine schlechte Reparierbarkeit von nur drei von zehn Punkten, vor allem weil viele Komponenten verklebt sind.

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In der Anleitung zum Akkutausch selbst steht dann rot hinterlegt noch einmal »Schwierig« und eine ungefähre Reparaturdauer von zwei bis vier Stunden.

Da mein Akku in der Zwischenzeit aber schon geliefert worden ist, hat mich das von meinem Vorhaben nicht abgehalten. 

Ich dachte, mein iPad landet im Müll

Damit begann eine rund zweieinhalbstündige Odyssee, bei der ich mehrfach dachte: OK, das iPad wird wahrscheinlich im Müll landen. Es fing beim Display an, welches rundum mit dem Gehäuse verklebt ist. Hierzu gibt es zahlreiche Warnungen in der iFixit-Anleitung.

An mehreren Seiten liegen nahe dem Displayrand unterhalb des Bildschirms wichtige Komponenten wie das Kameramodul und Sensoren, die man keinesfalls beschädigen möchte.

Das Plektrum (oder ein anderes Tool zum Öffnen) darf teils nur einen Millimeter zwischen Display und Gehäuse geschoben werden, mitunter muss man sogar einen bestimmten Winkel einhalten, der sich je nach darunterliegendem Hardwareteil ändert.

In der iFixit-Anleitung heißt es beim Display stellenweise: »Halte das Plektrum hier unter einem Winkel von 45 Grad« oder «Setze das Plektrum nicht tiefer als 1 mm ein, du könntest sonst den Näherungssensor und das vordere Mikrofon beschädigen«. (Bild: iFixit) In der iFixit-Anleitung heißt es beim Display stellenweise: »Halte das Plektrum hier unter einem Winkel von 45 Grad« oder «Setze das Plektrum nicht tiefer als 1 mm ein, du könntest sonst den Näherungssensor und das vordere Mikrofon beschädigen«. (Bild: iFixit)

Ich fing einfach an: Ich habe also den Kleber mit einer Heißluftpistole erwärmt und mich dann vorsichtig rundherum gearbeitet. 

Natürlich hatte ich nicht genügend Plektren da, die alle paar Zentimeter zwischen Gehäuse und Display platziert werden müssen, damit sich beide Teile nicht wieder mit dem Kleber verbinden. Ich habe mir dann mit Bankkarten und Co. beholfen – ja, ja, laienhaft, ich weiß.

Beim Lösen des Displays hat die aufgebrachte Panzerglasfolie ziemlich geknackt und einige Risse bekommen. Ich dachte mehrmals, ich hätte das Display geschrottet. Unbedingte Vorsicht war auch noch geboten, als das Display schließlich gelöst war, was bei mir rund 30 Minuten gedauert hat.

Der Bildschirm ist über zwei Flexkabel mit dem iPad-Inneren verbunden. Die Kabel sind empfindlich und können schnell einreißen. Das Display darf nur in einem bestimmten Bereich bewegt werden, um an die verschraubten Abdeckungen der Stecker zu kommen und die zu lösen.

Nach dem Display-Ausbau wurde es nicht besser

Schlimmer kann es nicht mehr werden: Fehlanzeige! Um den Akku des iPads schließlich ausbauen zu können, müssen diverse Komponenten aus dem Inneren entfernt werden, unter anderem der USB-C-Anschluss.

Auch das gesamte Mainboard muss ausgebaut werden. Hierbei ist es zunächst nötig, eine verklebte Abdeckung und zahlreiche kleine Stecker (Lautsprecher, LTE-Modul und Co.) sowie Schrauben zu lösen.

Das Nervigste: Das Motherboard ist mit der Gehäuserückseite verklebt. An diesem Punkt wollte ich aufgeben. Ich bin dann aber doch dem iFixit-Tipp gefolgt, den Kleber mit Isopropanol zu lösen.

Das Mainboard herauszubekommen, ist dank Kleber ebenfalls sehr mühsam. (Bild: iFixit) Das Mainboard herauszubekommen, ist dank Kleber ebenfalls sehr mühsam. (Bild: iFixit)

Ich habe das Mainboard dann tatsächlich gelöst bekommen, musste aber noch meine Heißluftpistole zu Hilfe nehmen und hätte dabei dann fast einige Kunststoffstecker beschädigt.

Der übrige Akkuwechsel war dann zum Glück innerhalb weniger Minuten erledigt, obwohl ich auch den Akku noch mit Isopropanol lösen musste. Danach habe ich wieder alles zusammengebaut, was deutlich schneller ging als das Zerlegen.

iPad selbst reparieren? Ich möchte das nie wieder tun

Bis zum Ende hatte ich die Befürchtung, dass ich irgendetwas kaputtgemacht habe. Allerdings war das nicht der Fall – das iPad funktioniert einwandfrei.

Mein Fazit: Ich werde das keinesfalls noch einmal machen – zumindest nicht beim iPad. Natürlich habe ich jetzt (das Werkzeug nicht eingerechnet) 95 Euro gespart, aber die iPad-Reparatur war für mich ein einziger Krampf.

Ich empfehle den Akkutausch definitiv nur ambitionierten Bastlern, die Erfahrung damit haben. Bei meinem laienhaften Zerlegen hätte ich das Gerät fast zerstört.

Am Ende lerne ich selten aus Fehlern

Bleiben lassen kann ich es aber wohl dennoch nicht gänzlich: Der nächste Akkutausch steht für mein iPhone 13 Pro an. Ich bin noch hin- und hergerissen, ob ich das selbst erledige oder machen lasse. Aber da bei meinem iPad alles geklappt hat, kann ja eigentlich nichts schiefgehen …

Habt ihr Erfahrung mit der Reparatur vom iPhone oder iPad? Macht ihr den Akkutausch selbst oder würdet ihr das nie tun und gebt eure Geräte lieber zu einem Fachmann? Teilt mir eure Meinung gerne in den Kommentaren mit.

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