Ich habe mittlerweile über fünf smarte Türschlösser getestet. Meinen persönlichen Favoriten, das Nuki der 4. Generation, konnte bislang aber keines ablösen. Doch das könnte sich bald ändern.
Denn Aqara hat mit dem neuen U200 Smart Lock inklusive Tastenfeld einen vielversprechenden Konkurrenten veröffentlicht. Der bietet allerhand Anpassungsoptionen, lässt sich leicht anbringen und sogar mit iPhone oder Apple Watch öffnen. Ein Novum auf dem deutschen Markt.
Warum das U200 das Zeug zu einem der besten Smart Locks hat und welches Komfortfeature mir (noch) fehlt, erfahrt ihr jetzt.
Transparenzhinweis: Aqara hat mir das U200 Smart Lock inklusive Keypad für den Test kostenfrei zur Verfügung gestellt. Der Hersteller hatte keinen Einfluss auf den Artikelinhalt und bekam keine Einsicht vor Erscheinen des Tests. Es bestand keine Verpflichtung zu einem Testbericht.
Was ist das Aqara U200 für ein Smart Lock?
Wie die meisten smarten Türschlösser handelt es sich beim Aqara U200 um ein Schloss zum Aufstecken. Ihr müsst euren Schließzylinder also nicht austauschen.
Das Schloss wird mithilfe einer Montageplatte an der Innenseite der Tür auf das Schloss gesteckt. Ein Motor im Inneren dreht dann den Schlüssel und betätigt somit Schloss und Falle.
Das funktioniert jedoch nur bei aktiver Bluetooth-Verbindung. Wollt ihr das Schloss auch mit Sprachsteuerung oder aus der Ferne steuern, zum Beispiel als Vermieter, benötigt ihr den separat erhältlichen M3 Hub.
Genial: Wo die Konkurrenz für jedes Zubehör extra zur Kasse bittet, ist beim U200 bereits ein starkes Akku-Pack sowie ein Tastenbedienfeld dabei. Letzteres bietet neben einem Fingerabdrucksensor sogar einen NFC-Chip. Keine Selbstverständlichkeit! Einen Türsensor gibt es dagegen nicht.
Das Schloss sowie das Keypad sind relativ klobig, aber hochwertig verarbeitet. Sowohl die schicke Front aus Plastik als auch der Drehknauf aus Metall sowie die Tasten des Bedienfeldes: Hier gibt's bis auf die Größe nichts zu kritisieren.
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Aqara U200 Door Lock: Das smarte Türschloss mit Apple HomeKey im Trailer
Einfache Anbringung ohne Bohren, aber…
Das Smart Lock ist dank etlicher beiliegender Adapter mit den meisten europäischen Schlosstypen kompatibel.
Die Einrichtung ist im Grunde simpel: Montageplatte mit Inbusschrauben fixieren, Schloss drauf, Batterien rein und schon kann es mit der App weitergehen.
Selbst Laien sollten innerhalb von 30 Minuten alles geschafft haben, zumal sämtliches Werkzeug im Lieferumfang enthalten und ein Einrichtungsvideo (auf Englisch) verfügbar ist.
Allerdings: Die eigentliche Konfiguration erfolgt in der App – und die gestaltet sich mitunter zickig. Ich brauchte zumindest für die Kopplung mit dem M3-Hub sowie die Integration in Apple HomeKit mehrere Anläufe.
Immerhin unterstützt das Schloss neben dem Matter-Standard Apples HomeKit nativ, es sind also keine umständlichen Workflows für Apple-Nutzer erforderlich.
So habe ich getestet
Ich hatte das Aqara Smart Lock rund sechs Wochen im Einsatz. Da ich im Homeoffice arbeite und nur meine Frau beruflich aus dem Haus muss, wird mein Schloss nicht so oft betätigt wie in anderen Haushalten.
Spezifikationen
Protokolle: Thread, Bluetooth, NFC
Maße Schloss: 62,3 x 60,6 x 152,6 mm
Maße Keypad: 42,7 x 33 x 146 mm
Batterie: Li-ion-Batterie 7,4V
12V-24V AC 0.5A 50/60Hz oder 12V-24V DC 0.5A Kabel-Input
-15 bis 66 Grad Celsius Betriebstemperatur
IPX5
Preis und Verfügbarkeit
Das Aqara U200 ist ab sofort für eine UVP von 270 Euro erhältlich. Der Straßenpreis liegt je nach Shop bei 180-220 Euro. Das Schloss gibt es in zwei Farben: Black und Silver.
Das Aqara U200 in der Praxis: Leise, schnell und mit HomeKey
Ihr könnt das U200 auf unterschiedliche Weise steuern: Per Tastencode oder Fingerabdruck am Bedienfeld, per Drehung des Knaufes am Schloss, in der App oder – eine Besonderheit – mit Apples HomeKey.
Einmal in Apple HomeKit konfiguriert, findet ihr in euer Wallet-App neben euren Kreditkarten einen digitalen Hausschlüssel. Nun genügt es, euer iPhone oder die Apple Watch ans NFC-Feld des Keypads zu halten, schon öffnet sich die Tür.
Schön dabei: Egal welche Methode ihr wählt, das Schloss reagiert jederzeit flott. Ein kompletter Schließvorgang dauert keine drei Sekunden. Der eigene Fingerabdruck wird nahezu in Echtzeit erkannt.
Neben dem Tempo ist mir auch die hohe Kraft des Motors aufgefallen. Selbst schwerfällige Türen oder leicht klemmende Schlösser sind für das U200 kein Problem.
Ebenso überzeugend ist die geringe Lautstärke: Im langsamsten von drei Schließmodi kommt das Smart Lock auf gerade mal 65 Dezibel (gemessen mit einer Apple Watch 7 aus zehn Zentimeter Entfernung). Als Papa eines vierjährigen Sohnes, der noch Mittagsschlaf macht, weiß ich diese Funktion zu schätzen.
Noch ein Wort zur Batterie: In den rund sechs Wochen im Einsatz ist der Akku auf ungefähr 70 Prozent gesunken. Damit kommt es der Herstellerangabe von sechs Monaten Akkulaufzeit schon recht nahe. Dank USB-C-Anschluss unter der Frontabdeckung könnt ihr den Akku auch während des Betriebs aufladen.
Diverse Funktionen für Sicherheit und Komfort, doch ein Feature fehlt
Neben der Lautstärke könnt ihr weitere Funktionen in der App einstellen. Hier ein Überblick:
- mehrere Benutzer inkl. Passwörter, Fingerabdrücke, NFC-Chips
- temporäre oder Einmal-Codes
- automatische Verriegelung (Auto Lock)
- Ruhe-, Nicht-stören- und Nachtmodus
- Sprach- und Smarthome-Steuerung (via HomeKit, Alexa oder Google Home)
Damit kommt es zwar bei weitem nicht ans SwitchBot Lock Pro heran, das noch viel mehr Optionen sowie Widgets für Handy und Smartwatches bietet, bringt aber die wichtigsten Funktionen mit.
Doch ein wichtiges Komfortfeature fehlt mir: Auto Unlock.
Und das ist letztlich der Grund, warum es mein Nuki (noch) nicht ersetzt. Denn Auto Unlock funktioniert so gut, dass die Tür via GPS- und Bluetooth-Erkennung erst dann aufspringt, wenn ich auf der Schwelle stehe. Ein Komfort, den ich nicht mehr missen möchte.
Fairerweise sei gesagt, dass der Fingerabdrucksensor sowie die HomeKey-Integration des U200 ebenfalls enorm komfortabel sind. Für die meisten dürfte das Modell von Aqara daher das beinahe perfekte Smart Lock sein. Und Auto Unlock soll angeblich in einem künftigen Update folgen.
Solltet ihr das Aqara U200 kaufen?
Das Smart Lock lohnt sich für euch, wenn:
- Ihr eine unkomplizierte Einrichtung bevorzugt: Das Schloss wird lediglich aufgesteckt und ist dank beiliegender Adapter mit zahlreichen Türen und Schlössern kompatibel.
- Ihr Apple HomeKit nutzt: HomeKey ist das Alleinstellungsmerkmal des Smart Locks und ein sehr komfortables Alltags-Feature.
- Ihr in einer Altbauwohnung wohnt: Der starke Motor des U200 wird auch mit schwerfälligeren Schlössern fertig.
Mögliche Alternativen zum U200 von Aqara:
- Das SwitchBot Lock Pro, wenn ihr Wert auf besonders viele Anpassungsmöglichkeiten respektive Funktionen legt.
- Das Nuki der 3. oder 4. Generation, wenn ihr eine Auto-Unlock-Funktion wollt.
- Das Netatmo Smart Lock, wenn ihr Wert auf Sicherheit legt und ein
Offline-Schloss
bevorzugt.
Unterm Strich hat das Aqara U200 das Zeug zu meinem Lieblings-Smart-Lock, wenn es Auto Unlock per Software-Update nachreicht. Das starke Preis-Leistungs-Verhältnis macht es zu einer attraktiven Option für viele, die mit einem smarten Schloss liebäugeln.
Besitzt ihr bereits ein Smart Lock? Oder plant ihr, euch eines zuzulegen? Schreibt es mir in die Kommentare! Falls ihr Fragen habt, beantworte ich sie euch gerne!
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