Gaming-Headset für 1.000 Euro im Test: Wie viel besser spielt es sich damit wirklich?

Das Audeze LCD-GX ist eines der teuersten Gaming-Headsets der Welt. Doch wie gut ist es im Vergleich mit andere hochwertigen Geräten?

von Alexander Köpf,
26.04.2022 10:47 Uhr

Das Audeze LCD-GX ist teuer, aber auch entsprechend hochwertig und edel im Design. Das Audeze LCD-GX ist teuer, aber auch entsprechend hochwertig und edel im Design.

Ich sage es gleich vorweg: Ich habe ein absolutes Faible für Kopfhörer. Meiner Meinung nach gibt es keine bessere Art, Musik zu hören. Hochwertige Kopfhörer bieten gleichbleibend guten Sound, egal wo ich mich aufhalte, während bei Boxen nicht nur meine Position wichtig ist, sondern auch, wie der Raum gestaltet ist, in dem sie sich befinden. Gerne werden Teile des Schalls von Wänden und Möbeln verschluckt, die dann nicht mehr an meinen Ohren ankommen, oder sie werden ungünstig reflektiert und somit verfälscht. Ihr ahnt es vielleicht schon: Ich habe einen Spleen, was das angeht.

Doch wie gut kann ein High-End-Gaming-Kopfhörer eigentlich sein? Der Frage will ich mit diesem Test nachgehen, indem ich mir von der amerikanischen Edelschmiede Audeze das LCD-GX genauer ansehe. Das Headset mit planaren magnetischen Treibern schrammt mit einem Preis von 959 Euro nur ganz knapp an der 1.000-Euro-Marke vorbei, ist damit eines der teuersten Gaming-Headsets überhaupt und liegt weit über dem, was normalerweise schon als hochpreisig erachtet wird. Aber wie gut ist denn nun?

Das Wichtigste in Kürze: Das Audeze LCD-GX ist zur unverbindlichen Preisempfehlung von 959 Euro nicht nur eines der teuersten Gaming-Headsets der Welt, sondern ganz bestimmt auch eines der besten. Es kann sich sogar mit noch edleren audiophilen Kopfhörern messen und trägt sich zudem sehr angenehm. Nur das Mikrofon könnte besser sein.

Pro
  • Phänomenaler Sound
  • Sehr weite Klangbühne
  • Präzise räumliche Abbildung
  • Sitzt sehr bequem
  • Robustes und relativ leichtes Design
  • Symmetrischer Anschluss
  • Verschiedene Kabel als Zubehör
Contra
  • Sehr teuer
  • Mikrofon nur durchschnittlich
  • Bässe ein wenig zurückhaltend

In meiner Sammlung befinden sich bereits einige wirklich teure, vor allem audiophile Geräte wie der Sennheiser HD800S samt des Röhrenverstärkers Audiovalve Luminare, die ich zum Vergleich heranziehen kann. Recht viel besser geht es bei Kopfhörern eigentlich nicht mehr. Jeder, wirklich jeder, der einmal bei mir war und die Kombination ausprobiert hat, wollte den Kopfhörer gar nicht mehr absetzen.

Dementsprechend wählerisch bin ich auch was den Kopfhörer zum Spielen am PC angeht. Wenn es einmal kabellos sein soll, fällt meine Wahl auf das Audeze Penrose X, ansonsten verwende ich den im Vergleich zu dem, was sonst so bei mir rumliegt relativ günstigen Beyerdynamic DT 990 Pro 250 Ohm. Das LCD-GX aus diesem Test bekommt es also mit starker Konkurrenz zu tun.

Was macht das Audeze LCD-GX so besonders?

Abgesehen vom Preis sind das vor allem die bereits erwähnten planaren magnetischen Treiber. Die versprechen im Vergleich zu herkömmlichen dynamischen Treibern einen besseren Klang. Beim LCD-GX sollen die magnetischen Kräfte des Treibers außerdem besonders gleichmäßig verteilt sein, was zu einer noch geringeren Verzerrung führt. Der Frequenzumfang reicht von sehr tiefen 10 bis hinauf zu 50.000 Hertz. Nur mal, um das in Relation zu setzen: Das sehr gute Steelseries Arctis 9x schafft es auf 20 bis 20.000 Hertz.

Das LCD-GX wird zudem über einen symmetrischen Anschluss angesteuert. Das heißt, mögliche Störungen des Signals werden eliminiert. Im Gegensatz zu den meisten anderen Gaming-Headsets, bedient sich Audeze hier außerdem einer offenen Bauweise. Das wiederum bedeutet, dass der Schall durch die perforierte Ohrmuschel nach außen dringen kann.

Wie klingt das Audeze LCD-GX?

Wenn wir schon bei der offenen Bauweise sind: Das LCD-GX glänzt daher durch eine sehr weite Klangbühne. Der räumliche Eindruck ist schlicht überwältigend. Ich habe das Gefühl, wirklich mittendrin zu sein.

In Counter-Strike: Global Offensive und anderen Shootern kann ich Schritte dadurch noch präziser wahrnehmen und im virtuellen Raum verorten als mit anderen hochwertigen Kopfhörern und Headsets. So etwas hab ich bei einem Gaming-Headset bislang nicht erlebt.

Nicht einmal das außergewöhnlich gute Penrose X, das ebenfalls von Audeze stammt, kann hier mithalten. Und das ist schon besser als alles, was ich bisher in Händen gehalten habe. In der Art kenne ich das nur vom Sennheiser HD800S, der jedoch für das Hören von Musik konzipiert ist. Aber wie gesagt, ein wesentlicher Teil dieses Kunststücks entfällt auf die offene Bauweise.

Das Audeze LCD-GX samt Mikrofon. Das Audeze LCD-GX samt Mikrofon.

Ob das fantastische Kena: Bridge of Spirits oder Monster Hunter Rise, alle von mir damit getesteten Spiele wirken mit dem LCD-GX greifbarer und lebendiger. Sei es das fein aufgedröselte Rascheln von Blattwerk oder das ferne Jaulen einer Bestie, es weiß den Klang und die räumliche Tiefe besser abzubilden als andere Headsets.

An dieser Stelle muss ich aber gleich einschränkend sagen, dass die Bässe tendenziell etwas schwächer ausfallen. Auch das ist der offenen Bauweise geschuldet. Es kann einfach nicht so viel Schalldruck aufgebaut werden, wie das bei geschlossenen Modellen der Fall ist. Und die meisten Gaming-Headsets sind geschlossen, allein schon deshalb, um Geräusche von außen weitgehend zu unterdrücken. Mich stört das allerdings keineswegs.

Denn schlecht ist der Bass trotzdem nicht. Er untermalt aber eher die Mitten und Höhen der planaren magnetischen Treiber, als dass er selbst im Vordergrund steht. Apropos Mitten und Höhen: Hier kann der LCD-GX aus dem Vollen schöpfen. Die fein granulare Auflösung verschluckt nichts, durch den breiten Frequenzganz wirken auch noch so hohe Töne stets offen und leicht.

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Es empfiehlt sich allerdings, eine gute Soundkarte oder einen audiophilen DAC (Digital-Analog-Wandler) zwischen PC und Kopfhörer zu schalten, um das Klangpotenzial auch wirklich auszunutzen. Das ist gerade wenn es um Musik geht nicht mehr mit einem normalen Gaming-Headset vergleichbar.

Wo hochwertigen Geräten wie dem Steelseries Arctis 9x oder dem sehr guten Corsair Virtuoso RGB Wireless XT längst die Luft ausgeht, spielt das LCD-GX noch locker auf. Klar, dafür sind Letztere gar nicht ausgelegt, aber dennoch.

Musik mit dem LCD-GX zu hören, ist also schlicht ein Hochgenuss. Auch hier kann ich als einzigen würdigen Vergleich lediglich den Sennheiser HD800S heranziehen. Der ist mit 1.800 Euro beinahe doppelt so teuer und verrichtet insgesamt noch einmal einen etwas besseren Job. Aber groß ist der Abstand keinesfalls.

Wie trägt sich das Audeze LCD-GX?

Neben dem tollen Sound besticht das LCD-GX durch eine sehr hohe Verarbeitungsqualität. Die Magnesium-Schalen sind dazu recht leicht, was inklusive Kabel zum moderaten Gewicht von 550 Gramm beiträgt (ohne Kabel 493 Gramm).

Das Headset sitzt mit seinen Lederpolstern jederzeit bequem und ist mir selbst nach stundenlangem Tragen nicht zu viel. Ein Pluspunkt, der ebenfalls in der offenen Bauweise begründet ist: Mir wird auch nicht unangenehm warm um die Ohren, weil stets für eine gute Belüftung gesorgt ist.

Wie gut ist das Mikrofon?

Das Mikrofon erfüllt hingegen lediglich seinen Zweck. Es gibt Sprache fein und klar wieder, ist dabei aber gefühlt etwas höhenlastig. Mikrofone an Headsets sind generell ein Thema für sich. Ich habe bislang noch nie ein wirklich Überwältigendes erlebt. Hier gibt es meiner Meinung nach bessere Lösungen in Form von Stand- oder hochwertigen Lavalier-Mikrofonen.

Wenn ihr nicht gerade 1.000 Euro für ein Gaming-Headset ausgeben, aber dennoch guten Klang haben wollt, empfehlen wir euch, einen Blick in unsere Kaufberatung zu den besten Headsets und Kopfhörern zu werfen.

Fazit der Redaktion

Alexander Köpf
@NebulaMutara

Ich kann mich eigentlich sehr kurz fassen: Mit dem Audeze LCD-GX spielt es sich großartig. Wer maximale Präzision bei der akustischen und räumlichen Darstellung in Spielen haben will, ist hier an der richtigen Stelle. Besser geht es meinem Höreindruck nach nicht.

Aber das LCD-GX ist keineswegs nur zum Spielen gedacht. Seine Stärken spielt es in Kombination mit einer Soundkarte oder einem USB-DAC und Musik aus. Hier merke ich auch ganz deutlich, wo die Wurzeln des LCD-GX liegen: Nämlich im HiFi- respektive audiophilen Segment. Dort ist der Hersteller Audeze einfach zuhause.

Das offene Design des Headsets ist Stärke und winziger Nachteil zugleich. Denn die Bässe sind dadurch erwartungsgemäß etwas zurückhaltend. Bei Mitten und Höhen spielen die planaren magnetischen Treiber locker auf, ich habe nie das Gefühl, dass irgendwas limitiert.

Außerdem trägt sich das LCD-GX sehr angenehm und ist mir selbst nach einem Gaming-Marathon nicht zu schwer. Dafür ist das Mikrofon nur guter Durchschnitt, wie eigentlich bei allen Headsets – leider.

Ist das LCD-GX nun seine fast 1.000 Euro wert? Die Frage stellt sich bei solchen Geräten eigentlich nicht. Sie richten sich an ein besonderes Publikum, zudem ich ehrlicherweise auch zähle. Klar, den Unterschied selbst zu teuren normalen Geräten kann man deutlich hören. Aber das LCD-GX ist so etwas wie der Maybach unter den Gaming-Headsets – und braucht man den wirklich?

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