Azeron Keyzen im Test: Kralle statt Gaming-Tastatur – mein Fazit nach 60 Tagen

Dieser Tastatur-Controller-Hybrid sieht aus wie eine Kralle, aber genau das macht ihn so komfortabel.

Vier Finger bedienen den Großteil aller Tasten und der Daumen zwei Joysticks und zwei weitere Tasten. Es gibt auch Linkshänder-Versionen. (Bildquelle: Duy Linh DinhGameStar Tech) Vier Finger bedienen den Großteil aller Tasten und der Daumen zwei Joysticks und zwei weitere Tasten. Es gibt auch Linkshänder-Versionen. (Bildquelle: Duy Linh Dinh/GameStar Tech)

Ich spiele nicht so gerne mit Gaming-Tastaturen, weil ich Controller insgesamt ergonomischer finde und meine Spiel-Charaktere gerne mit einem Analog-Stick oder einem D-Pad steuere. Trotzdem schiele ich immer wieder neidisch zu den Schreibbrettern, weil sie durch die schiere Anzahl an Tasten einfach viel flexibler sind.

Ebendarum machen mich Tastatur-Alternativen wie diese hier besonders neugierig. Der Azeron Keyzen hat viele Tasten, die in direkter Fingerreichweite sind und einen Analog-Stick, wie man ihn von Gamepads kennt.

Ich habe etwa 60 Tage mit dieser kuriosen »Tastatur« gespielt und hatte richtig viel Spaß, aber dafür musste ich mich voll und ganz darauf einlassen.

Transparenzhinweis: Azeron hat mir den Keyzen für den Test kostenfrei zur Verfügung gestellt. Der Hersteller hatte keinen Einfluss auf den Artikelinhalt und bekam keine Einsicht vor dem Erscheinen des Tests. Es bestand keine Verpflichtung zu einem Testbericht.

Azeron Keyzen
Azeron Keyzen
Der Azeron Keyzen ist ein ungewöhnliches, aber spannendes Eingabegerät, das eine ergonomische Alternative zur klassischen Tastatur darstellt. Wer bereit ist, die steile Lernkurve in Kauf zu nehmen, bekommt ein individuell anpassbares Keypad mit Analogstick, das sowohl Komfort als auch spielerische Vorteile bietet.

Verarbeitung und Handhabung sind nicht perfekt, insgesamt aber überzeugend genug für eine klare Empfehlung – vor allem für Spieler und Spielerinnen, die mit herkömmlichen Tastaturen nicht warm werden.
  • Ergonomisches, individuell anpassbares Design
  • Analogstick für präzisere Steuerung als WASD
  • Viele Tasten in direkter Fingerreichweite
  • Profile direkt am Gerät speicherbar
  • Platzsparend auf dem Schreibtisch
  • Deutliche Eingewöhnungszeit/Lernkurve
  • Schrauben lockern sich von selbst
  • 3D-Druck-Optik wirkt nicht besonders hochwertig
  • Unbeschriftete Tasten erschweren Orientierung

Was ist der Azeron Keyzen überhaupt?

Der Keyzen ist ein sogenanntes Keypad: eine Mischung aus Keyboard und Gamepad. 

Der Keyzen sieht zwar komisch aus, ist aber überaus komfortabel. (Bildquelle: Duy Linh DinhGameStar Tech) Der Keyzen sieht zwar komisch aus, ist aber überaus komfortabel. (Bildquelle: Duy Linh Dinh/GameStar Tech)

Insgesamt stehen euch 26 Tasten mit Box-Schaltern, wie man sie von mechanischen Tastaturen kennt, zur Verfügung. Dazu kommt ein Hall-Effekt-Analog-Stick und ein digitaler Acht-Wege-Joystick. 

Die Krallenform sorgt dafür, dass man alle Tasten etwas schneller erreichen kann als bei einer herkömmlichen Tastatur. Hinzu kommt, dass ihr die Bewegung eures Spiel-Charakters auf den Analog-Stick auslagern könnt. Die Finger müssen also die WASD-Tasten nicht bedienen und sind frei für alle anderen Aktionen. 

Mit einer kleinen Taste an der Seite des Gerätes kann zwischen sechs verschiedenen Profilen gewechselt werden, die auf dem Keyzen abgespeichert werden. So lässt sich das Keypad an verschiedenen Geräten verwenden, ohne vorher eine Software installieren zu müssen. 

Ergonomisches Design: Die einzelnen Tastentürme, das Analogstick-Modul und die zwei Daumentasten, lassen sich durch Lösen von Schrauben verschieben oder im Winkel verstellen. So lässt sich der Azeron Keyzen sehr individuell auf die eigene Handgröße einstellen. 

Mir fiel jedoch negativ auf, wie schnell sich diese Schrauben von selbst lockern. Alle paar Wochen musste ich sie nachziehen, obwohl das Gerät nur auf meinem Schreibtisch lag. 

Der Azeron Keyzen sieht aus wie kaum eine andere Gaming-Peripherie. (Bildquelle: Duy Linh DinhGameStar Tech) Der Azeron Keyzen sieht aus wie kaum eine andere Gaming-Peripherie. (Bildquelle: Duy Linh Dinh/GameStar Tech)

Wie ist die Verarbeitung? Der Azeron Keyzen stammt zum großen Teil aus einem 3D-Drucker und das merkt man auch. Das Keypad ist nicht schlecht verarbeitet, aber auch nicht überragend gut. Laut Azeron hat diese Art der Produktion den Vorteil, schnell auf Kundenwünsche reagieren und Anpassungen an den Produkten vornehmen zu können.

Wie spielt es sich damit?

Es ist nicht leicht: Wie bei vielen von diesen Keypads, die ich bisher ausprobiert habe, existiert eine gewisse Lernkurve. Und diese solltet ihr nicht unterschätzen. 

Als ich das erste Mal angefangen hatte, mit All-Button-Fightsticks Fighting Games zu spielen, habe ich auch eine Weile gebraucht, bis ich meinen Charakter anständig steuern konnte, geschweige denn schwierige Kombos auszuführen. 

Das Spielen mit dem Azeron Keyzen ist meiner Einschätzung nach noch ein Stückchen schwerer zu erlernen:

  • Die Tastenkappen sind nicht beschriftet, was auch Sinn ergibt, weil sie individuell belegbar sind. Das macht es aber schwieriger, sich zu merken, welche Funktion man auf welche Taste gelegt hat. »Wo war noch einmal die T-Taste?«.
  • Noch schwieriger wird es, wenn ihr alle sechs Profile nutzt, sie unterschiedlich konfiguriert habt und regelmäßig zwischen ihnen wechselt. 

Mit der Taste neben dem Logo wechselt man zwischen den Profilen, die auf dem Gerät gespeichert sind. Die LEDs an der Seite zeigen an, welches gerade ausgewählt ist. (Bildquelle: Duy Linh DinhGameStar Tech) Mit der Taste neben dem Logo wechselt man zwischen den Profilen, die auf dem Gerät gespeichert sind. Die LEDs an der Seite zeigen an, welches gerade ausgewählt ist. (Bildquelle: Duy Linh Dinh/GameStar Tech)

Man kann es sich aber leichter machen: Weil ganz normale Cherry-MX-Schalter verwendet werden, steht es euch frei, eigene Tastenkappen anzubringen, die euch bei der Orientierung helfen. Dass mein Modell für die mittlere Reihe weiße Tastenkappen verwendet, war auch schon hilfreich.

Was mir aber am meisten beim Lernen geholfen hat, ist ein Tastenlayout, das einer Tastatur ähnelt:

  • Die unterste Reihe habe ich mit YXCV belegt, die zweite mit QWERF und die darüber mit 1234 und so weiter. So konnte ich den Azeron Keyzen schneller per Intuition verwenden.
  • Es ist allerdings dennoch gewöhnungsbedürftig, dass in meinem Layout WASD fehlt, weil ich diese mit dem Analog-Stick betätige.

Über die Azeron Software erstellt ihr bis zu sechs Profile, die auf dem Gerät abgespeichert werden. (Bildquelle: Duy Linh DinhGameStar Tech) Über die Azeron Software erstellt ihr bis zu sechs Profile, die auf dem Gerät abgespeichert werden. (Bildquelle: Duy Linh Dinh/GameStar Tech)

Mit unterschiedlichen Profilen komme ich trotzdem (noch) nicht klar. Ich befinde mich noch immer in der Lernphase. Es lohnt sich trotzdem …

Es macht aber richtig Spaß: Ich habe mich bei meinem Testgerät für blaue Cherry-MX-Schalter entschieden, die richtig zufriedenstellend und hörbar klicken. Das macht so viel Spaß, dass ich den Azeron Keyzen oft sogar nur als Fidget-Toy verwende.

Es mag zuerst befremdlich sein, aber jede Taste in so greifbarer Nähe zu haben und den Daumen für den Analog-Stick ergibt einfach Sinn und fühlt sich nach einer Weile sehr natürlich an – dazu trägt natürlich auch die hervorragende Ergonomie bei. 

Neben dem Spielkomfort bietet der Azeron Keyzen vier spielerische Vorteile:

  • Während beim Spielen mit einer Tastatur in der Regel drei Finger für die Bedienung von WASD notwendig sind, benötigt man dafür beim Azeron Keyzen nur den Daumen. Die restlichen Finger bleiben frei. So gibt es keinen Moment, an dem die Steuerung des Spielcharakters unterbrochen wird. 
  • Die Tasten sind alle um die Position der Finger gruppiert und lassen sich somit potenziell schneller erreichen als bei einer Tastatur. In der Realität platziert man die wichtigsten Tasten ohnehin in der Nähe der WASD-Tasten, weshalb dieser Vorteil unter Umständen nicht immer relevant ist.
  • Bei Spielen, die eine simultane Steuerung per Tastatur, Maus und Controller erlauben, ist es möglich, mit dem Analog-Stick auch wirklich analoge Eingaben zu machen. So lässt sich der Charakter präziser steuern als mit WASD. In vielen Spielen wechselt das HUD-Interface dann jedoch wild zwischen Tastatur- und Controller-Eingaben hin und her. 
  • Das Gerät nimmt selbst weniger Platz auf eurem Schreibtisch ein als die kleinsten Gaming-Tastaturen. So habt ihr maximalen Freiraum für eure Maus.

Der Azeron Keyzen nimmt nur sehr wenig Platz auf dem Schreibtisch ein. (Bildquelle: Duy Linh DinhGameStar Tech) Der Azeron Keyzen nimmt nur sehr wenig Platz auf dem Schreibtisch ein. (Bildquelle: Duy Linh Dinh/GameStar Tech)

Wissenswertes zum Test
Spezifikationen
  • Drei verschiedene mechanische Cherry-MX-Schalter-Typen
  • Empfohlene Länge vom Handgelenk bis zur Fingerspitze: 20–21 cm (7,9–8,3 Zoll) oder mehr
  • 360-Grad-Hall-Effekt-Thumbstick
  • 32 belegbare Tasteneingaben
  • DSA-Tastenkappen mit visuellen Anpassungsoptionen;
  • Einstellbar und ergonomisch
  • Verfügbar für Links- und Rechtshänder (ausgenommen Sondereditionen)
  • Bis zu 6 integrierte Profile
  • Anpassbares Design, inkl. RGB-Profilbeleuchtung.
Preis und Verfügbarkeit
  • Verfügbarkeit: Der Azeron Keyzen ist auf der Webseite des Herstellers verfügbar und kann bei der Bestellung nach eigenen Bedürfnissen konfiguriert werden.
  • Preis: Ab 185 Euro
So habe ich getestet

Ich habe mit dem Azeron Keyzen überwiegend First- und Third-Person-Shooter, wie Control, Quantum Break, Hell Let Loose, Sniper Elite 5 und Slime Rancher 2 gespielt.

Solltet ihr euch den Azeron Keyzen kaufen?

Der Azeron Keyzen ist für euch, wenn …

  • … Tastaturen euch ergonomisch nicht zusagen.
  • … ihr kompetitiv Shooter spielt und jeder kleinste Vorteil zählt.
  • … es euch reizt, eine neue Art und Weise des Spielens zu entdecken.

Mögliche Alternativen

Move Master: Der Move Master stammt aus Deutschland und ist in der Funktionsweise ganz ähnlich, nur dass anstelle eines Analog-Sticks ein Acht-Wege-Joystick zum Einsatz kommt, den ihr mit dem ganzen Handgelenk steuert. Er ist exzellent verarbeitet, aber auch ein gutes Stück teurer als der Azeron Keyzen.

Azeron Cyborg II: Der Azeron Cyborg II verwendet statt Tastatur-Schaltern Mausklick-Schalter. Außerdem werden einige Tasten mit den Fingerknöcheln oder durch Strecken der Finger betätigt, was sehr gewöhnungsbedürftig, aber unter Umständen schneller ist.

Einhandtastaturen: Solltet ihr auf eurem Schreibtisch lediglich Platz für mehr Maus-Bewegungsfreiraum einrichten wollen, könnte der Kauf einer Einhandtastatur ausreichen. Sie sind deutlich günstiger als diese Keypads und weitverbreitet. 

Meine Empfehlung: Der Azeron Keyzen ist nicht günstig, bietet euch aber ein Spielerlebnis, das nahezu einzigartig ist. Wenn euch Gaming-Tastaturen nicht liegen und Gamepads euch durch die Anzahl der Tasten zu eingeschränkt vorkommen, dann könnte sich die Investition langfristig lohnen.

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