Kühlungsdilemma: Warum leise und kühle Laptops auch 2025 eine Seltenheit bleiben

Viele Notebooks werden heiß und unangenehm laut. Stellt sich die Frage ob 2025 vielleicht endlich das Jahr der leisen und kühlen Notebooks wird?

Im letzten Jahr hatte ich eine Vielzahl von Notebooks in den Fingern. Viele davon waren ziemlich gut, um andere würde ich persönlich einen Bogen machen. Bei den meisten Geräten gab es während meiner Tests zwei Probleme, die mich wahnsinnig genervt haben: die hohen Temperaturen und das Betriebsgeräusch

Sven Scharpe
Sven Scharpe

Sven ist ein echter Notebook-Aficionado und hat sowohl beruflich als auch privat schon unzählige Geräte auf Herz und Nieren beziehungsweise auf Chip und RAM geprüft. Obwohl er keine speziellen Vorlieben hinsichtlich Hersteller oder Betriebssysteme hat, ist er nach wie vor auf der Suche nach dem für ihn perfekten mobilen Rechner.

Heiß und laut ist out und trotzdem die Regel

Fast jedes Notebook hat zumindest mit einem davon zu kämpfen, entweder es ist leise oder kühl. Im Extremfall ist es weder das eine noch das andere. Auf diese Problematik bin ich ja schon häufiger mal eingegangen.

Grundsätzlich ist in einem Notebook-Gehäuse nicht viel Platz, es soll ja auch möglichst kompakt sein, damit ihr es mobil nutzen könnt. Das bedeutet natürlich auch, dass wenig Raum für Kühlung bleibt. Letztlich besteht das Kühlsystem eines Notebooks aus ein paar Heatpipes, meist zwei Lüftern und mehreren flachen Kühlkörpern, die oft kleiner als eine Streichholzschachtel sind. 

So heiß wird die Tastatur eures Notebooks hoffentlich nicht, Temperaturen über 40 °C sind aber keine Seltenheit. (Quelle: Adobe Stock) So heiß wird die Tastatur eures Notebooks hoffentlich nicht, Temperaturen über 40 °C sind aber keine Seltenheit. (Quelle: Adobe Stock)

Da zeichnet sich schon ab, dass eine Abwärme von 200 oder mehr Watt nicht ganz so einfach abtransportiert werden kann wie in einem ausgewachsenen Desktop-PC. Viele Hersteller haben das Problem durchaus erkannt und setzen mittlerweile Flüssigmetall statt normaler Wärmeleitpaste ein, um ihre Kühllösungen zu optimieren. Dazu kommt natürlich auch, dass das vom CPU-Hersteller vorgegebene maximale Temperaturlimit komplett ausgenutzt wird, was ja auch legitim ist. 

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Schlankheitswahn bei Notebooks

Das ist die eine Seite, auf der anderen könnt ihr schon länger einen Trend zu möglichst dünnen und leistungsstarken Notebooks beobachten. Dass sich dieser auch in diesem Jahr fortsetzen wird, ist klar. Das auf der CES vorgestellte Blade 16 von Razer wird in der kommenden Revision dünner als 1,5 Zentimeter sein. Im Inneren sollen trotzdem eine High-End-CPU und eine RTX-5090-Laptop mit der vollen TGP von 155 Watt arbeiten.

Das Razer Blade (2025) wird an der dünnsten Stelle nur 1,49 Zentimeter dick sein. (Quelle: Razer) Das Razer Blade (2025) wird an der dünnsten Stelle nur 1,49 Zentimeter dick sein. (Quelle: Razer)

Fairerweise muss man natürlich sagen, dass das Blade 16 an seiner dünnsten Stelle rund 1,49 Zentimeter dick ist, im hinteren Bereich, wo sich die Kühlung befindet, wird es etwas ausladender sein. Trotzdem bin ich sehr gespannt, wie der Hersteller die Temperaturen und den Geräuschpegel im Griff hat. 

Ich bin mir ziemlich sicher, dass Razer viel Arbeit in die Kühlung gesteckt hat und am Ende ein solides Ergebnis präsentieren kann. Das Blade 16 ist aber auch ein Premium-Produkt, an dem ein entsprechendes Preisschild hängt.

Das neue Razer-Notebook wird aber sicher nicht der einzige besonders flache Gaming-Laptop im Jahr 2025 bleiben, und je günstiger das Modell verkauft wird, desto einfacher wird am Ende die Kühlung ausfallen. Und je einfacher die Kühlung, desto weniger Reserven gibt es, was letztlich in hohen Temperaturen und/oder einer hohen Lautstärke resultiert. 

So wie beim Acer Helios Neo 14 sieht das typische Kühlsystem eines Notebooks aus. So wie beim Acer Helios Neo 14 sieht das typische Kühlsystem eines Notebooks aus.

Lösungen?

So wirklich viele Optionen, die Kühlung zu verbessern, gibt es leider aktuell nicht. XMG verfolgt bei einigen seiner Modelle den Ansatz, dass das Gerät im stationären Betrieb mit einer externen Wasserkühlung betrieben werden kann. Durchaus eine valide Lösung, aber nicht jeder möchte einen zusätzlichen Radiator auf dem Schreibtisch stehen haben oder diesen mit sich herumschleppen.

Überwiegend bei hochpreisigen Geräten werden statt normaler Heatpipes sogenannte Vapor Chambers eingesetzt. Diese arbeiten etwas effektiver als die Wärmerohre, sind aber auch deutlich teurer. Was es braucht, wären mehr und größere Kühlkörper im Geräteinneren. Dazu müssten dann allerdings auch wieder mehr Lüfter verbaut werden, um diese zu kühlen. Ihr seht, es ist kompliziert. 

So sieht der Querschnitt einer Heatpipe aus. (Quelle: Wikipedia) So sieht der Querschnitt einer Heatpipe aus. (Quelle: Wikipedia)

Ein Traum wäre eine geschlossene und vollintegrierte Wasserkühlung im Gerät, das ist technisch allerdings nicht wirklich umsetzbar. Hinzu kommt, dass ein Laptop dadurch deutlich an Gewicht zulegt. Und selbst wenn es möglich wäre, würde die Kühlleistung aufgrund der kleinen Kühlkörper wohl einfach verpuffen.

Die Hardware könnte der Schlüssel sein

Der einzige Weg zu einem kühlen und leisen Notebook wäre es, Komponenten mit weniger Verlustleistung zu verbauen. Das wird ja auch bei vielen Geräten gemacht, die Chip-Hersteller geben den Herstellern ganz offiziell die Möglichkeit dazu.

So lässt sich zum Beispiel eine RTX 4070m mit einer TGP zwischen 35 bis 115 Watt frei konfigurieren. Das bringt nur leider wenig, wenn gleichzeitig auch die Qualität des Kühlsystems zurückgeschraubt wird. 

Bliebe als letzte Möglichkeit nur noch der Einsatz von speziell selektierten Chips, die mit deutlich weniger Strom dennoch die volle Leistung bringen können. Klassisches Undervolting also. Hier wird dann auch wieder der Preis zum Problem. Wenn die Notebook-Hersteller selbst selektieren, ist das natürlich mit einem hohen Aufwand verbunden.

Und wenn Chip-Riesen wie AMD, Intel oder Nvidia das übernehmen, werden sie sich die Mehrarbeit natürlich fürstlich vergüten lassen. Die höheren Preise darf dann am Ende natürlich der Käufer bezahlen. 

So ernüchternd die Erkenntnis auch ist, wir werden wohl erst mal alle mit hohen Temperaturen, heißen Oberflächen und mehr oder weniger laut rauschenden Lüftern leben müssen.

Stören euch die Temperaturen und der Geräuschpegel eures Notebooks oder könnt ihr damit gut leben? Ich freue mich auf eure Kommentare.

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