Manche Prognosen altern besser als andere. Diese hier gehört nicht dazu: Bill Gates hielt Apples iPad für nett, aber verzichtbar – zu einem Zeitpunkt, an dem das Gerät noch in keinem Laden stand.
Vorgestellt hatte Apple das Tablet am 27. Januar 2010, in den Verkauf ging es erst am 3. April. Dazwischen sprach der Microsoft-Mitgründer mit dem inzwischen eingestellten Wirtschaftsmagazin BNET (via TechRadar). Sein Urteil dort:
Ich bin ein großer Freund von Touch und digitalem Lesen, aber ich halte weiterhin eine Mischung aus Sprache, Stift und einer echten Tastatur – also ein Netbook – für den künftigen Mainstream. Es ist ein netter Reader, aber es gibt nichts auf dem iPad, bei dem ich denke: ›Ach, ich wünschte, Microsoft hätte das gemacht.‹
Beim iPhone habe er sehr wohl gedacht, Microsoft habe nicht hoch genug gezielt, räumte Gates im selben Gespräch ein. Beim iPad kam dieses Gefühl eben nicht auf.
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Die Netbook-Wette
Gates Aussage stand zumindest auf ersten Blick nicht unbedingt auf einem wackeligen Fundament: Netbooks hatten ab Ende 2007 mit dem Asus Eee PC einen kurzen, heftigen Boom. Stift, Tastatur, Spracheingabe – gewissermaßen alles, was dem iPad zumindest ohne externes Zubehör fehlte, wie der damalige Microsoft-Chef meinte.
Der Versuch war nach rund fünf Jahren vorbei. Zum 1. Januar 2013 stellten mit Asus und Acer die letzten großen Anbieter die Produktion ein, weil Tablets und günstige Notebooks die Kategorie von beiden Seiten aufgefressen hatten. Gates hatte sich also ausgerechnet auf die Gattung festgelegt, die als erste verschwand.
Wie der Tablet-Markt heute dasteht
Apple lieferte 2025 nach Marktforschungs-Zahlen rund 60 Millionen iPads aus. Für 2026 erwartet Counterpoint Research einen iPad-Marktanteil von 39 Prozent nach 35 Prozent im Vorjahr – und das in einem Markt, der insgesamt schrumpft.
Eine Microsoft-eigene Antwort auf das iPad folgte übrigens erst im Oktober 2012 mit dem Surface mit Windows RT. Die Surface-Pro-Reihe hat sich seither etabliert, den Markt anführen konnte sie indes nie.
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