Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) hat einen umfassenden Bericht zur IT-Sicherheit von zehn gängigen Passwort-Managern veröffentlicht. Die Analyse, die gemeinsam mit dem FZI (Forschungszentrum Informatik) durchgeführt wurde, offenbart teils erhebliche Sicherheitsbedenken bei mehreren Produkten – insbesondere beim Zugriff durch Hersteller auf Nutzerdaten.
Das BSI wählte Passwort-Manager aus, die für die gängigsten Betriebssysteme verfügbar sind – also Windows, macOS, Android und iOS. Zudem mussten die Anwendungen über sichere Vertriebskanäle erhältlich sein.
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Vier Manager mit kritischen Schwächen
Die klare Erkenntnis: Bei vier der getesteten Passwort-Manager soll laut BSI ein theoretisches Sicherheitsrisiko bestehen; drei von zehn speichern Passwörter laut BSI in einer Weise, die Herstellern einen Zugriff theoretisch ermöglicht.
- Besonders deutlich äußert sich das BSI zu PassSecurium: »Die Tatsache, dass der Hersteller jederzeit auf gespeicherte Passwörter von Nutzenden zugreifen kann, ist mit grundsätzlichen Sicherheitsanforderungen an Passwort-Manager unvereinbar«, erklärt die Behörde.
- Das BSI rät explizit von der Nutzung der Free/Standard-Apps (Version 1.1.63 für Android und 2.1.2 für iOS) ab.
Ähnliche Bedenken hat das BSI beim mSecure Password Manager. Der Hersteller könne laut BSI-Bewertung theoretisch auf die Daten zugreifen. Die Behörde sieht hier »insgesamt nicht die üblichen Erwartungen an Passwort-Manager« erfüllt. Verbraucher sollten prüfen, ob dem Hersteller »ohne objektive Grundlage das notwendige Vertrauen« entgegenzubringen sei.
Beim Chrome-Passwort-Manager bemängelt das BSI potenziellen Datenzugriff durch Google, sofern keine Passphrase von Nutzern gesetzt wurde. Auch die On-Device-Verschlüsselung lasse laut BSI theoretisch Zugriff bei aktiver Benutzung zu. Ebenfalls problematisch: Nicht alle Felder werden verschlüsselt, so liegen etwa Nutzernamen im Klartext vor.
Der SecureSafe Password-Manager kann dem BSI zufolge ebenfalls zu potenziellen Herstellerzugriffen führen, da dieser die Daten nur serverseitig ver- und entschlüsselt.
- Das BSI weist darauf hin, dass Nutzer entsprechend den »kompensatorischen Maßnahmen« der Entwickler vertrauen müssen, deren Wirksamkeit sich nicht objektiv überprüfen lässt.
- Der S-Trust Passwort-Manager, ein Sparkassen-Produkt, basiert laut BSI auf derselben Technologie und unterliegt denselben Bedenken. Die Sparkassen werden den Betrieb zum 31. März 2026 einstellen.
Diese Manager überzeugen das BSI
Immerhin gab es auch Anwendungen, die sich wesentlich zuverlässiger in der BSI-Untersuchung präsentieren und keine gravierenden Schwachstellen aufweisen. Die uneingeschränkte Empfehlung unter den zehn getesteten Passwort-Managern ist in diesem Kontext 1Password, das laut BSI keine Designfehler aufweisen soll.
- Der Firefox-Passwort-Manager lässt sich laut BSI-Einschätzung bedenkenlos nutzen, sofern die Einstellung »Hauptpasswort setzen« aktiviert wurde. Die Synchronisation mit dem Mozilla-Konto sollte aktiviert werden – oder ihr sorgt eigenständig für eine Sicherung.
- Bei KeePass2Android gibt es für das BSI ebenfalls keine Probleme – allerdings solltet ihr hier selbst ein Backup anlegen. KeePassXC erhält nahezu die gleiche Einordnung, wobei das BSI hier anmerkt, einen Zeitraum einzustellen, nach dem die App sich selbst gegen Zugriff sperrt.
- Der Avira-Passwort-Manager nutzt laut BSI nicht überprüfbare kryptografische Algorithmen. Dies erfordert Vertrauen in den Hersteller. Das BSI empfiehlt, die biometrische Authentifizierung zu deaktivieren und das Masterpasswort zusätzlich an einem sicheren Ort aufzubewahren.
Kein Grund, auf Passwort-Manager zu verzichten
Obwohl das BSI Verbesserungsbedarf identifiziert, gibt die Behörde in der Pressemitteilung auch eine Entwarnung mit auf den Weg: Es gibt keinen Grund, auf Passwort-Manager zu verzichten.
Der Nutzen überwiegt die Risiken schlichtweg bei weitem. Das Wiederverwenden von oder grundsätzlich schwache Passwörter führen laut BSI zu deutlich höheren Phishing-Anfälligkeiten. Die Implementierungsmängel einzelner Produkte sind damit weniger kritisch als die Risiken ohne Passwort-Manager.
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