Bei MediaMarkt ist eine Profi-Kamera im Angebot und ich habe mit ihr 1.693 Fotos geschossen – wie gut ist das Angebot?

Lohnt sich die Canon EOS RP mit 24-105er-Objektiv für 888 Euro? ich habe die Kamera lange selbst besessen und sage euch, was ihr vor dem Kauf wissen solltet.

Lohnt sich die Canon EOS RP mit Kit-Objektiv für 888 Euro? (Bildquelle: Canon, MediaMarkt) Lohnt sich die Canon EOS RP mit Kit-Objektiv für 888 Euro? (Bildquelle: Canon, MediaMarkt)

Bei MediaMarkt ist aktuell die Canon EOS RP, eine günstige Vollformatkamera, im Angebot. Dazu gibt es ein vielseitiges Objektiv mit großem Zoombereich. Ich habe die Kamera und das Objektiv lange selbst genutzt und damit exakt 1.693 Fotos geschossen – und hier sage ich, ob sich der Deal lohnt oder ob es bessere Optionen gibt. 

Der MediaMarkt-Deal unter der Lupe

Für 888 Euro erhaltet ihr die Canon EOS RP mit dem Canon RF 24-105 mm F/3.5-7.1-Objektiv.

  • Das Gehäuse alleine kostet gerade etwa 720 Euro. 
  • Der Einzelpreis vom Objektiv beträgt 424 Euro.

Auf dem Papier spart ihr also 256 Euro – ein ziemlich guter Deal, wenn ihr beide Komponenten ohnehin kaufen wolltet. Es gibt aber einige Dinge, die ihr über die Kamera und das Objektiv wissen solltet, bevor ihr zuschlägt. 

Canon EOS RP – günstiger Einstieg ins Vollformat

Was die Canon EOS RP so besonders macht, ist der große Vollformat-Bildsensor für einen verhältnismäßig niedrigen Preis. 

Was ist ein Vollformat-Bildsensor und was bringt er? 

Ein Vollformat-Sensor ist ein Bildsensor in der Größe eines klassischen 35mm-Films (36 x 24 mm). Er steckt in meist teuren Kameras und kann im Vergleich zu kleineren Formaten deutlich mehr leisten.

Vorteile:

  • Höhere Bildqualität: Größere Sensorfläche bedeutet mehr Licht pro Pixel. Das sorgt für bessere Details, weniger Rauschen und einen höheren Dynamikumfang.
  • Besser bei schlechtem Licht: Vollformat-Kameras liefern auch bei wenig Licht klare Bilder mit weniger Körnung.
  • Geringere Schärfentiefe: Ideal für Porträts mit schönem Bokeh (unscharfer Hintergrund).
  • Weitwinkliger Bildausschnitt: Objektive zeigen den vollen Bildwinkel. Das ist etwa gut für Landschaften und Architektur.

Bildqualität: Der Bildsensor der Canon EOS RP hat eine Auflösung von 26,2 Megapixeln, was für nahezu alle möglichen Motive ausreicht und es euch erlaubt, groß zu drucken oder im Nachgang den Bildausschnitt zu beschneiden. 

Die Bildqualität liegt auf einem sehr hohen Niveau. Nach den fast 1.700 Fotos gab es nicht ein Einziges, bei dem ich die Bildqualität bemängeln musste. Die Kamera liefert dank des großen Sensors selbst bei sehr hohen ISO-Einstellungen noch sehr rauscharme Fotos mit realistischen Farben. 

Für diesen Preis erhaltet ihr eine Kamera mit wirklich exzellenter Bildqualität.

Das mitgelieferte Canon RF 24-105 mm F3.5-7.1-Objektiv ist zwar nicht besonders lichtstark, bietet aber einen großen Zoombereich, hohe Schärfe, schnellen Autofokus und ist kompakt. Das mitgelieferte Canon RF 24-105 mm F/3.5-7.1-Objektiv ist zwar nicht besonders lichtstark, bietet aber einen großen Zoombereich, hohe Schärfe, schnellen Autofokus und ist kompakt.

Verarbeitung und Komfort: Das Gehäuse besteht zwar aus Kunststoff, fühlt sich aber keineswegs billig verarbeitet an. Ganz im Gegenteil. Die Kamera macht einen robusten Eindruck und ist äußerst ergonomisch – und das muss ich Canon lassen. Ihre Kameras gehören zu den komfortabelsten, die ich kenne. Selbst lange Teleobjektive lassen sich an der Kamera bequem bedienen (das Canon RF 600 mm F11 ist mein Lieblingsobjektiv im Canon-System).

Die Kamera ist äußerst komfortabel. Die Kombination mit dem 24-105er fühlt sich sehr ausbalanciert an. Der Kontrast bei diesem Foto ist so niedrig, weil die Spiegelfolie sehr trüb war. Die Kamera ist äußerst komfortabel. Die Kombination mit dem 24-105er fühlt sich sehr ausbalanciert an. Der Kontrast bei diesem Foto ist so niedrig, weil die Spiegelfolie sehr trüb war.

Autofokus: Die Canon EOS RP mit dem 24-105er fokussiert zügig und zuverlässig. Ich habe mit dieser Kombination selbst Vögel im Flug zuverlässig scharf stellen können. Ihr müsst allerdings auf fortgeschrittene Motiverkennung, wie bei der teureren Canon EOS R5, verzichten. Damit erkennt die Kamera automatisch, ob sich etwa ein Vogel, ein Mensch oder ein Flugzeug vor eurer Linse befindet. Trotzdem war ich mit der Autofokus-Leistung der Canon EOS RP immer zufrieden.

Video: Genauso wie die Fotos haben die Videos eine hohe Qualität. Aber trotzdem würde ich euch die Canon EOS RP nicht empfehlen, wenn ihr damit hauptsächlich filmen wollt. Die 4K-Videos werden recht stark beschnitten und der Sensor liest nicht schnell genug aus, weshalb der »Rolling-Shutter«-Effekt sehr stark ausgeprägt ist. Das sorgt dafür, dass gerade Linien, wie Gebäude und Bäume, bei schnellen Bewegungen schief dargestellt werden. 

Objektiv-Auswahl: Wenn ihr euch für eine Vollformat-Canon-Kamera entscheidet, entscheidet ihr euch auch dafür, nur noch Objektive von Canon zu kaufen – solange ihr euch Autofokus wünscht. Der Hersteller erlaubt es Drittanbietern nämlich nicht, Objektive mit Autofokus für das Canon-Vollformat-System herzustellen. Die meisten Canon-Objektive sind zwar richtig gut, aber in der Auswahl seid ihr mit diesem System eingeschränkter als etwa bei Sony. 

Das Canon RF 50mm F1.2 hat zwar fast schon Legendenstatus, aber es war mir viel zu teuer. Deswegen habe ich ein TTartisan 50 mm F0.95 mit Leica M-Anschluss an die Canon EOS RP adaptiert. Das Canon RF 50mm F/1.2 hat zwar fast schon Legendenstatus, aber es war mir viel zu teuer. Deswegen habe ich ein TTartisan 50 mm F/0.95 mit Leica M-Anschluss an die Canon EOS RP adaptiert.

Achtung beim Kauf von Canon-Objektiven: Das Objektivsystem von Canon ist etwas verwirrend, weil der Hersteller drei verschiedene Anschlüsse hat. Bei zwei von diesen gibt es auch noch Objektive für das Vollformat und welche für das APS-C-Format:

  • Canon RF-Objektive: Für Canon Systemkameras (Vollformat und APS-C, diese Objektive sind für die Canon EOS RP geeignet)
  • Canon RF-S-Objektive: Für Canon Systemkameras (Nur APS-C, diese Objektive passen physisch, zeigen aber eine starke Vignettierung oder müssen mit verringertem Bildausschnitt verwendet werden)
  • Canon EF-Objektive: Für Canon Spiegelreflexkameras (Vollformat und APS-C)
  • Canon EF-S-Objektive: Für Canon Spiegereflexkameras (nur APS-C)
  • Canon EF-M-Objektive: Für Canons erstes spiegellose System (nur APS-C)

Eine Einschränkung bei der Belichtungszeit: Der folgende Absatz ist für euch nur relevant, wenn ihr mit lichtstarken Objektiven oder schneller Action fotografieren wollt.

Die Canon EOS RP erlaubt Belichtungszeiten von 30 Sekunden bis 1/4000 Sekunden. Das reicht für die meisten Situationen völlig aus. Spannend (und potenziell problematisch) wird es aber, wenn ihr sehr lichtstarke Objektive wie ein 50 mm f/0.95 nutzt und bei Tageslicht mit Offenblende fotografieren wollt. Dann sind extrem kurze Belichtungszeiten nötig, um das Bild korrekt zu belichten, zum Beispiel 1/4000 Sekunden.

Hier kommt eine technische Besonderheit der EOS RP ins Spiel: Der mechanische Verschluss nutzt keinen klassischen Vorhang, sondern einen sogenannten »Electronic First Curtain Shutter« (EFCS). Dabei startet die Belichtung elektronisch und endet mechanisch. Das spart Energie und reduziert Erschütterungen, kann aber bei sehr kurzen Verschlusszeiten zu ungleichmäßiger Belichtung führen: Eine Bildhälfte wirkt dann minimal dunkler als die andere.

Bei diesem Foto ist der Effekt gut sichtbar. Die untere Hälfte des Fotos ist dunkler als die obere. Bei Fotos im Querformat fällt das nicht so stark auf, aber im Hochformat sehr viel mehr. Schnelle Verschlusszeiten sind eine Schwäche der Canon EOS RP. Bei diesem Foto ist der Effekt gut sichtbar. Die untere Hälfte des Fotos ist dunkler als die obere. Bei Fotos im Querformat fällt das nicht so stark auf, aber im Hochformat sehr viel mehr. Schnelle Verschlusszeiten sind eine Schwäche der Canon EOS RP.

Dieser Effekt tritt vor allem bei Verschlusszeiten zwischen 1/2000 s und 1/4000 s auf – also genau dann, wenn ihr bei hellem Licht mit offener Blende fotografiert. Ich selbst habe das bei der Kombination aus Canon EOS RP und dem TTArtisan 50 mm f/0.95 beobachtet.

Tipp: Um den Effekt zu vermeiden, könnt ihr leicht abblenden, einen ND-Filter verwenden oder auf den rein elektrischen Verschluss umstellen (das kann aber Rolling-Shutter-Effekte mit sich bringen).


Monitor und Sucher: Die Canon EOS RP verfügt über einen praktischen Schwenkbildschirm mit hoher Auflösung. Der OLED-Sucher verfügt über 2,36 Millionen Bildpunkten und ist schön groß. Natürlich gibt es heute noch viel bessere Displays, aber für diesen Preis ist die Ausstattung angemessen. 

Lohnt sich das Angebot bei MediaMarkt?

Linh: Wenn ihr euch eine neue Vollformatkamera kaufen wollt, dann ist dieses Bundle von MediaMarkt eine hervorragende Option. Das mitgelieferte Objektiv ist zwar nicht besonders lichtstark, aber besonders scharf, schnell, vielseitig und kompakt. Dazu kommt das exzellente Rauschverhalten der Canon EOS RP, das die kleine Blende des Objektivs wieder ausgleicht. 

Seid euch jedoch bewusst, dass ihr zukünftig in das Canon-System eingeschlossen seid, solange ihr Objektive mit Autofokus wünscht. Schaut euch also den Objektivpark des Herstellers vorher an und trefft dann eure Entscheidung, ob das System – und nicht nur die Kamera – zu euch passt. 

Kann ich euch die Canon EOS RP empfehlen? Ich habe sie verkauft, um mir die Leica M2 leisten zu können. Ich war mit der Canon sehr zufrieden und kann euch das Angebot von MediaMarkt ohne schlechtes Gewissen weiterempfehlen – solange nicht der Kauf einer gebrauchten Kamera infrage kommt. 

Dann sieht die Sache schon anders aus. Inzwischen gibt es viele Vollformatkameras, die ihr für unter 500 Euro kaufen könnt. Darunter sind legendäre Kameras, wie die Nikon D800, Canon 5D Mark III oder Sony Alpha 7 II. 

Das bedeutet: Der Einstieg ins digitale Vollformat ist heute einfacher denn je – egal, ob neu oder gebraucht. 

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