Ich habe jahrelang immer die gleichen Fotos gemacht, bis ein neues Kameraobjektiv alles geändert hat

Autor Patrick hat sein Kreativitätsproblem mit dem Kauf eines neuen Objektivs gelöst.

Patrick fotografiert seit fast sechs Monaten mit seinem neuen Makroobjektiv. Langeweile ist noch immer nicht in Sicht. Patrick fotografiert seit fast sechs Monaten mit seinem neuen Makroobjektiv. Langeweile ist noch immer nicht in Sicht.

»Ich kenne mich hier aus, wie in meiner Westentasche« ist in einem 200-Einwohner-Dorf keine leere Worthülse, sondern schlicht die Wahrheit. Entsprechend hatte ich bereits fast alle nahe gelegenen Landschaftsmotive in all ihren Variationen vor der Linse.

Der immer gleiche Sonnenuntergang über dem Feld, der See zur blauen Stunde aus jedem erdenklichen Winkel – ich habe alles abgelichtet, morgens, mittags, abends, bei Regen und Sonnenschein.

Auch weiter abseits meiner heimischen Gefilde kenne ich die »Hotspots«. Alles schon gesehen. Nächster Halt: Stadt? Zu weit weg. Mir gehen langsam die Ideen aus.

Also habe ich das getan, was wohl jeder (Hobby-)Fotograf schon einmal gedacht hat: »Eine neue Kamera oder ein neues Objektiv würde mein Problem lösen«. In diesem Fall hat es tatsächlich geklappt.

Patrick Schneider
Patrick Schneider

In der Fotografie kommen viele an den Punkt – Autor Patrick eingeschlossen –, an dem sie denken, dass neue Ausrüstung zu besseren Fotos verhelfen würde. Doch schließlich merkt man: Auch eine neue Kamera oder ein teures Objektiv schaffen keine Abhilfe. In der Regel mangelt es an Kreativität, Übung oder Interesse an der derzeitigen Kameraausrüstung. Selbstverständlich sprechen wir hier nur von unserem Autor.

Das Makroobjektiv hat meinen Horizont erweitert

Obwohl ich aus einem kleinen Dorf komme, war für mich klar: Mein Herz gehört der Streetfotografie.

Ich möchte coole Geschichten erzählen, die mit nur einem Bild (!) ausführlich erzählt werden. Ich möchte Emotionen in Städten einfangen, spannende Kompositionen mit Licht und Schatten erzeugen und das alles natürlich in Schwarz-Weiß.

Bis dahin schadet es sicher nicht, den Heimvorteil zu nutzen und die kleine Tier- und Pflanzenwelt mit einem Makroobjektiv zu erkunden. Die Natur liegt mir schließlich auch.

Es braucht für die Makrofotografie eigentlich kein teures Objektiv. Das Nikon-Objektiv hat mich aber so angelächelt. Es braucht für die Makrofotografie eigentlich kein teures Objektiv. Das Nikon-Objektiv hat mich aber so angelächelt.

Wenige Stunden, nachdem ich das Objektiv an meine Kamera geschraubt hatte, war ich hin und weg. »Wie lustig sieht das Insekt denn aus?!«, »Warum ist das so unscharf?« und »Warum zittert meine Hand beim Fokussieren auf die Ameise so sehr?«

Gerade weil mich meine ersten, teilweise verzweifelten Fragen überforderten, wollte ich noch tiefer einsteigen.

Abends habe ich digitale Artikel gewälzt und Videos geschaut, in denen von Abbildungsmaßstäben, extrem geringer Schärfentiefe – das durfte ich ja schon kennenlernen –, Focus Stacking und weiteren Fachbegriffen die Rede war.

Plötzlich wurde mir klar: Trotz Vorbereitung bin ich hier in eine völlig neue und riesige Welt der Fotografie eingetaucht – und möchte nie wieder heraus.

Was bedeuten diese Fachbegriffe überhaupt?

Während der Kopf, das Bein und ein Teil des Körpers der Biene relativ scharf abgebildet werden, sind die Flügel und der Rumpf unscharf. Je näher man an ein Objekt herangeht, desto geringer ist die Schärfentiefe, also der Bereich, der scharf abgebildet wird. Abhilfe schafft hier das sogenannte »Focus Stacking«, bei dem mehrere Aufnahmen mit unterschiedlichen Fokuspunkten gemacht und später zu einem Bild mit größerer Schärfentiefe kombiniert werden. Während der Kopf, das Bein und ein Teil des Körpers der Biene relativ scharf abgebildet werden, sind die Flügel und der Rumpf unscharf. Je näher man an ein Objekt herangeht, desto geringer ist die Schärfentiefe, also der Bereich, der scharf abgebildet wird. Abhilfe schafft hier das sogenannte »Focus Stacking«, bei dem mehrere Aufnahmen mit unterschiedlichen Fokuspunkten gemacht und später zu einem Bild mit größerer Schärfentiefe kombiniert werden.

Makrofotografie: Die Basics kurz erklärt

Vereinfacht ausgedrückt ermöglichen diverse Makroobjektive einen Abbildungsmaßstab von 1:1. Das bedeutet, dass ein 3 Zentimeter großes Insekt auch 3 Zentimeter groß auf dem Sensor abgebildet wird. Andere Objektive bieten sogar einen höheren Abbildungsmaßstab von 2:1 oder mehr, wodurch das Insekt mit einer Größe von 6 Zentimetern auf dem Sensor abgebildet wird.

Die Naheinstellgrenze wird nicht von der Vorderseite des Objektivs gemessen, sondern von der Sensorebene der Kamera. (stockphoto-graf, Stockgiu - Adobe Stock) Die Naheinstellgrenze wird nicht von der Vorderseite des Objektivs gemessen, sondern von der Sensorebene der Kamera. (stockphoto-graf, Stockgiu - Adobe Stock)

Die Naheinstellgrenze des Objektivs spielt zudem eine essenzielle Rolle. Sie gibt den Abstand zwischen der Sensorebene und dem Motiv an, bis zu dem das Objektiv noch scharfstellen kann. Ein Objektiv mit geringer Naheinstellgrenze erlaubt es euch also, möglichst nah an das Motiv heranzurücken.

Sensorgrößen und ihre Rolle in der Makrofotografie

Hier wird es spannend, denn Vollformat, APS-C und Micro Four Thirds (MFT) bieten jeweils individuelle Vor- und Nachteile.

Während Vollformatkameras oft eine hervorragende Bildqualität bei hohen ISO-Werten und ein ausgeprägteres Potenzial für ein weiches Bokeh liefern, haben sie bei gleichem Abbildungsmaßstab eine geringere Schärfentiefe als APS-C- und MFT-Kameras.

Neben diesen drei Sensorgrößen gibt es noch weitere. Wie das Bild zeigt, sind APS-C- und MFT-Sensoren deutlich kleiner als das Vollformat. Das hat Vor- und Nachteile, die auch in der Makrofotografie zum Tragen kommen. (estherpoon, Adobe Stock) Neben diesen drei Sensorgrößen gibt es noch weitere. Wie das Bild zeigt, sind APS-C- und MFT-Sensoren deutlich kleiner als das Vollformat. Das hat Vor- und Nachteile, die auch in der Makrofotografie zum Tragen kommen. (estherpoon, Adobe Stock)

Das kann in der Makrofotografie, wo die Schärfentiefe ohnehin extrem gering ist, eine Herausforderung sein. Darüber hinaus gibt es viele weitere Vor- und Nachteile der drei Systeme.

  • MFT-Sensoren haben beispielsweise einen Crop-Faktor von 2x (APS-C = 1,5x) im Vergleich zum Vollformat.
  • Das bedeutet, dass ihr mit einem kompakteren und leichteren 100-mm-MFT-Makroobjektiv denselben Bildausschnitt erreicht wie mit einem 200-mm-Objektiv an einer Vollformatkamera.
  • Dies verlängert den Arbeitsabstand zu scheuen Insekten erheblich, was einen immensen Vorteil darstellt.

Zudem sind Objektive mit längeren Brennweiten (zum Beispiel 200 mm) für Vollformatkameras oft deutlich teurer. Wie bereits erwähnt, liefern Vollformatkameras bei schlechtem Licht dafür sauberere und detailreichere Bilder, da sie bei hohen ISO-Werten weniger rauschen.

Aber ich kratze nur an der Oberfläche. An dieser Stelle möchte ich auf einen sehr empfehlenswerten und gut verständlichen Artikel von Photografix sowie auf den Videokanal des Wildlife-Fotografen Chris Kaula verweisen.

Sowohl der Artikel als auch der YouTube-Kanal haben mir beim Einstieg extrem geholfen.

Ein Stativ kann abhängig vom Motiv eine große Hilfe sein, um bei der geringen Schärfentiefe Verwacklungen zu vermeiden. Gerade bei kleinen Motiven ist zudem gutes Licht wichtig. Ein externer Blitz oder LED-Lichter können Wunder wirken.

Alles in allem erfordert die Makrofotografie mitunter ein hohes Maß an Geduld. Der Schmetterling wird nicht gerade von Kameras angezogen.

Kamera mit Makroobjektiv: Egal zu welcher Jahreszeit

Soweit zur Theorie. Was ich an der Makrofotografie bewundere, sind die schier endlosen Motive, die sich ergeben. Mit den wechselnden Jahreszeiten eröffnen sich zudem viele weitere potenziell spannende Motive.

  • Blumen in der Blütezeit
  • Knospen
  • Insekten wie Bienen, Schmetterlinge oder Libellen
  • Früchte und Beeren
  • üppiges Blattwerk
  • verfärbte Blätter und Pilze im Herbst
  • Tautropfen auf Spinnennetzen oder Blättern, die im Morgenlicht glitzern
  • und vieles, vieles mehr.

Wie in anderen Bereichen der Fotografie entsteht somit eine willkommene Abwechslung, die selbst bei Regenwetter oder Schnee nicht endet.

Egal, wann – mit der Kamera und dem Objektiv finden sich vor der Tür zahlreiche schöne Fotomotive. Genau das, was ich wollte und gebraucht habe.

Was ich daraus gelernt habe

Fotografie ist facettenreich und vielschichtig. Genau deshalb habe ich mich darin verloren. Allerdings war mein Blick starr auf die Streetfotografie gerichtet, sodass ich völlig außer Acht gelassen habe, was andere Bereiche Interessantes und Wissenswertes zu bieten haben.

Das werde ich zukünftig vermeiden und mich neben der Makrofotografie auch in anderen Bereichen ausprobieren. Denn so stark wie nach dem Kauf meiner aktuellen Kameraausrüstung habe ich selten den Drang verspürt, meine Tasche zu packen und nach draußen zu gehen.

Manchmal braucht es keinen Tapetenwechsel, sondern nur einen Perspektivwechsel.

Welche Fotogenres habt ihr schon ausprobiert, die euch überrascht haben? Oder gibt es ein Genre, das ihr schon immer mal ausprobieren wolltet, aber euch bislang die Motivation fehlte? Was könnt ihr Fotografie-Einsteigern oder erfahrenen Hobbyfotografen außerdem empfehlen? Teilt eure Gedanken sehr gerne unten in den Kommentaren!

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