Echte Konkurrenz für Google Docs und Word: ChatGPT wird gerade zu eurem persönlichen Schreibassistenten

Nach mindestens 18 Jahren Microsoft Word und Google Docs habe ich Ersatz gefunden, der besser sein könnte.

Ist es nach so vielen Jahren Zeit für etwas ganz neues? (Bild: OpenAI | Wikipedia) Ist es nach so vielen Jahren Zeit für etwas ganz neues? (Bild: OpenAI | Wikipedia)

Solange ich Texte für die Schule, das Studium und die Arbeit geschrieben habe, habe ich Microsoft Word verwendet, bis ich vor einigen Jahren auf Google Docs umgestiegen bin.

Seitdem bin ich eigentlich zufrieden, denn mein Anspruch an Texteditoren ist relativ gering: Texte schreiben und ein wenig formatieren. Mehr brauche ich nicht. Doch dann kam OpenAI mit einer Neuheit um die Ecke, die mich vom Gegenteil überzeugt hat.

Ich würde ab sofort gerne mit ChatGPTs neuer Editor-Funktion Canvas arbeiten, doch OpenAI verhindert meine Pläne.

Warum von Docs auf ChatGPT wechseln?

OpenAI steckt gerade mitten in einem 12-tägigen Event, das sie »Shipmas« nennen. Dabei kündigen sie jeden Tag neue Funktionen, Kooperationen und Modelle an oder veröffentlichen sie direkt. Mit dabei waren neben dem Video-Generator Sora oder einem neuen 200-US-Dollar-Abonnement auch die Texteditor-Funktion Canvas.

Was kann Canvas? Mit Canvas lässt sich, wie mit Docs oder Word, direkt an einem Text arbeiten. Der große Unterschied: Ihr könnt ChatGPT direkt zu eurem Text befragen, euch Tipps zum Inhalt, der Grammatik oder der Rechtschreibung geben lassen und Kommentare zu bestimmten Abschnitten einsehen.

Kurz gesagt: Canvas ist ein persönlicher Schreibassistent., der sich aktiv beteiligt.

ChatGPT im Canvas-Modus kann Abschnitte markieren und auf Verbesserungsvorschläge anzeigen, die aufleuchten, wenn man mit der Maus über den entsprechenden Textabschnitt fährt. ChatGPT im Canvas-Modus kann Abschnitte markieren und auf Verbesserungsvorschläge anzeigen, die aufleuchten, wenn man mit der Maus über den entsprechenden Textabschnitt fährt.

So lassen sich Entwürfe stetig verbessern, ohne dass man immer wieder neue Textversionen von ChatGPT vorgesetzt bekommt, die meiner Erfahrung nach ohnehin nicht zu gebrauchen sind. Die Stärke von ChatGPT liegt nämlich nicht in dem Erstellen von Texten, sondern in der Unterstützung bei Ideenfindung, Struktur, Korrektur und mehr.

Was das Formatieren des Textes angeht, ist Canvas übrigens keine Konkurrenz für Docs oder Word. Ihr könnt nur Überschriften definieren und Stichpunkte machen, aber dabei bleibt es. Für einen reinen Schreiberling wie mich, ist das allerdings ausreichend.

Übrigens: Diese Funktion ist auch für Entwickler verfügbar. Ihr könnt also Coden und euch dabei helfen lassen. An einen richtigen Compiler wird ChatGPT aber vorerst nicht herankommen.

Klingt doch super, oder?

Canvas ist hat seine Fehler, doch einer davon geht zu weit

Auf den ersten Blick ist Canvas eine tolle Sache. Und auch mein zweiter Blick auf den Editor-Modus war zunächst wohlwollend. Stellenweise gibt es zwar Schwächen, doch die konnte ich beim Testen gut verzeihen. Immerhin steht das Feature noch am Anfang.

Die Fehler, die mir aufgefallen sind:

  • Manchmal überschneiden sich die Kommentare, die ChatGPT an der Seite des Editors anzeigt. Das sorgt geringfügig für Chaos, doch es hält sich im Rahmen.
  • Es kam einmal vor, dass weder ich noch ChatGPT den Text bearbeiten konnten. Nach mehreren Versuchen seitens ChatGPT hat die KI ihre Kommentare dann in den herkömmlichen Chat gepackt. Ein Drücken auf die F5-Taste (neu-laden) hat das Problem gelöst.
  • Manchmal fängt ChatGPT an, eigene Abschnitte zu verfassen, obwohl man es nicht konkret gefordert hat. Das ist wohl ein Überbleibsel des üblichen ChatGPT-Chats.

So weit, so verzeihlich.

Das große Problem: Bevor ich das Feature für meinen Geschmack ausreichend getestet hatte, hat mir ChatGPT den digitalen Hahn zugedreht. Denn das GPT-Modell-4o, das hinter Canvas steckt, ist für Nutzer ohne Plus- oder Pro-Account nur sehr beschränkt nutzbar. 

Nach acht Nachrichten an ChatGPT hatte sich die Sache erledigt. Dann heißt es: besorge dir ein Plus-Abo oder warte vier Stunden.

Das ist echt schade, zumal bereits im Oktober angekündigt wurde, dass Canvas kostenlos verfügbar sein wird. Von »eingeschränkt verfügbar« war damals allerdings nicht die Rede.

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Ein Grund für ein Plus-Abo?

Die Frage, die sich mir jetzt in den Frontallappen bohrt, ist klar: lohnt sich jetzt ein Plus-Abo für mich? Immerhin nutze ich ChatGPT häufig und Canvas hat enormes Potenzial. 

Ich werde allerdings warten, wie sich Canvas weiterentwickelt, bis ich mich entscheide. Momentan sind mir einfach zu viele Fehler in dem Feature. 

Dennoch bin ich mir sicher, dass die neue Funktion irgendwann Google Docs für mich ablösen wird. Zumindest, wenn OpenAI seine Karten richtig ausspielt.

Bis dahin kann ich mit Canvas wohl nur an sehr kurzen Texten arbeiten. Oder an denen, die ohnehin schon beinahe perfekt sind. Nicht, dass ich davon allzu viele parat hätte.

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