Meinen Winter hatte ich mir anders vorgestellt. Nach einem Umzug zum Jahreswechsel hatte ich große Ziele: Mehr Kraftsport, Nähen und Schnitzen lernen, wieder mehr Bücher lesen.
Die Realität sah leider anders aus. Nach Feierabend ab auf die Couch und Instagram-Reels durchwischen. Irgendwann merken, dass einem das nicht gut tut – also auf Reddit wechseln, das Spiel von vorne beginnen, loseisen, dann die Youtube-Startseite aufmachen, irgendwelche Videos anschauen und zum Schluss aus Pflichtschuldigkeit einer mündigen Bürgerin etwas Doomscrolling auf Google News.
Abends liege ich dann im Bett, bekomme die Augen nicht zu, obwohl ich müde bin und habe Gedankenspiralen. Und als zum Frühlingsbeginn die Sonne wieder rauskommt, die Erkenntnis: Von meinen Winterprojekten habe ich abseits des Umzugs keines so wirklich umgesetzt.
Da muss sich was ändern.
Tschüss, Algorithmus
Wisst ihr, was alle Apps in der Auflistung gemeinsam haben? Es gibt kein Ende. Auf jeder einzelnen von ihnen kann ich ewig weiterscrollen. Eine Armada gut bezahlter Entwickler arbeitet Tag für Tag daran, dass ich genau das auch so lange wie möglich mache.
Den Kampf um meine Freizeit habe ich in dem Moment verloren, in dem ich die App aufmache. Appzeit-Begrenzer wie Forest (Play Store) gibt es zwar, zumindest bei mir haben sie in der Vergangenheit aber nicht wirklich funktioniert. Dafür lassen sie sich zu leicht austricksen.
Also radikaler Kahlschlag: Ich habe seit Februar jede einzelne App auf meinem Handy ersetzt, die mir Inhalte vor allem algorithmusbasiert vorschlägt – mit einer Ausnahme. Um nicht als digitale Einsiedlerin zu enden, habe ich Alternativen gesucht und die stelle ich euch hier vor.
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Ein RSS-Feed ersetzt das meiste
Für meinen Alltag als Redaktionsleiterin ist ein RSS-Feed unabdinglich. Bei mir sammeln sich dort Updates aller wichtigen Tech-Nachrichtenseiten im deutsch- und englischsprachigen Raum. Sortiert wird dabei nicht von einem Algorithmus, sondern rein nach Erscheinungsdatum des Artikels. Das hilft, neue Entwicklungen immer direkt auf dem Schirm zu haben.
Auch privat nutze ich meinen RSS-Feed jetzt wieder stärker. Neben einem Arbeitsbereich habe ich einen Feed für jedes meiner Interessen: Gartenarbeit, Gaming, Dungeons & Dragons …
Für mich bewährt hat sich dafür Inoreader (Play Store). Da zahle ich auch gerne die acht Euro im Monat für das Premium-Abo. RSS-Reader gibt es aber wie Sand am Meer, meist vollkommen kostenlos und wer mag, kann so einen Reader sogar selbst aufsetzen.
Was den RSS-Reader zur Allzweckwaffe macht: In meinen Feeds landen nicht nur Artikel von Webseiten, sondern unter anderem auch neue Videos von abonnierten Youtube-Kanälen und eine Reihe von Newslettern – besonders gerne lese ich aktuell den Installer-Newsletter von The Verge, Platformer von Casey Newton und den neuen »Post von Plus«-Newsletter meiner Gaming-Kolleginnen und -Kollegen.
Das Endergebnis nach Aufsetzen des RSS-Readers: Statt mich nach und nach erst von Google News, dann von der Youtube-Startseite und danach von Reddit loseisen zu müssen, mache ich jetzt nur den RSS-Reader auf, stöbere durch meine Feeds, lese was mich interessiert … und bin irgendwann am Ende angekommen.
Das fühlt sich in den ersten Tagen seltsam unzufriedenstellend an, wird aber nach ein bis zwei Wochen wieder ganz normal.
Darüber hinaus erwische ich mich wieder häufiger dabei, wie ich Webseiten direkt ansteuere. Etwas, das wir sowieso alle viel häufiger tun sollten, wie ihr bei Heiko lesen könnt.
Retro ist, was ich mir von Instagram immer gewünscht habe
Mit dem RSS-Reader sind eine Menge Algo-Apps bereits ersetzt – an den größten Zeit- und Launefresser komme ich damit aber noch nicht heran: Instagram.
Installiert habe ich die App eigentlich für die soziale Komponente: Ich sehe gerne, was im Leben meiner Lieben so passiert und freue mich, wenn mir MeinMMO-Kollegin Sophia wieder einen Eimer voll Schwertkampf- und Wrestling-Memes schickt.
In der Praxis sah meine Insta-Nutzung aber leider ganz anders aus. Als digitales Fotoalbum lässt sich Instagram bereits seit Jahren nicht mehr nutzen und nach und nach hat sich bei mir eingeschlichen, dass ich vor allem Reels ansehe – von Tiktok »inspirierte« Kurzvideos also.
Zurück zum eigentlichen Gedanken bin ich mit einer App namens Retro (Play Store) gegangen. Hier lade ich Bilder hoch, die nur mit meinem engen Freundeskreis geteilt werden und sehe auch nur solche Fotos. Sortiert wird hier nur nach dem Upload-Datum und alles, was älter als vier Wochen ist, verschwindet wieder aus dem Feed.
Zum Monatsende gibt es dann eine Übersicht meiner Uploads als Collage, die ich speichern und teilen kann. Retro ist für mich damit tatsächlich ein digitales Fotoalbum … und sonst glücklicherweise nichts.
Nur was die Memes angeht, sitze ich seither etwas auf dem Trockenen.
Was ich sonst noch ersetzt habe
Ein größerer Algo-Brocken für die meisten von euch dürften Streaming-Apps wie Netflix, Disney Plus und Co. sein. Dort kann ich glücklicherweise sagen: Den Frosch habe ich schon längst gegessen und vor rund drei Jahren alle Streaming-Plattformen gekündigt.
Wenn dort tatsächlich mal etwas läuft, das ich sehen muss (wie die zweite Staffel One Piece kürzlich), dann gibt es ein Abo für einen Monat und direkt danach wird wieder gekündigt. Filme und Serien schaue ich weiterhin – aber wie im Text beschrieben, vor allem über Blu-ray. Das macht Filmeabende zu tatsächlichen Events.
Etwas frei gewordene Zeit wende ich für Hobby-Apps auf. Gerade im Frühling krame ich gerne wieder Birdnet (Play Store) aus, bei der sich Vogelgesang analysieren lässt. Bend (Play Store) und Hevy (Play Store) nutze ich für Dehnübungen und Kraftsport, auf Duolingo (Play Store) lerne ich seit ein paar Wochen Tschechisch. Vor allem aber lese ich wieder deutlich mehr – hier eine schamlose Empfehlung für Hugo-Gewinner The Tainted Cup, wenn Fantasy + Krimi für euch nach einer spannenden Kombo klingt.
Der letzte Knackpunkt: Musik
Bleibt wie in der Einleitung erwähnt noch eine Ausnahme. Die heißt Youtube Music. Dorthin bin ich von Spotify auf Empfehlung meines Kollegen Linh gewechselt. Ich nutze die App immer noch, beschränke mich aber auf selbst erstellte Playlists und immer häufiger auf Alben, die ich wieder am Stück höre.
Podcasts habe ich komplett ausgelagert auf eine weitere App namens Antenna Pod – für mich die bisher beste kostenlose Podcast-App da draußen.
Mittelfristig würde ich gerne auch Youtube Music loswerden. Vielleicht gilt es auch hier, wieder eine eigene Sammlung von MP3s aufzubauen und analog zu hören? Noch ist da aber nichts spruchreif. Wenn ihr also Tipps habt, wie man das Projekt am besten angeht, freue ich mich sehr über eure Kommentare.
Ich verabschiede mich demnächst in das Ende meiner Feiertagsschicht, werde ein bisschen Sport machen, lesen und dann vielleicht tatsächlich endlich lernen, wie man einen Löffel schnitzt – ohne, dass mich Algorithmen davon abhalten.

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