Chinesisches Unternehmen eröffnet die weltweit größte Fabrik zur Produktion humanoider Roboter – gefertigt von humanoiden Robotern

Das neue Werk von UBTech startet die Massenfertigung zweier Robotertypen für Industrie und Service: Alle zehn Minuten soll eine Einheit vom Band rollen.

Die Massenproduktion von humanoiden Robotern hat begonnen. (Bildquelle: Xataka) Die Massenproduktion von humanoiden Robotern hat begonnen. (Bildquelle: Xataka)

China verfolgt das Ziel, zur führenden technischen Weltmacht aufzusteigen, und Roboter bilden dabei eine ihrer wichtigsten Speerspitzen. Das Spektrum reicht von spezialisierten Industrieanlagen über vierbeinige Laufroboter für unterschiedlichste Aufgabenbereiche (sogar im militärischen Sektor) bis hin zu den eigentlichen Stars dieses Wettrennens: den humanoiden Robotern. UBTech gehört zu den Vorreitern an der technologischen Spitze und hat nun eine Fabrik mit ambitionierten Zielen eröffnet.

Die Fertigung humanoider Roboter verlässt damit endgültig das Prototypenstadium und geht in die reguläre Massenproduktion über.

Dieser Artikel stammt im Original von unserer spanischen Schwesterseite Xataka und erscheint bei GameStar Tech in übersetzter und angepasster Form.

Roboter, die Roboter bauen

Die Produktionsstätte: Am vergangenen 12. September 2026 nahm das UBTech-Werk im chinesischen Liuzhou (Guangxi) offiziell den Betrieb auf. Nach Angaben des Herstellers und wie Sedaily berichtet, handelt es sich um die weltweit erste Smart Factory, die gezielt auf die jährliche Massenfertigung humanoider Roboter ausgelegt ist.

Auf 14.000 Quadratmetern Fläche arbeitet eine hochgradig automatisierte Anlage, in der humanoide Roboter aktiv an der Herstellung humanoider Roboter beteiligt sind.

Das Unternehmen strebt eine Jahresproduktion von über 10.000 Einheiten an. Um diese Marke zu erreichen, muss alle zehn Minuten ein fertiges Modell die Fertigungslinie verlassen. Dabei entstehen zwei unterschiedliche Robotertypen:

  • Cruzr: ein Modell für Service- und Logistikaufgaben.
  • Walker S: ein industrieller Humanoide auf Basis von Large Language Models (LLMs), optimiert für präzise Handhabung und Logistik in Werkshallen.
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Humanoide an die Arbeit. Entlang der Montagelinie übernehmen – ganz ähnlich wie in einem modernen Automobilwerk – hochspezialisierte Industrieroboter die anspruchsvollen Präzisionsschritte. Soll alle zehn Minuten ein Roboter fertig montiert sein, arbeiten aktuelle humanoide Systeme schlicht zu langsam für Schraubarbeiten im Sekundentakt (wenngleich Xiaomi bereits Roboter-Praktikanten zum Schrauben in der eigenen Autofabrik testet). UBTech setzt in Liuzhou dennoch zwei humanoide Baureihen für gezielte Aufgaben ein.

Der Cruzr Y1 und der Cruzr S2, jeweils mit humanoidem Oberkörper auf einer mobilen Plattform ausgestattet, kümmern sich um das Be- und Entladen, den internen Transport sowie das Stapeln von Bauteilen. In der Endmontage wiederum übernehmen kollaborative Roboter (Cobots) über spurgeführte Systeme und Fernsteuerung die entscheidenden Handgriffe.

Sobald ein Roboter das Band verlässt, durchläuft er mehr als vier Stunden lang intensive Härtetests sowie einen Prüftunnel nach Automobilstandard für eine vollständige 360-Grad-Prüfung. Es ist im Grunde eine Autofabrik, nur für Roboter. Im folgenden Video könnt ihr den Betrieb in Aktion sehen:

Eine klare Kampfansage. Nach erfolgreicher Qualitätskontrolle wandern die fertigen Einheiten in ein vollautomatisches 3D-Hochregallager, das laut Herstellerangaben ebenfalls weltweit einzigartig ist. Die Roboter werden dort extrem platzsparend untergebracht: 112 Einheiten lagern auf nur 65 Quadratmetern Grundfläche, was den Raumbedarf im Vergleich zu herkömmlichen Lagerhäusern um mehr als 50 Prozent verringert.

Das verdeutlicht die Dimension des Vorhabens: Hier entstehen keine Machbarkeitsstudien, sondern serienreife Endprodukte. Das avisierte Fertigungsvolumen von jährlich 10.000 Exemplaren zeigt, mit welchem Nachdruck die chinesische Industrie vorangeht. Denn laut dem Nationalen Statistikamt Chinas wurden allein im Juli dieses Jahres 98.677 Industrieroboter gebaut – 30,2 Prozent mehr als im Vorjahresmonat. In der ersten Jahreshälfte belief sich die Gesamtproduktion bereits auf 635.056 Einheiten, ein Plus von 28,5 Prozent.


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Bei den humanoiden Modellen fällt das Bild noch deutlicher aus: Laut einem Bericht von Morgan Stanley stellten chinesische Hersteller im ersten Halbjahr 2026 stolze 97 Prozent aller weltweit gefertigten und verkauften humanoiden Roboter her. Zudem rechnen die Branchenfachleute damit, dass das Volumen von 50.000 Einheiten im laufenden Jahr bis 2030 auf rund 446.000 Einheiten hochschnellen wird.

»Chinesische Roboter haben dank der hohen Zahl an Ingenieuren, Wissenschaftlern und Anwendungsszenarien, die in den vergangenen zehn bis 20 Jahren in China aufgebaut wurden, bereits das weltweite Spitzenniveau erreicht. Daraus sind eine enorm schlagkräftige Lieferkette, gewaltige Fertigungskapazitäten und eine starke Forschungs- und Entwicklungsbasis entstanden«

  • betont Jianxin Pang, Vizepräsident von UBTech.

Wie geht's weiter?

Der Standortvorteil: Aktuell sind diese Systeme zwar noch nicht für Privathaushalte bestimmt (jedenfalls vorerst nicht), wohl aber für Fabriken, Einkaufszentren, Schulen, Gastronomiebetriebe und Kurierdienste auf der letzten Meile.

Erste Hersteller sprechen bereits offen darüber, wie die Massenproduktion die Stückkosten nach unten drücken wird, um die Roboter zu erschwinglichen Preisen auf den Markt zu bringen. Wer das Tempo hinter dieser Entwicklung verstehen will, muss den Blick auf das industrielle Netzwerk vor Ort richten.


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Denn der wahre Wettbewerbsvorteil Chinas in der Robotik liegt nicht allein in Software oder Mechanik, sondern darin, praktisch jedes benötigte Bauteil direkt um die Ecke beziehen zu können. Die enge räumliche Nähe zwischen Produzenten von Kugellagern, Halbleitern, Akkuzellen und Strukturbauteilen erlaubt eine extrem reibungslose Fertigung ohne kostspielige Transportwege.

Der UBTech-Vizepräsident verwies ebenfalls auf das Zusammenspiel aus gewachsenem Fachwissen der vergangenen zwei Jahrzehnte und jener dichten Zulieferkette, die die Produktionskosten auf einem Minimum hält. Es ist im Kern dasselbe »Erfolgsgeheimnis«, das auch TSMC die Vormachtstellung in der Halbleiterindustrie sichert. Ob am Ende jedoch wirklich jeder Arbeitsplatz einen humanoiden Helfer braucht, muss sich erst noch zeigen.

Was haltet ihr von Meldungen zu Robotern, die Roboter bauen? Eure Meinnung, ab in die Kommentare!


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