Das Thema KI wird im Bereich Gaming gefühlt jeden Tag größer. Die letzten beiden Steam Next Festivals wurden von der Flut an Spielen mit KI-Inhalten überschattet und das sorgt nicht nur bei Spielerinnen und Spielern für Unmut.
Offenbar hat diese gigantische Welle an neuen Spielen Steams bisheriges Prüfverfahren in die Knie gezwungen. Das geht mittlerweile so weit, dass geplante Releases verschoben werden müssen, weil Valve nicht mit den Genehmigungen hinterher kommt. Um dem Entgegen zu steuern, überarbeitet das Unternehmen von Gabe Newell jetzt seine Prozesse.
Stau bei Steam
Da wir selbst auch oft in Kontakt mit (Indie-)Entwicklern stehen, haben wir von dem Problem bereits aus erster Hand gehört. So sollte das Spiel Abashed (zur Steam-Seite) von Supantha Paul eigentlich am 4. November erscheinen, doch bis zum 5. November wusste der Entwickler nicht, ob der Release-Build seines Spiels akzeptiert wurde. Die Kommunikation mit Steam war wie eingefroren. Er schrieb uns:
Während ich mit dem Spiel und allem drumherum fertig bin, steckt der Build nun schon seit mehr als zwei Wochen in Steams Review-Warteschlange fest, und ich habe keinerlei Rückmeldung von ihnen erhalten – obwohl ihr Dashboard eine geschätzte Überprüfungsdauer von drei bis fünf Tagen anzeigt.
Die letzte Woche war unglaublich stressig, da ich nur däumchendrehend festsaß und auf irgendeine Antwort wartete. Mir ist aufgefallen, dass immer mehr Entwickler ähnliche Erfahrungen machen, da die Plattform gerade mit Low-Effort-/KI-Spielen überschwemmt wird.
Nach einer Ankündigung, dass er den Release deshalb auf unbestimmte Zeit verschieben musste, erschien Abashed am 5. November dann doch noch.
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KI zerstört unsere Spiele nur, wenn wir es zulassen
Ähnliches hat auch das Team hinter Food Devils (zur Steam-Seite) erlebt. Der Game Director schrieb am 3. November in einer Ankündigung: »Heute hätten wir unser Spiel nach vier Jahren Entwicklungszeit im Early Access veröffentlichen sollen. Ich bin zutiefst bestürzt, euch mitteilen zu müssen, dass der große Tag, auf den wir alle so lange gewartet haben, noch etwas warten muss, denn... Steam lässt es nicht zu.«
Auch hier liegt die Ursache im massiven Rückstau beim Prüfverfahren. Eigentlich soll jenes maximal bis zu sieben Werktage andauern, doch in diesem und vielen weiteren Fällen zieht sich diese Phase aktuell über mehrere Wochen.
Valve ist sich dessen aber offenbar bewusst, weshalb das Unternehmen jetzt Änderungen ankündigt.
Steam erneuert Prüfverfahren
In einem Beitrag vom 3. November räumt Steam ein, in den letzten Monaten einen »deutlichen Anstieg bei den Einreichungen zur Überprüfung von Shopseiten und Builds« verzeichnet zu haben. Das habe sie dazu gebracht, das Verfahren entsprechend anzupassen.
Diese Anpassungen dauern nach wie vor an, aber es sollen bereits erste Verbesserungen spürbar sein. Ziel ist es, dass Einreichungen häufiger beim ersten Anlauf bestehen und dementsprechend seltener nachgeprüft werden müssen.
Dazu werden bestimmte Maßnahmen auf die Entwickler ausgelagert. So sollen diese in etwa selbst prüfen, ob ihr Spiel überhaupt über den Steam-Client läuft. Das sei zuvor keine Voraussetzung gewesen, würde aber vermeiden, dass grundlegende Funktionsprobleme erst bei der Prüfung durch Steam auffallen.
Eine überarbeitete Checkliste vor der Einreichung soll weitere Verzögerungen verhindern. Genaueres entnehmt ihr der oben verlinkten Ankündigung. Langfristig soll dies die Dauer des Verfahrens wieder auf drei bis fünf Werktage reduzieren. Aktuell liege man bei »bis zu zwölf«. Aber selbst diese Zeit wird, wie wir von einigen Entwicklern wissen, teils überschritten.
Der Grund hinter dem Stau
Zwar nennt Steam in dem Beitrag keine konkreten Gründe für die vielen Einreichungen in letzter Zeit, ein Verdächtiger liegt aber auf der Hand: Generative KI. Steam verzeichnet seit einigen Jahren einen stetigen Anstieg an Spiel-Releases.
Auf SteamDB seht ihr, dass im Jahr 2025 bereits 21.000 Spiele veröffentlicht wurden. Im Jahr 2026 stehen wir bereits bei 24.500. Auffällig dabei ist außerdem, dass die Zahl der »eingeschränkten Spiele« deutlich höher ist und sich der Rest der Releases nur geringfügig steigert.
Unter diese eingeschränkten Spiele fallen Titel, dessen Profilfunktionen durch Steam limitiert wurden. Solange ein Spiel diesen Status hat, kann es euer Steam-Profil nicht beeinflussen. Das bedeutet: Keine Sammelgegenstände, keine ausstellbaren Errungenschaften und keine Zählung in Statistiken wie eurer Spielesammlung.
Hintergrund ist das Verhindern von Missbrauch durch Shovelware oder unfertige Spiele, deren einziger Zweck es ist, Steam-Profile zum Beispiel durch Account-Level oder Achievements zu pushen. Dieser Status wird erst aufgehoben, wenn das Spiel einen bestimmten Schwellenwert in den Verkaufszahlen erreicht.
Man kann guten Gewissens annehmen, dass KI hier eine entscheidende Rolle spielt, denn immer mehr Spiele nutzen GenAI. Immerhin zeigen Berechnungen, dass allein im Oktober 2026 knapp die Hälfte aller Releases über KI-generierte Inhalte verfügt. Das sind fast doppelt so viele wie noch im Oktober letzten Jahres.
Maßnamen anderer Plattformen
Steam ist nicht die einzige Plattform, die jetzt Maßnahmen ergreift um der Flut an neuen Herr zu werden. So führen beispielsweise die Spieleplattform Itch.io und der Mod-Hub Nexus Mods Features ein, um den Umgang mit KI-Inhalte zu erleichtern.
Auf Itch.io gibt es jetzt eine Filter-Funktion, mit der User Titel, die generative KI enthalten, aus der Suche ausschließen können.
Nexus Mods hingegen überarbeitete die Voraussetzungen für das Hochladen von Mods. Es gab zuvor zwar bereits KI-Tags, aber jetzt ist es für Ersteller verpflichtend, eine Angabe zur Nutzung von KI zu machen. Dazu kommt außerdem eine Erklärung, inwiefern KI zum Einsatz kam. Darüber hinaus werden diese Angaben deutlich auf der entsprechende Seite der Mods hervorgehoben. Auch hier soll eine Art Filterfunktion die Suche für User in Zukunft erleichtern.
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