500 km/h schnell, 60 Milliarden Euro teuer: Der »Chuo Shinkansen« hat grünes Licht und er ist Japans größtes Zugprojekt

Der Chuo Shinkansen soll dereinst mit bis zu 500 km/h zwischen Tokio und Osaka schweben und dabei komplett ohne Schienenkontakt auskommen. Jetzt ist die größte politische Hürde des Milliardenprojekts gefallen.

Nach sieben Jahren Baustopp hat Japans Magnetschwebebahn-Projekt Chuo Shinkansen grünes Licht bekommen – die Fertigstellung verzögert sich trotzdem um ein Jahrzehnt. (© JR Central) Nach sieben Jahren Baustopp hat Japans Magnetschwebebahn-Projekt Chuo Shinkansen grünes Licht bekommen – die Fertigstellung verzögert sich trotzdem um ein Jahrzehnt. (© JR Central)

Kaum ein Land ist so eng mit dem Hochgeschwindigkeitszug verbunden wie Japan: Schon 1964 eröffnete dort mit dem Tokaido-Shinkansen die erste Bahnstrecke der Welt, auf der reguläre Züge mit mehr als 200 km/h verkehrten.

Seither hat das Land sein Schienennetz immer weiter ausgebaut und dabei auch auf gänzlich neue Antriebstechnik gesetzt – etwa auf Magnetschwebebahnen, die statt auf Rädern und Schienen komplett berührungsfrei über einem Magnetfeld gleiten. Genau ein solches Projekt hat jetzt eine entscheidende Hürde genommen.

  • Sieben Jahre lang stand der Bau still, jetzt bewegt sich wieder etwas: Der Gouverneur der Präfektur Shizuoka, Yasutomo Suzuki, hat den Weg für einen knapp sechs Kilometer langen Tunnelabschnitt freigemacht, ein formales Abkommen mit Betreiber JR Central soll wenige Tage später folgen (via Railway Gazette).
  • Ausgelöst hatte den Stillstand 2019 Suzukis Vorgänger im Amt, Heita Kawakatsu: Er befürchtete, dass die Tunnelbohrungen unterirdische Wasseradern kappen und so den Oi-Fluss sowie einen wichtigen Stausee austrocknen lassen könnten – mit Folgen für hunderttausende Anwohner flussabwärts, die größtenteils von der Landwirtschaft leben.

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Neuer Gouverneur, 28 abgehakte Auflagen

Den entscheidenden Unterschied macht die neue Präfekturführung: Suzuki, seit 2024 im Amt, hatte im Wahlkampf zugesagt, das Projekt zu unterstützen, solange die Umwelt nicht leidet.

Auf dieser Basis stellte ein Expertengremium JR Central (via Tokyo Weekender) eine lange Liste an Auflagen zum Schutz der Wasserversorgung – insgesamt 28 einzelne Punkte, die der Konzern bis in dieses Frühjahr hinein nach und nach abarbeitete. Als zusätzliche Absicherung will die Präfektur den weiteren Baufortschritt selbst im Blick behalten und sich vorbehalten, im Zweifel Nachbesserungen samt Kostenübernahme einzufordern.

  • Nicht überall an der Strecke läuft es aktuell so rund. (via NHK World): Andere Baustellen sorgen für eigene Probleme: In Tokio musste eine Straße im Bezirk Shinagawa gesperrt werden, nachdem sie sich über den laufenden Tunnelarbeiten abgesenkt hatte.
  • In der Stadt Mizunami, gut 250 Kilometer weiter westlich in der Präfektur Gifu, treten seit einem Zwischenfall im Jahr 2023 vergleichbare Probleme auf: Ausgetretenes Grundwasser ließ dort Brunnen versiegen und den Boden absacken. An beiden Orten liegen die Bohrarbeiten bis heute auf Eis.

Fast doppelte Kosten, ein Jahrzehnt Verspätung

Auch preislich hat sich einiges getan. Die Baukosten allein für den ersten, kürzeren Abschnitt zwischen Tokio und Nagoya lagen laut ursprünglicher Kalkulation aus dem Jahr 2014 bei umgerechnet rund 34 Milliarden Euro.

Innerhalb weniger Jahre kletterte diese Zahl auf inzwischen etwa 61 Milliarden Euro (via BFM) – nahezu eine Verdopplung. JR-Central-Präsident Shunsuke Niwa räumte öffentlich ein, die Entwicklung ernst nehmen zu müssen. Ein Grund für die hohen Kosten: Rund 85 Prozent der gesamten Trasse verlaufen durch Tunnel.

  • Ursprünglich sollte allein der Abschnitt Tokio–Nagoya bereits 2027 eröffnen. Laut Niwa wird daraus nun frühestens Mitte der 2030er-Jahre etwas, da die Tunnelarbeiten in Shizuoka selbst rund zehn Jahre dauern dürften.
  • Ist die gesamte Strecke bis Osaka irgendwann fertig, soll die Fahrzeit zwischen den Metropolen bei rekordverdächtigen 67 Minuten liegen – gegenüber gut zwei Stunden mit dem schnellsten heutigen Shinkansen.

Die Reaktionen vor Ort fallen gemischt aus: Pendler zwischen Shizuoka und Tokio freuen sich auf kürzere Reisezeiten, ein Sake-Hersteller vor Ort sorgt sich dagegen um den Wasserstand des Oi-Flusses, von dem seine Brauerei abhängt.


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