Manche Spiele entstehen am Reißbrett von Marktforschern, wohlkalkuliert, stromlinienförmig und darauf bedacht, bloß niemanden zu überfordern. Und dann gibt es da noch Crimson Desert.
Als ich das Fantasy-Epos von Entwickler Pearl Abyss das erste Mal gespielt habe, saß ich mehr als einmal wie baff vor dem Bildschirm und konnte nur ungläubig den Kopf schütteln. Im Open-World-Monstrum der Südkoreaner treffen brachiale Nahkämpfe im Stil einer mittelalterlichen Schlägerei auf Wrestling-Würfe, während man im nächsten Moment auf einen Drachen steigt, mit dem Greifhaken durch Baumkronen saust oder ein aufgeschrecktes Huhn durch ein Dorf jagt.
Crimson Desert wirkt wie der fieberhafte Traum eines Teams, das jedes denkbare Spieldesign-Konzept der letzten Jahre in einen riesigen Topf geworfen und kräftig umgerührt hat.
Mit der ersten großen Erweiterung Charting the Unknown treiben die Macher dieses Prinzip nun auf die Spitze. Statt das bestehende Gerüst behutsam zu polieren und sich auf den Lorbeeren auszuruhen, packen sie einfach noch eine Schaufel Absurdität obendrauf.
Das sind gute Neuigkeiten für mich: Pearl Abyss bleibt seiner herrlich maßlosen Linie auch im DLC treu. Genau diese Verweigerung jeglicher Vernunft ist der Grund, warum mich diese Spielwelt so fasziniert und warum sich meiner Meinung nach auch dieser Zusatzinhalt wieder glänzend verkaufen wird.
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Crimson Desert: Charting the Unknown zeigt eine Woche vor dem Release Schiffskämpfe, Romanzen und Hausbau
Ein Sammelsurium aus purem Tatendrang
Schon das Hauptspiel glich einer gigantischen Spielwiese, auf der scheinbar niemand jemals das Wort »Nein« aussprechen durfte. Taekwondo-Tritte, Alchemie, Heißluftballons, Schusswaffen, mechanische Apparate und Minispiele wie Armdrücken in der Taverne - alles durfte, nein musste rein.
Während westliche Großproduktionen oft Jahre damit verbringen, Mechaniken auf ein massentaugliches Minimum herunter zu stutzen, feierten Crimson Desert und seine Entwickler den hemmungslosen Feature-Overkill, auch noch nach Release mit etlichen Patches.
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