»15 Minuten statt Tage« – Forscher feiern KI, die das Entziffern römischer Steintafeln viel leichter macht

Google DeepMind hat die KI Aeneas öffentlich zugänglich gemacht und viele Forscher sind begeistert.

Wir lernen bald deutlich schneller über die römische Vergangenheit, als zuvor. (Bildquelle: Adobe Stock - Fabiomax | Google) Wir lernen bald deutlich schneller über die römische Vergangenheit, als zuvor. (Bildquelle: Adobe Stock - Fabiomax | Google)

2.000 Jahre alte römische Steintafel entziffern und übersetzen ist gar nicht mal so einfach, denn es ist nicht nur eine linguistische Herausforderung. Oftmals fehlt ein Teil der Tafel oder Witterung hat sie unleserlich gemacht.

Manchmal fehlt auch der Kontext, in dem die Tafel geschrieben (oder gemeistelt) wurde, da sie nicht an ihrem ursprünglichen Ort gefunden wurde.

Bisher mussten Historiker mühsam durch Archive wühlen, um ähnliche Inschriften zu finden und so nach und nach näher an eine korrekte Übersetzung zu kommen. Das kann Tage oder Wochen dauern. Googles neue KI Aeneas schafft das in 15 Minuten (via winbuzzer).

Aeneas-KI begeistert Historiker

Was kann die KI genau? Die am 23. Juli 2025 vorgestellte KI ist auf der offiziellen Webseite frei verfügbar und analysiert sowohl Text als auch Bilder. So hilft sie den Forschern:

  • Fehlende Textteile ergänzen: Die wohl größte Stärke der KI, da fehlende Textabschnitte eine große Herausforderung für Historiker sind.
  • Alter bestimmen: Die KI ist durchschnittlich auf 13 Jahre genau.
  • Herkunft identifizieren: Sie hat eine 72-prozentige Trefferquote, die Tafeln einer der 62 römischen Provinzen zuzuordnen.
  • Ähnliche Inschriften finden: Sie sucht in einer Datenbank mit über 176.000 Texten und findet sie in Minuten.

Tests mit 23 Epigraphie-Experten haben gezeigt: Die KI-Vorschläge waren in 75 Prozent der Fälle ein wertvoller Ausgangspunkt. Die Forscher fühlten sich zu 23 Prozent sicherer bei ihren Interpretationen.

Ein Forscher berichtete:

Die von Aeneas gefundenen Paralleltexte haben meinen historischen Fokus komplett verändert. Das hätte mich ein paar Tage statt 15 Minuten gekostet.

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Technische Innovation: Erste multimodale Epigraphie-KI

Anders als Standard-Sprachmodelle wie ChatGPT, die Milliarden von Dokumenten benötigen, setzt Aeneas auf eine maßgeschneiderte Lösung. Der Grund: In der Epigraphie gibt es nur begrenzt hochwertige Digitalisate antiker Inschriften.

Das Herzstück bildet ein T5-Decoder, der Zeichenfolgen verarbeitet. Daran gekoppelt sind spezialisierte neuronale Netzwerke - sogenannte Heads - die jeweils für bestimmte Aufgaben optimiert sind, wie es im Forschungsdokument des Projekts beschrieben wird:

  • Restaurierungs-Head: Ergänzt fehlende Textpassagen.
  • Datierungs-Head: Bestimmt das Alter der Inschrift.
  • Attributions-Head: Identifiziert die geografische Herkunft.

So könnt ihr euch die Ergänzung durch die KI vorstellen. (Bildquelle: Google Aeneas) So könnt ihr euch die Ergänzung durch die KI vorstellen. (Bildquelle: Google Aeneas)

Bisher scheiterten KI-Modelle oft daran, dass sie nicht wussten, wie viele Zeichen in einer Lücke fehlen. Aeneas löst das Problem:

Ein spezielles Symbol markiert ungewisse Lücken. Ein zusätzliches Hilfsnetzwerk analysiert dann, ob ein einzelnes Zeichen fehlt oder ganze Wortgruppen. Das macht die KI angeblich deutlich praxistauglicher.

Aeneas ist die erste KI ihrer Art, die sowohl Text als auch Bilder für die Herkunftsbestimmung nutzt. Ein separates Vision-Netzwerk analysiert:

  • Form der Inschrift: Ist die Tafel rechteckig, rund und/oder fragmentiert?
  • Layout und Struktur: Wie groß sind Zeilenabstände, Buchstaben?
  • Materialspuren: Wurde für die Tafel Marmor, Bronze oder Stein genutzt?

Diese visuellen Merkmale sind entscheidend, da verschiedene römische Provinzen unterschiedliche Stile pflegten.

Kritische Stimmen: Langzeitnutzen noch unklar

Aeneas scheint viele Forscher zu begeistern, doch nicht alle Experten sind vollständig überzeugt. Kathleen Coleman, Professorin in Harvard, warnt davor zu voreilig zu sein:

Es ist noch nicht klar, wie nützlich das Tool langfristig für die Arbeitsabläufe der Historiker sein wird.

Coleman betont die Notwendigkeit von Langzeitstudien, da sich neue Technologien in der Forschung oft erst nach Jahren bewähren.

Video starten 56:01 GameStar Tech Talk: Geht KI zu weit?

Kostenlos für alle Forscher

Für alle Forschenden der Welt und auch für alle Hobbyhistoriker gilt: Ihr könnt diese KI auch nutzen, denn Google stellt Aeneas komplett kostenlos zur Verfügung:

Auch das Vorgängermodell Ithaca für altgriechische Texte wurde mit der neuen Architektur aufgerüstet.

Übrigens: Aeneas reiht sich in Googles "AI for Science"-Initiative ein, zu der auch AlphaFold (Proteinstruktur) und AlphaGeometry (Mathematik) gehören.

Während manche Experten noch vorsichtig bleiben, zeigen die ersten Tests: Die KI könnte die Erforschung der römischen Antike revolutionieren. Aus tagelanger Archivarbeit werden Minuten – und aus fragmentierten Steinbrocken wird wieder lesbare Geschichte.

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