Dieser Design-Trend nervt mich einfach: Warum der Power-Button nicht auf die Tastatur gehört

Was hat die Power-Taste im Layout eurer Notebook-Tastatur verloren? Meiner Meinung nach absolut nichts!

Muss die Power-Taste unbedingt in der Tastatur versteckt werden? Muss die Power-Taste unbedingt in der Tastatur versteckt werden?

Stellt euch mal Folgendes vor: Ihr bearbeitet gerade eine große Excel-Tabelle, die Gedanken fließen, die Finger fliegen über die Tasten, die Zahlen geben sich fast schon von allein ein. Ihr wollt nur noch schnell eine simple Subtraktion durchführen, und plötzlich wird der Bildschirm schwarz. Kein Absturz, kein Bluescreen. Nur die gähnende Leere des Stand-by-Modus.

Glückwunsch, ihr seid soeben Opfer einer Design-Entscheidung geworden, die sich in den letzten Jahren klammheimlich in der Laptop-Welt ausgebreitet hat: Der Power-Button, der sich als stinknormale Taste in das normale Tastaturlayout einreiht. Das gerade beschriebene Problem habe ich in dieser Woche selbst mit einem Testgerät von HP erlebt, das ich gerade zu Testzwecken während meiner Arbeit nutze. 

Bei dem genutzten Laptop sitzt der Power-Taster ganz in der obersten Tastenreihe, direkt oberhalb der Minus-Taste des Ziffernblocks, ganz großes Tennis. Klar, der Druckpunkt ist etwas schwergängiger, aber das Malheur ist jetzt trotzdem passiert. 

Was von den Marketingabteilungen gern als ästhetischer Minimalismus und cleanes Design beworben wird, entpuppt sich im Alltag schnell als ergonomisches Missverständnis. Bei genauerer Betrachtung wird klar: Hier geht es weniger um moderne Ästhetik, sondern vor allem um eine nüchterne betriebswirtschaftliche Kalkulation auf Kosten der Nutzerfreundlichkeit.

Sven Scharpe
Sven Scharpe

Sven ist seit Oktober 2024 Teil der GameStar-Tech Redaktion. Er ist ausgebildeter Fachinformatiker und war unter anderem bei Heise und ComputerBase als Redakteur tätig. Neben Musik der etwas härteren Art hat er auch privat ein ausgeprägtes Faible für technische Geräte, egal ob Laptop, Smartphone oder ganz normale PC-Hardware.

Das Missverständnis von modernem Design

Auf den Hochglanzfotos der Hersteller sehen die Geräte fabelhaft aus, das möchte ich nicht bestreiten. Keine störenden Knöpfe an den Seitenflächen, keine asymmetrischen Unterbrechungen im elegant gefrästen Aluminium- oder Kunststoff-Chassis. Eine einzige, makellose Tastaturfläche dominiert das Bild.

Doch gutes Design zeichnet sich allerdings nicht nur dadurch aus, wie etwas aussieht, sondern vor allem dadurch, wie es funktioniert. Ein Steuerungselement, das eine so fundamentale, und potenziell datenbedrohende, Funktion wie das Ausschalten des Geräts besitzt, darf für mich nicht Bestandteil des Tastatur-Layouts sein.

Die Ökonomie hinter der Taste: Eine reine Rechenfrage

Aber warum entscheiden sich manche Produktentwickler für diesen Weg? Die Antwort liegt in den harten Gesetzen der Massenproduktion. Für globale Hersteller ist die Integration des Power-Buttons in die Tastaturmatrix ein logischer Schritt zur Optimierung der Produktionskette.

Ein separater Power-Button bedeutet im Herstellungsprozess einen erheblichen Mehraufwand:

Separater Power-ButtonIns Tastatur-Layout integrierter Power-Button
GehäusebearbeitungZusätzliche Aussparung (Fräsen/Stanzen) nötigKeine zusätzliche Gehäuseöffnung erforderlich
ElektronikEigene kleine Platine (Daughterboard) & KabelwegeNutzung der ohnehin vorhandenen Tastatur-Matrix
MontageaufwandManuelles oder robotergestütztes VerkabelnEinsetzen des fertigen Tastatur-Moduls in einem Schritt
FehlerquellenZusätzliche Steckverbindungen im GehäuseMinimierte Bauteil-Anzahl im Inneren

In der Summe spart dieser Verzicht auf ein separates Bauteil pro Gerät vielleicht nur Beträge im Cent- oder einstelligen Eurobereich. Bei Produktionszahlen, die in die Millionen gehen, summiert sich diese vermeintliche Kleinigkeit jedoch schnell zu signifikanten Einsparungen. Es ist eine rationale Entscheidung der Controlling-Abteilungen, die jedoch die tägliche Nutzererfahrung ignoriert

Es geht auch anders: Positivbeispiele der Branche

Dass sich Ästhetik und Ergonomie nicht ausschließen müssen, zeigen einige Hersteller, die einen Kompromiss gefunden haben. So setzt Lenovo den Taster einfach oberhalb der Tastatur in die Mitte. Wer jetzt wirklich allergrößten Wert auf Symmetrie legt, wird auch bei einer solchen Lösung glücklich. 

Wenn schon alles symmetrisch sein muss, dann bitte so wie beim Lenovo Legion Pro 7i, wobei das Touchpad dort aber nicht in der Mitte liegt. Wenn schon alles symmetrisch sein muss, dann bitte so wie beim Lenovo Legion Pro 7i, wobei das Touchpad dort aber nicht in der Mitte liegt.

Und wenn Symmetrie ein absolutes Muss ist, kann der Einschaltknopf auch einfach an der Seite des Geräts platziert werden. Aber ganz ehrlich: Mir ist es wirklich sowas von wumpe, ob der Power-Taster nun die Symmetrie stört oder nicht. 

Apple setzt bei seinen Laptops ja ebenfalls auf eine ins Layout integrierte Taste, aber immerhin gibt es dort eine deutlich spürbare Mulde auf der Oberfläche. Damit fühlt sich die Taste zumindest komplett anders an, der Druckpunkt ist ebenfalls erhöht. Optimal ist die Lösung zumindest für mich trotzdem nicht.   

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Fazit: Funktionalität ist kein Luxus

Mich persönlich nervt es, wenn die Power-Taste mit ins Layout der Tastatur gequetscht wird. Ich will einen dedizierten Taster. Mir ist schon bewusst, dass viele von euch dieses Problem nicht haben oder sich schlicht nicht an dieser exotischen Positionierung der Einschalttaste stören. 

Für mich ist ein Laptop in erster Linie ein Werkzeug zum Arbeiten und Lernen. Bei jedem Werkzeug muss die Sicherheit der Bedienung an oberster Stelle stehen. Ein unbedachter Tastendruck darf nicht das Risiko bergen, ein laufendes System unvorbereitet herunterzufahren oder in den Ruhezustand zu versetzen.

Ein physisch getrennter Power-Button ist kein Relikt aus der Vergangenheit, sondern ein Zeichen für durchdachtes Produktdesign, das den Menschen in den Mittelpunkt stellt, und nicht die Optimierung der Produktionskosten bis auf den letzten Cent.


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